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Teltow-Fläming Die Wiege der Raumfahrt
Lokales Teltow-Fläming Die Wiege der Raumfahrt
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11:15 09.10.2016
Wo Wissenschaftler einst Raketenantriebe testeten, stehen heute nur noch Betonklotze. Quelle: Danilo Hafer
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Kummersdorf-Gut

Auf dem Gelände der ehemaligen Heeresversuchsanstalt in Kummersdorf-Gut steht inmitten von Kiefern und einigen Birken ein alter Betonklotz. Die Zeit hat schon deutliche Spuren an dem bunkerähnlichen Gebäude hinterlassen. Nichts deutet darauf hin, dass genau dort die Raumfahrt ihren Anfang nahm. Denn dort, wo heute Moos und Nadeln den Boden bedecken, war Anfang der 1930er Jahre der Arbeitsplatz von Wernher von Braun, Raketeningenieur und ein Wegbereiter der Raketenwaffen und Raumfahrt. „Versuchsstelle West – Prüfstand 2“ lautet die offizielle Bezeichnung dieses Ortes. Dort entwickelte Wernher von Braun unter anderem die Flüssigkeitsraketentriebwerke A1 und A2, auf dessen Grundlage er später die erste leistungsstarke und funktionstüchtige Flüssigkeitsrakete, die sogenannte V2, konstruierte.

Claudia Freifrau von Braun-Janssen. Quelle: Danilo Hafer

Am Donnerstag besuchten 35 internationale Journalisten auf Einladung des Automobilzulieferers und Rüstungskonzerns Rheinmetall die Versuchsstelle Kummersdorf. Unter ihnen war auch die Nichte des einstigen Raketenpioniers. Für Claudia Freifrau von Braun-Janssen war es besonders spannend, die alte Wirkungsstätte ihres Onkels zu besuchen. „Ich kann mich noch sehr gut an die vielen Geschichten erinnern, die er uns erzählt hat“, sagte sie. Während ihrer Schulzeit in New York habe sie ihren Onkel häufig in Huntsville, seinem späteren Arbeitsort, besucht.

Experimente mit Zufallsfaktor

Einmal habe er von einem Experiment erzählt, dass er mit seinen Kollegen in den 30er Jahren durchgeführt habe, so Braun-Janssen. Damals suchten sie eine passende Beschichtung für Raketen. Dafür hatten sie zehn Eimer zur Auswahl, in denen die gleichen Substanzen waren. Sie probierten alle aus. Aber nur bei einem Eimer hatten sie die richtige Substanz. Doch warum? In dem Moment soll der Hausmeister um die Ecke gekommen sein und gesagt haben: Es täte ihm leid, aber ihm sei aus Versehen das Butterbrot in den Eimer gefallen. Das zeige vor allem eines: „Die Entwicklung hatte damals auch viel mit Zufällen zu tun und ist mit heutigen Forschungen überhaupt nicht zu vergleichen“, sagte Claudia von Braun-Janssen. Sie könne sich sehr gut vorstellen, dass genau dieses Experiment dort durchgeführt wurde.

Die Wirkungsstätte Wernher von Brauns in Kummersdorf. Quelle: Danilo Hafer

Bis 1936 forschte Wernher von Braun in Kummersdorf. Als der Platz für die Versuche jedoch nicht mehr ausreichte, ging er mit seinem Team nach Peenemünde. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete von Braun dann in den USA, wo unter seiner Leitung die ersten Trägerraketen für die NASA-Missionen entwickelt wurden. Aufgrund seiner Mitgliedschaft in der NSDAP und der SS ist von Brauns Person bei Kritikern aber auch umstritten. Das weiß auch von Brauns Nichte. Dennoch sagt sie: „Wernher von Braun war ja in erster Linie mein Onkel, auch wenn er immer einen hohen Bekanntheitsgrad hatte.“

Christian Bergner erklärte den Besuchern die Geschichte der ehemaligen Heeresversuchsstelle Kummersdorf. Quelle: Danilo Hafer

Seit 26 Jahren bemüht sich der Verein „Versuchsstelle Kummersdorf“ um den Erhalt des Geländes und dessen historische Aufarbeitung. Für Vorstandsmitglied Gerhard Zwicker war es eine besondere Freude, die Nichte von Wernher von Braun begrüßen zu dürfen. Nicht zuletzt erhofft sich der Verein mit solchen Veranstaltungen mehr Aufmerksamkeit, denn die Zukunft des Geländes ist offen. „Der Besitzer möchte eigentlich einen Windpark und Solaranlagen errichten, das ist aber nicht im Sinne unserer Idee von einem Museum in der Natur“, sagte Zwicker.

Ort von unschätzbarem historischem Wert

„Kummersdorf ist die Wiege der Raketenentwicklung und der internationalen Raumfahrt überhaupt und daher von unschätzbarem historischem Wert“, sagte Rheinmetall-Sprecher Oliver Hoffmann. Daher würde er sich wünschen, dass der Förderverein für den Erhalt dieser historischen Stätte mehr Unterstützung bekommen würde, auch um ihren Erhalt dauerhaft zu sichern, so Hoffmann.

Von Danilo Hafer

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