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Die Toilette ist kein Müllschlucker

Jüterbog Die Toilette ist kein Müllschlucker

Beim „Tag des Wassers“ lud der Zweckverband Jüterbog-Fläming (WAZ) in die Jüterboger Kläranlage. Probleme gibt es dort nicht mit Schmutz, sondern mit Regenwasser. Der Abwassermeister fand aber auch die kuriosesten Objekte, die den Weg von einer Toilette bis in die Kläranlage schafften.

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Abwassermeister Stefan Liese führte durch die Jüterboger Kläranlage. Im „Belebungsbecken“ hinter ihm reinigen Mikroorganismen täglich bis zu 5000 Kubikmeter Wasser.

Quelle: Fotos: Degener (2)

Jüterbog. Rund 30 Interessierte wollten am Mittwoch in die Kläranlage Jüterbog hineinschnuppern und wurden überrascht: „Das riecht gar nicht so streng, wie man denkt“, lautete einhellig der erste Eindruck. Der Wasser- und Abwasserzweckverband Jüterbog-Fläming (WAZ) hatte zum internationalen „Tag des Wassers“ auf die Anlage geladen.

Feuchttücher führen mehrfach pro Woche zu Störungen

WAZ-Geschäftsführerin Ilona Driesner eröffnete den Rundgang mit einem Appell: „Ihre Toilette ist kein Müllschlucker für Feuchttücher und Medikamente“, sagte sie den Gästen. Denn während die langen Fasern der Feuchttücher mehrfach pro Woche zu Störungen an Pumpwerken führen, gibt es für die Medikamente keine Lösung. Sie geraten ungeklärt zurück in die Natur.

Mit dem übrigen Schmutz, der täglich in 3500 bis 5000 Kubikmeter Schmutzwasser in der Anlage ankommt, werden Abwassermeister Stefan Liese und sein Team dagegen fertig. „Wir sind der größte Arbeitgeber in Jüterbog, denn wir arbeiten mit Mikroorganismen“, scherzt Liese.

Immerhin 13 Mitarbeiter des WAZ sind neben den Bakterien im Einsatz, um das Wasser zuerst mechanisch und anschließend biochemisch zu reinigen. Seit 1994 ist die Anlage im Dienst. Liese (30) ist seit 2003 beim WAZ und seit 2014 für das Klärwerk, die Pumpen und das Kanalnetz verantwortlich.

Nicht bloß Spielzeugautos und Unterwäsche landen in der Anlage

Dass menschliche Fäkalien den größten Teil des Drecks im Abwasser ausmachen, stellte niemand in Frage. Gespannt waren die Besucher auf die Kuriositäten, die im Klärwerk landen. Spielzeugautos, die in der Toilette heruntergespült wurden, Schmuck, Unterwäsche und sogar ein Gebiss lagen schon im Abfall der ersten Reinigungsstufe.

Dort werden alle Objekte, die größer als drei Millimeter sind, herausgefiltert. „Wir hatten aber auch schon Jacken und Schuhe, die es durch das ganze Rohrsystem hierher geschafft haben“, sagt Liese.

Wenn sich der Mikroben-Schlamm abgesetzt hat, ist das Wasser eigentlich schon wieder trinkbar

Wenn sich der Mikroben-Schlamm abgesetzt hat, ist das Wasser eigentlich schon wieder trinkbar. Es wird dann über ein Abklärbecken und den „Schönungsteich“ in die Nuthe geleitet.

Quelle: Peter Degener

Ein Wassertropfen braucht einen halben Tag durch das Klärwerk

In der nächsten Stufe werden Sand und Phosphat aus dem Wasser geklärt. Anschließend wird es mit Sauerstoff versetzt. Bakterien verarbeiten dann die biologischen Schmutzpartikel in Stickstoff, der entweicht. Der übrige Schlamm setzt sich ab, während das saubere Wasser über ein Nachklärbecken und einen Teich in die Nuthe geleitet wird.

Weil es von Becken zu Becken ein Gefälle gibt, kann ohne Pumpen gesäubert werden. „Theoretisch braucht ein Abwassertropfen einen halben Tag, um die Anlage zu durchlaufen“, sagt Liese.

In diesem Becken wird dem Schmutzwasser der Phosphor entzogen

In diesem Becken wird dem Schmutzwasser der Phosphor entzogen.

Quelle: Peter Degener

Übrig bleibt Klärschlamm, der auf die Felder gelangt

Der abgesetzte Schlamm wird in einer Zentrifuge entwässert. Ein ganzer Container getrockneter Klärschlamm – etwa zehn Tonnen - fällt täglich an. „Wir entsorgen unseren Klärschlamm vollständig auf den Feldern um Jüterbog“, sagt Liese. Zumindest, solange es die Bundesgesetze noch erlauben. Andernfalls müsste er teuer verbrannt werden.

Ein Problem ist das Regenwasser bei starken Unwettern

Doch Driesner hat mit Blick auf die Anlage eher eine andere Sorge: Starkregenereignisse. Dann kommen neben Schmutzwasser auch noch Unmengen an Regenwasser in die Kläranlage. Bei den Regenfällen Mitte Februar wurde mit 8000 Kubikmeter ein Rekord erreicht. Die Differenz zur üblichen Menge ist Regenwasser, das größtenteils illegal von Grundstückseignern eingeleitet wird. Das belastet den Betrieb der Anlage und verursacht Kosten, was bald auch die Verbandsversammlung beschäftigen wird.

Von Peter Degener

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