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„Die Wahl zwischen Pest und Cholera“

Interview mit Erik Stohn „Die Wahl zwischen Pest und Cholera“

Der SPD-Landtagsabgeordnete Erik Stohn ist am Montag bei einer AfD-Demo in Jüterbog (Teltow-Fläming) auf die Bühne gerufen worden. Danach wurde er von den Demonstranten ausgebuht und beschimpft. Im MAZ-Interview sagt er, warum er überhaupt auf die Bühne gegangen ist und wie er sich dabei gefühlt hat.

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Der SPD-Politiker Erik Stohn (links) bei der AfD-Demo auf der Bühne.

Quelle: MAZ

Jüterbog. Die Demonstration der Alternative für Deutschland (AfD) in Jüterbog endete am Montag mit einem Eklat. Der SPD-Landtagsabgeordnete und Stadtverordnete Erik Stohn wurde vom Redner der AfD am Rande der Demo erkannt und auf die Bühne gebeten, um sich den Menschen zu stellen. Die Demonstranten ließen Stohn aber nicht zu Wort kommen.

Erik Stohn

Erik Stohn

Quelle: Partei

Herr Stohn, Sie standen auf der Bühne einer AfD-Demo. Wie kam es dazu?

Erik Stohn: Rund um die Demo standen vereinzelt Leute, die sich die Reden kritisch angehört haben. Ich wollte sie einsammeln, damit wir zusammenstehen. Dabei hat mich der Redner erkannt und angesprochen, ob ich mich den Leuten stellen möchte. Das war die Wahl zwischen Pest und Cholera. Geht man nicht auf die Bühne, gilt man als Feigling, geht man doch, steht man vor Leuten, die gerade aufgepeitscht und in ihren Vorurteilen bestärkt wurden. Da hat man als Demokrat einen schweren Stand und ist die Hassfigur.

Sie wurden sofort übel beleidigt. Wie haben Sie sich dabei gefühlt?

Stohn: Ich muss mir nicht alle Beleidigungen gefallen lassen. Einer ist aber komplett ausgerastet, hat geschrien und wild gestikuliert und die Leute kamen mit ihm immer näher an die Bühne heran. Da dachte ich, dass ich gleich nicht nur verbal, sondern auch körperlich angegriffen werde.

Was hatten Sie überhaupt erhofft, am Mikrofon zu erreichen?

Stohn: An die Menschlichkeit gegenüber Flüchtlingen zu appellieren, machte keinen Sinn, also habe ich gefragt, ob sich durch die Flüchtlinge etwas in ihrem Leben verändert hat. Denn Gespräche mit Bürgern haben mir gezeigt, dass viele nicht merken, dass nun weitere 190 Menschen in ihrer Stadt wohnen. Zwei Dinge habe ich zwischen den Beschimpfungen herausgefiltert. Einmal die Forderung nach Sozialwohnungen, sowie die Bedenken mancher Menschen, nachts vor die Tür zu gehen.

Warum gab es eigentlich keine angemeldeten Gegendemos?

Stohn: In einer Flüchtlingsunterkunft war ein Hoffest als Gegenveranstaltung geplant, das wegen des Wetters ausfallen musste. Das Problem bei den üblichen Gegendemos ist immer die zusätzliche Aufmerksamkeit für die Leute, gegen die man auf die Straße geht.
Interview: Peter Degener

Von Peter Degener

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