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Teltow-Fläming Die alte Heimat auf dem Teller
Lokales Teltow-Fläming Die alte Heimat auf dem Teller
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12:25 16.10.2016
Rabiha ist eine Meisterin in der Küche. Quelle: Anja Meyer
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Ludwigsfelde

In der Küche ist Rabiha eine Meisterin des exakten Timings. Wasser in den Topf, Salat schneiden, Dressing anrühren, die vorbereitete Auflaufform in den Ofen, Reis ins kochende Wasser, Butter dazu – innerhalb von 20 Minuten steht ihr perfekt angerichtetes Abendessen auf dem Tisch. Shish Taouk, ein syrisches Gericht aus Kartoffeln und Hühnchen, dazu Reis und arabisches Brot. Wer Rabiha zuschaut, der bekommt den Eindruck, dass sie solch ein Gericht noch mit Links und 40 Grad Fieber auf den Tisch zaubern würde.

Das würde sie wahrscheinlich auch. Kochen ist Rabihas Hobby, Essen hat für sie einen enorm großen Stellenwert. Mal schnell und alleine vor dem Fernseher das Mittagessen herunterschlingen, nur um satt zu werden? Das ginge gar nicht! Natürlich steht sie so viele Stunden am Tag in der Küche, um mit ihrer Familie und am liebsten noch mit Gästen zusammen essen zu können. Heute ist Adel eingeladen, ein Freund aus dem Asylbewerberheim am Birkengrund.

Gewürze aus der Heimat schmecken doch am besten

Adel ist 25 Jahre alt und alleine nach Deutschland geflohen, bei den Yassins hat er eine Art Familienersatz gefunden. Erst lernte er Rabi beim Fußballspielen kennen, der stellte ihn seinen Eltern vor. „Damit hat sich die Tür zum Himmel geöffnet“, sagt er, zeigt auf Rabihas Shish Taouk und grinst. Bei den Yassins gibt es immer Köstlichkeiten aus der Heimat. Die Essgewohnheiten der Familie haben sich in den vergangenen Monaten so gut wie gar nicht geändert. Vor allem weil Berlin um die Ecke ist und weil Freunde wie Adel, der häufig in Berlin unterwegs ist, immer etwas aus den arabischen Supermärkten in Neukölln mitbringen. An sich sei sie neuem Essen gegenüber schon offen, sagt Rabiha. Aber die Gerichte und Gewürze aus der Heimat schmecken ihr eben doch am besten.

Da ist zum Beispiel die getrocknete Färberdistel – ein Gewürz, das in Deutschland kaum bekannt ist. Rabiha hat es gläserweise im Speiseschrank stehen, es gibt ihrem Reis die gelbliche Farbe und das gewisse Etwas. „Ich habe auch schon mal deutsch zubereiteten Reis probiert“, erzählt sie. Er hat ihr nicht geschmeckt. „Entweder war er nicht richtig durch oder zu wässrig“, sagt sie. Auf ihre syrische Zubereitungsart mit viel Butter und Färberdistel lässt sie nichts kommen.

Lebensmittel werden hauptsächlich in Berlin gekauft

Genauso sieht es beim Orangenblütenwasser aus. In Rabihas Schrank steht auch davon immer eine kleine Flasche. Mit einem Schuss verfeinert sie ihre süßen Desserts und trinkt abends einen Schluck pur. Weil es gesund ist. „Bei Verdauungsbeschwerden wirkt es Wunder“, verrät Rabiha. So richtig glücklich ist sie mit ihrem kleinen Fläschchen jedoch nicht. Es wurde industriell destilliert – eigentlich ein Unding. „In Syrien hätte ich das nicht einmal angefasst“, sagt Rabiha. „Da habe ich das frisch von einer alten Frau in der Nachbarschaft gekauft.“ Hier hat sie keine andere Wahl. Und besser Orangenblütenwasser aus der Fabrik als gar keins.

Irgendwie findet Rabiha in ihrem neuen Zuhause für fast alles ein Substitut. „Syrer, die nicht in der Nähe von Großstädten wohnen, haben es da schon schwerer“, sagt sie. Aber in Berlin gibt es eine riesige Auswahl. Und so wird sich wohl in absehbarer Zeit auch nicht viel an den Essgewohnheiten der Familie Yassin ändern. Ganz im Gegenteil: Rabiha freut sich, wenn sie auch anderen Menschen ihre Köstlichkeiten zeigen kann. Vor gut einem Monat kochte sie auf dem Ludwigsfelder Brückenfest eine große Pfanne mit Kartoffeln und Ofengemüse, natürlich arabisch zubereitet. Die große Pfanne war schnell leer. „Meine Frau ist eben die beste Köchin“, sagt ihr Mann Mohammed stolz.

 Info: Die Familie Yassin ist vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen und lebt jetzt in Ludwigsfelde. Die MAZ berichtet wöchentlich über ihr Leben in Deutschland. Alle Folgen: www.maz-online.de/ Brandenburg/Eine-syrische-Familie-hofft-auf-einen-Neustart

Von Anja Meyer

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