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Die Unverzichtbaren

Abfallentsorgung in der Region Dahmeland-Fläming Die Unverzichtbaren

Der Südbrandenburgische Abfallzweckverband (SBAZV) organisiert die Müllabfuhr in der gesamten Region Dahmeland-Fläming. Einer der erfahrensten Kollegen: der 61-jährige Hans-Joachim Harm. Die MAZ hat ihn auf einer Tour durch Ludwigsfelde begleitet.

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Hans-Joachim Harm ist seit 28 Jahren Müllfahrer und er mag seinen Beruf.

Quelle: Martin Küper

Dahmeland-Fläming . Hans-Joachim Harm steuert seinen Müllwagen so gelassen und routiniert, als würde er sich ein Butterbrot schmieren. Es ist noch früh am Morgen und die Einfahrten zu den Häuserblocks an der Allende-Straße in Ludwigsfelde sind kaum breiter als ein Mittelklassewagen. Aber das Lenkrad bewegt sich keinen Zentimeter zu viel, wenn der 61-Jährige den Spezial-Laster rückwärts in Richtung der großen Abfalltonnen manövriert. Ein kleiner Bildschirm auf dem Armaturenbrett zeigt ihm an, was hinter dem Wagen passiert. „Man muss ruhig bleiben und immer die Augen auf haben, dann kommt man gut durch die Tour“, sagt der Mahlower, der seit 28 Jahren als Müllfahrer arbeitet.

An diesem Tag steht Hausmüll auf dem Programm. Dienstbeginn ist um 6.30 Uhr auf dem Betriebshof des Südbrandenburgischen Abfallzweckverbandes (SBAZV) im Ludwigsfelder Preußenpark. Von dort fahren Harm und sein jüngerer Kollege Rico Hausmann in den Westen der Stadt. Mehr als 13 Tonnen Müll kann der blau-grüne LKW mit der rotierenden Trommel fassen, voll beladen wiegt er dann mehr als 26 Tonnen.

Bis es soweit ist, wird Rico Hausmann aber noch einige Male vom Trittbrett

Die rotierende Trommel des  LKW fasst mehr als 13 Tonnen Abfall

Die rotierende Trommel des LKW fasst mehr als 13 Tonnen Abfall.

Quelle: Martin Küper

springen und je eine der grünen Hausmülltonnen in den Greifarm bugsieren. „Das geht in die Arme, wenn man das den ganzen Tag macht“, sagt Hans-Joachim Harm. Darum kommt er seinem Kollegen normalerweise auch bei jedem Stopp zur Hilfe, wenn nicht gerade ein neugieriger Besucher auf dem Beifahrersitz Platz genommen hat. „Wenn sie vollgestopft sind, können die Roll-Container mehr als eine Tonne wiegen“, erklärt Harm. Aber die beiden Müllfahrer beschweren sich nicht. „Jetzt im Herbst ist eigentlich die perfekte Jahreszeit für uns“, sagt Harm. „Es ist nicht so heiß, dass der Müll stinkt, und nicht so kalt, dass er festfriert.“ Rico Hausmann zieht an seiner Zigarette und wartet darauf, dass der gefräßige Müllwagen den Container über seinem rotierenden Schlund ausgeschüttelt hat. Die Drehbewegung der Trommel leitet den Müll immer weiter ins Innere. Sämtliche Müllsäcke werden dabei zerrissen und so stark verdichtet, dass der LKW mehr als sein eigenes Gewicht in Abfall aufnehmen kann. Die Technik ist außerdem deutlich weniger störanfällig als die hydraulischen Müllpressen früherer Tage.

Der SBAZV wurde 1993 gegründet und besorgt die Abfallentsorgung im Landkreis Teltow-Fläming sowie im Altkreis Königs Wusterhausen. Von 2017 an soll der Verband auch im Süden des Landkreises Dahme-Spreewald arbeiten. Hans-Joachim Harm ist meist in Teltow-Fläming auf Müllfahrt. Jüterbog, Luckenwalde, Dahme oder Baruth: Die Orte kennt er besser als jeder Taxifahrer. Ein Bekannter besorgte ihm vor rund drei Jahrzehnten den Job. Die DDR verschwand bald selbst auf der Deponie, aber sein Beruf ist krisenfest – auf die Müllabfuhr wollen die Leute selbst in Revolutionszeiten nicht verzichten.

Hintergrund

Seit 2006 betreibt der SBAZV in Niederlehme eine sogenannte Restabfall-Behandlungsanlage. Die Anlage verarbeitet die Abfälle von rund 460 000 Menschen zu Brennmaterial für Kraftwerke.

871 Tonnen illegalen Müll wie Autowracks, Altreifen oder Bauschutt musste der SBAZV 2014 entsorgen.

Am Standort in Niederlehme sowie in Luckenwalde und Ludwigsfelde betreibt der SBAZV Recyclinghöfe, wo Privatleute zum Beispiel Elektroschrott entsorgen können.

Weitere Infos auf www.sbazv.de

Hans-Joachim Harm mag seinen Beruf. „Man ist viel an der frischen Luft und normalerweise bin ich spätestens um 17.15 Uhr zu Hause“, erzählt der gelernte Maler, der seit 38 Jahren verheiratet ist und drei erwachsene Kinder hat. Ärgerlich ist nur, wenn die Leute ihren Müll mal wieder lose in die Tonne werfen, anstatt im Beutel. Was dann passiert? Der Müll stinkt oder friert fest. „Der Verband hat schon öfter Flyer verteilt, um die Leute darauf hinzuweisen“, erzählt Harm. „Aber es hilft nicht viel.“ Nicht immer ist er mit Rico Hausmann auf Tour, die Schichten und Touren variieren, damit die Mitarbeiter möglichst das gesamte Verbands-Gebiet kennenlernen. „Und wenn mal einer krank ist, wird natürlich vertreten“, sagt Harm, dessen Arbeitswoche vier Tage hat.

Die wichtigste Qualifikation für ihn, Hausmann und die anderen Müllfahrer des SBAZV ist der LKW-Führerschein: Den müssen sie ihrem Arbeitgeber jeden Monat vorlegen. „Alle fünf Jahre muss der Führerschein außerdem erneuert werden“, erzählt Harm. „Da gibt es dann ein Seminar über 35 Stunden und eine ärztliche Prüfung.“ In eine brenzlige Situation ist Harm zum Glück noch nie gekommen. „Aber man muss natürlich immer aufpassen, vor allem darauf, dass keine Kinder im Ladebereich sind“, sagt er.

Rückfahrkamera im Fahrerhaus

Rückfahrkamera im Fahrerhaus.

Quelle: Martin Küper

Gegen 10 Uhr vormittags zeigt das Display hinter dem Lenkrad etwas mehr als 26 Tonnen Gewicht an. „Aber man hört schon am Geräusch der Trommel, ob sie voll ist“, sagt Harm. „Und irgendwann stoppt sie automatisch.“ Das Ludwigsfelder Helden-Viertel haben die zwei zu diesem Zeitpunkt gerade komplett hausmüllfrei gemacht. Nun ist es Zeit, auf die Autobahn zu kommen und nach Niederlehme zu fahren. Dort betreibt der SBAZV einen von drei Recyclinghöfen im Verbandsgebiet. Zweimal pro Tour laden Harm und seine Kollegen ihre stinkende Fracht dort ab. „Heute liegen wir gut in der Zeit“, sagt Hans-Joachim Harm. „Da können wir wohl ein bisschen früher Feierabend machen als sonst.“

Von Martin Küper

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