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Die nächste große Herausforderung

Wünsdorf Die nächste große Herausforderung

Dietmar Loose ist der dritte Leiter der Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Wünsdorf. Freitag war die vorübergehend mit rund 400 Menschen belegte Einrichtung leer. Seit Montag treffen Frauen, Kinder, Männer ein, die bisher in Berliner Notunterkünften unter schlimmen Bedingungen untergebracht waren. Bis zum Jahresende werden knapp 1000 Neuankömmlinge erwartet.

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Der Wünsdorfer EAE-Leiter Dietmar Loose (blaue Jacke) und Mitarbeiter seines engagierten Teams.

Quelle: Frank Pechhold

Wünsdorf. Weniger Flüchtlinge als Betreuer gibt es derzeit in der landeseigenen Erstaufnahmestelle (EAE) in Wünsdorf. Aktuell sind 28 Frauen, Kinder, Männer untergebracht. Bis Jahresende werden 995  Menschen aus Berliner Notunterkünften in der vom DRK-Landesverband Brandenburg betriebenen Einrichtung eine Zuflucht auf Zeit gefunden haben. Davon ist Dietmar Loose fest überzeugt. Er ist nach Olivier Fiolleau und Timon Marszalek der dritte EAE-Leiter.

„Freitag hatten wir die vorübergehend mit rund 400 Flüchtlingen belegte Einrichtung komplett leer gezogen“, sagt Loose. Montag trafen die ersten Flüchtlinge aus der Hauptstadt ein, Mittwoch die nächsten. Busweise werden in den kommenden Wochen knapp 1000 Geflüchtete vor allem aus Afghanistan, dem Irak und Syrien ihre Behausungen in den Hangars auf dem still gelegten Tempelhofer Flughafengelände, im abrissreifen Kongresszentrum ICC oder zwangsbelegten Turnhallen gegen menschenwürdigere Unterkünfte in Wünsdorf eintauschen.

Krisenbedingungen zum Beginn der „Flüchtlingskrise“

„Das ist auch für mich eine große Herausforderung, wenn auch auf einer ganz anderen Ebene als vor rund einem Jahr“, blickt der 60-Jährige zurück. Am Beginn der sogenannten Flüchtlingskrise half er auf Bitten des bayerischen DRK im Erdinger Camp „Shelterschleife“ mit, den Ansturm zu bewältigen. Bis zu 1000 Menschen wurden täglich aus Passau, Deggendorf und anderen Grenzorten in das Durchgangslager gebracht und von dort aus auf andere Bundesländer verteilt. In dieser Zeit sah Loose gut 100 000 Flüchtlinge kommen und gehen. Manchmal arbeitete er wie andere Helfer 20 Stunden am Tag „wirklich unter Not- und Krisenbedingungen. Das war eine sehr prägende und intensive Erfahrung.“

Menschen in Not hauptberuflich zu helfen und die Neugier auf Brandenburg bewogen den auslandserfahrenen Wirtschaftsingenieur und IT-Experten, sich für die vorerst bis November 2018 befristete Stelle als Leiter der Wünsdorfer EAE zu bewerben. Mitte August trat der gebürtige Niedersachse seine neue Arbeit an. Bei der Ausübung kommen dem verheirateten Familienvater dreier erwachsener Kinder seine sechsjährige ehrenamtliche Tätigkeit als Bürgermeister in seiner Wahl-Heimatgemeinde Unterdießen sowie das ehrenamtliche Engagement in einer Flüchtlingshelfer-Initiative, beim DRK und in der Bergwacht zugute.

50-köpfiges DRK-Team

„Brandenburg hat ja den Ruf von allen Bundesländern am meisten Geld pro Flüchtling auszugeben“, sagt Loose. Das spiegelt sich in der EAE wieder. Dort bereitet Loose ein rund 50-köpfiges DRK-Team auf die Ankunft, Aufnahme und Betreuung der Berliner Flüchtlinge vor. Zum Team gehören Hausbetreuer, Sozialarbeiter, Hausmeister, Krankenpfleger. Die hausärztliche Versorgung übernehmen zwei Mediziner. Facharzttermine müssen in Berlin vereinbart werden. „In allen anderen Fragen arbeiten wir gut mit den Apothekern aus der Region und den Krankenhäusern in Luckenwalde und Königs Wusterhausen zusammen“, sagt Loose.

Hintergrund

Nach einer Vereinbarung zwischen den Ländern Brandenburg und Berlin sollen bis zu 995 Flüchtlinge aus der Bundeshauptstadt vorübergehend nach Wünsdorf ziehen.

Aus Berlin werden nur Flüchtlinge geschickt, deren Asylverfahren noch nicht abgeschlossen sind. Dabei soll es sich zu zwei Dritteln um Familien und zu einem Drittel um junge Männer handeln.

Pro Flüchtling zahlt Berlin einen Tagessatz von 34 Euro.

Was ihn freut, sind die sehr aktiven Ehrenamtler. Da werde die Einrichtung hervorragend von der Zossener Bürgermeisterin Michaela Schreiber (Plan B) und dem Runden Tisch Flüchtlingshilfe unterstützt. Beispielsweise stellt die Stadt Räume im Wünsdorfer Bürgerhaus für ehrenamtlichen Deutsch-Unterricht, Nähkurse, Bastelstunden zur Verfügung. Weiter helfen Ehrenamtler in der Kleiderkammer und bei Fahrradreparaturen. Einen guten Draht gebe es auch zu Rainer Pultz, Leiter der Zossener Polizeiwache. „Im vergangenen Halbjahr gab es keine Strafanzeige gegen einen Flüchtling in unserer Einrichtung“, betont Loose.

Ungeachtet dessen werden vor allem über Facebook Gerüchte über Flüchtlinge in Wünsdorf verbreitet. Weiter ruft die AfD dazu auf, eine Petition „Erstaufnahmelager schließen“ zu unterstützen. „Dazu habe ich natürlich eine persönliche Meinung“, sagt Loose. „Allein die Tatsache, dass meine Mitarbeiter und ich hier in der Erstaufnahmestelle arbeiten, zeigt unsere Einstellung zu der Petition.“

Von Frank Pechhold

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