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Die Vermüllung der Gemeinden

Dahmeland-Fläming Die Vermüllung der Gemeinden

Ob Grünabfälle, Elektrogeräte oder normaler Hausmüll: Manche Menschen deponieren ihren Abfall lieber in der Umwelt als sie in den bereitgestellten Müllcontainern oder auf dem Recyclinghof zu entsorgen. Die Kommunen kommen mit dem Aufräumen kaum hinterher – und ihrem Eifer sind auch Grenzen gesetzt.

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Ein illegaler Müllhaufen in der Luckenwalder Schützenstraße.

Quelle: Margrit Hahn

Dahmeland-Fläming. Ein Wäschetrockner, ein Küchentisch, eine Matratze und ein Kindersitz, ein Wasserkocher, eine Sandale, eine Kuscheldecke und fünf Regalbretter. Die Eigentümer wollten sich davon trennen, vielleicht passten die Dinge nicht mehr in die Einrichtung, das kommt schon mal vor. Sie hätten sie zum Abfallhof bringen können, es gibt einen in Luckenwalde, die Entsorgung wäre kostenlos gewesen. Aber den Unbekannten fiel offenbar eine bequemere Lösung ein: Sie luden den Müll einfach auf einer Brache am Eingang der Luckenwalder Mühlenstraße ab und machten sich aus dem Staub.

Womöglich hatten sie nicht einmal ein schlechtes Gewissen, denn der Abfallberg, den sie hinterließen, ist klein im Vergleich zu dem, der sich ein paar Ecken weiter an der Schützenstraße findet. Dort liegen schon seit zwei Jahren ganze Wohnlandschaften unter Bäumen, dazu Sessel, Müllsäcke, Farbeimer und Fliesentische. Der Haufen würde ganze Sperrmüllcontainer füllen, aber um einen solchen hat sich in der ganzen Zeit niemand bemüht – wohl auch aus Gründen der Zuständigkeit. „Wir gehen Hinweisen üblicherweise nach und beauftragen den Bauhof. Für illegale Deponien in dieser Größenordnung sind wir aber nicht zuständig, das ist Sache des Landkreises“, heißt es aus der Stadtverwaltung.

Illegale Müllentsorgung ist vielerorts ein Problem

Abfall achtlos weggeworfen, Müll im Gebüsch deponiert, Grünschnitt im Wald aufgehäuft – die illegale Müllentsorgung ist nicht nur in Luckenwalde ein Problem, sondern in allen Gemeinden. Die Stadt Königs Wusterhausen meldete vor wenigen Tagen, dass tatkräftige Bürger bei einem Frühjahrseinsatz 177 Müllsäcke, 15 Kubikmeter Bauschutt sowie Autoreifen, Kühlschränke und Schrott aus den einschlägigen Dreckecken der Stadt räumten. „Die Abfallberge machen stolz und traurig zugleich“, sagte Maria Böhme vom Verein Abfallstreife hinterher. Stolz, weil sich immer noch genügend Menschen finden, die ihre Stadt lieber sauber sehen und die den Müll der anderen wegräumen. Traurig aber sei, sagt Maria Böhme, dass es Menschen gibt, die einfach ihre Habseligkeiten im Stadtraum verteilen und damit gedankenlos Umwelt und Mitmenschen belasten. „Sie entledigen sich völlig ihrer Verantwortung.“

Solche Klagen und Appelle gibt es seit Jahren, aber die Lawine an illegalem Müll, der sich täglich über die Region ergießt, reißt nicht ab. Zwar konstatiert der Südbrandenburgische Abfallzweckverband, der im Auftrag der öffentlichen Hand viele Dreckecken entsorgt, in seiner Langzeitstatistik einen deutlichen Rückgang an illegalem Abfall seit 1995. Damals wurden 4621 Tonnen Müll aus der Landschaft geklaubt, im vorigen Jahr waren es noch 793 Tonnen, also nur noch ein Sechstel. Aber der große Rückgang setzte vor allem in den 90er Jahren ein. Seit den späten 2000er Jahren ist das Niveau der illegalen Vermüllung konstant. Es bleibt ein Frustthema, sowohl für Bürger, die sich immer wieder bei Behörden beschweren, als auch für die Verwaltungen selbst.

Schönefelder Bürgermeister: „Wir kommen nicht hinterher“

„Es ist ein Wahnsinn, was bei uns passiert. Man weiß gar nicht, was man davon halten soll“, sagt etwa Udo Haase, Bürgermeister von Schönefeld. Haase hat erst vor wenigen Tagen einen jungen Praktikanten durch seine Gemeinde geschickt, um eine Bestandsaufnahme der schlimmsten Dreckecken vorzunehmen.

Was er anschließend auf den Fotos sah, ließ ihn am Verstand seiner Mitmenschen zweifeln. Da lagen nicht nur Berge von Grünschnitt im Schönefelder Gemeindegebiet, sondern auch ganze Pakete von Asbestplatten, Dachpappe und Bauschutt im großen Stil. Dabei seien die Ordnungsamtsmitarbeiter schon darauf geeicht, auf ihren täglichen Rundgängen Müll zu erspähen und Räumaufträge gleich an den Bauhof weiterzuleiten, sagt Haase. „Aber wir kommen nicht hinterher. Besonders im Frühjahr, wenn alle ihre Lauben ausmisten, findet sich täglich irgendwo ein neuer Haufen. Es ist unglaublich.“

Haase hat deshalb in der Vergangenheit schon öfter gegrübelt, wie man das Problem in den Griff bekommen könnte. Einmal wollte er eine private Detektei damit beauftragen, die Dreckecken zu bewachen und Umweltsünder auf frischer Tat zu ertappen. „Das wurde mir aber untersagt, private Dienstleister dürfen keine hoheitlichen Aufgaben übernehmen“, berichtet Haase. Dann wollte er Drohnen einsetzen, aber auch da gab es Beschränkungen. Nicht einmal seine Ordnungsamtsleute könne er nachts an den Hauptablagestellen postieren. „Die dürfen nachts nicht arbeiten. Außerdem will ich nicht, dass sie an die Müll-Mafia geraten. Die kann gefährlich sein, das sind Leute, die damit Geld verdienen“, sagt Haase.

Verstöße schwierig nachzuweisen

Und selbst wenn man jemanden erwischt, sei es schwierig, die Verstöße nachzuweisen. „Ich habe mal einen auf frischer Tat ertappt und ihn angesprochen“, erzählt Haase. „Der hat gesagt, er räume sein Auto nicht aus, sondern ein. Dann hat er alles wieder aufgeladen und ist weggefahren. Da kann man nichts machen.“

Zossens Bürgermeisterin Michaela Schreiber (Plan B) hat deshalb jetzt einen anderen Weg eingeschlagen – sie konzentriert sich auf die Eigentümer der vermüllten Grundstücke. Im Zossener Ordnungsamt würde auf Beschluss der Stadtverordneten gerade ein zusätzlicher Mitarbeiter für den Außendienst eingestellt, damit sollen die Kontrollen künftig deutlich strenger werden. „Wir werden wesentlich präsenter sein, haben die Routen neu aufgeteilt und werden auch Hinweisen von Bürgern verstärkt nachgehen“, sagt Schreiber.

In Zossen droht Ordnungsgeld

Anwohner, die die Straße vor ihrem Haus nicht sauber halten und von illegalem Müll befreien, bekommen künftig Verwarnungen per Post. Es droht ein Ordnungsgeld von bis zu 1000 Euro. Und wenn es sich um städtische Grundstücke handelt, bekommen die zuständigen Mitarbeiter Ärger mit ihrer Chefin. „Das kann manchmal mehr weh tun als ein Ordnungsgeld“, sagt Schreiber.

Bei allem Frust über die Vermüllung weiß Udo Haase allerdings auch Skurriles zu berichten. Kurz nach der Wende sei Schönefeld ein beliebter Anlaufpunkt für Leute gewesen, die ihre alten Autos loswerden wollten. „Wir hatten plötzlich 150 Autowracks bei uns stehen“, sagt er. Um diese Wracks entwickelten sich schnell ein geschäftiges Treiben. Es gab Leute, die die Autos nach Ersatzteilen durchforsteten und sich Spiegel, Keilriemen oder Auspuffrohre abbauten. „Und dann gab es einen Polen, der eigentlich nichts mit den Autos zu tun hatte“, erzählt Haase. Der Mann habe sich aber als Betreiber ausgegeben – und Geld für die Ersatzteile kassiert. So wild geht es bei aller Vermüllung dann heute doch nicht mehr zu.

Von Oliver Fischer

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