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Die neue Art Autos zu bauen

Produktionstourismus im Mercedes-Werk Ludwigsfelde Die neue Art Autos zu bauen

Vom Wackelkandidaten zum Vorzeigebetrieb: Autobauer aus der ganzen Welt reisen heutzutage nach Ludwigsfelde, um im Mercedes-Werk zu sehen, wie intelligente Produktion funktioniert. Die hatte Ex-Werkleiter Michael Bauer zusammen mit der Belegschaft und der Uni Cottbus-Senftenberg entwickelt.

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Mit diesen fahrerlosen Transportfahrzeugen, den FTF, entfallen viele Arbeitsschritte und Unfallquellen.

Ludwigsfelde. Es gibt einen Tourismus in der Region, der hat wenig mit Blümchen und blauem Himmel zu tun, tendiert aber dennoch zu blühender Landschaft: Produktionstourismus. Davon sprechen beim Autobauer Mercedes sowohl Chefs in Stuttgart als auch in Ludwigsfelde. Die einen schicken Kollegen aus anderen Werken wie Wörth und Düsseldorf in die Brandenburger Produktionsstätte, das weltweit drittgrößte Transporter-Werk von Daimler, um sich „intelligente Produktion“ anzusehen; die anderen präsentieren sie gern.

Zu dieser intelligenten Produktion gehören vor allem FTF – fahrerlose Transportsysteme, im Werk selbst entwickelt. Nirgends stehen mehr Gitterkörbe, Ladungsträger oder Regale. Die selbstfahrenden Wagen rollen präzise beladen und kaum hörbar genau dorthin, wo sie gebraucht werden, geleitet über optische oder Magnet-Erkennung auf dem Boden. Für dieses System steht bei den Mercedes-Werkern Michael Bauer. Der Mann, der das Werk Ludwigsfelde in nur drei Jahren vom Wackelkandidaten im Konzern zum Vorzeigebetrieb machte. Sollte das Werk noch 2014 unter Umständen geschlossen werden, kam im Oktober aus der Konzernzentrale die erlösende Nachricht: Gerettet. Zudem werden in Ludwigsfelde 150 Millionen Euro in die Entwicklung der nächsten Sprinter-Generation investiert. Wegen seines Erfolgs ist Bauer seit 1. Juni bei Daimler für die weltweite Produktionsplanung der Pkw-Montage zuständig.

Am Dienstag war er wieder in Ludwigsfelde. Um zu erklären, wie intelligente Autoproduktion funktioniert: mit schlanken, ausgeklügelten Prozessen, punktgenauer und hocheffizienter Logistik sowie mit tadelloser Montage, bei der Mitarbeiter minimale Arbeitswege und Greifhöhen haben.

„Es geht um die Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine“, so Bauer. Die seien im Detail untersucht, Hilfe hatte Mercedes vom Lehrstuhl Automatisierungstechnik an der Uni Cottbus-Senftenberg. Schritt für Schritt wurden Papier und jüngst Tablets abgeschafft, eigene Logistik-Lösungen für jeden Arbeitsbereich gesucht. Montagearbeiter suchen nicht mehr in großen Paletten nach Teilen, alles liegt griffbereit. Und: Viele der neuen Lösungen haben sie mit entwickelt. Bauer sagt: „Intelligente Produktion funktioniert nur, wenn die Mitarbeiter mit im Boot sind. Sie sind die Fachleute und wissen aus jahrelanger Arbeit, was geht und was nicht.“ Zudem bescheinigt Bauer der „Mannschaft hohe Motivation und Flexibilität“. Das alles habe den Standort gerettet. „Fühlen sich Mitarbeiter wohl, bringen sie optimale Leistungen für das Produkt“, sagt er.

Das Konzept scheint so erfolgreich, dass selbst aus Charleston (USA), wo Daimler derzeit ein neues Transporterwerk baut, „Produktionstouristen“ kommen, um zu sehen, wie Autobau heute funktioniert, mit FTF, ohne Unfallquellen wie Gabelstapler. Männer wie Logistik-Leiter Andreas Maas oder Montage-Teamleiter Peter Melzer führen Gäste im 14-Tage-Rhythmus durch die Produktion.

Hintergrund

Das Werk Ludwigsfelde hat auf seinem 54 Hektar großen Gelände im Industriepark 18,2 Hektar Produktionsfläche. Dort fertigen 2000 Mitarbeiter täglich mehr als 200 Fahrzeuge des Erfolgstransporters Sprinter. Der Betrieb hat derzeit 150 Azubis.

Gefertigt werden in Ludwigsfelde die offenen Baumuster des Sprinters. Mit Aufbau, Radstand, Gewicht und Motorisierung gibt es ihn in mehr als 350 Kombinationsmöglichkeiten, hinzu kommen Farben und Ausstattungen.

Nach einem Einbruch stieg die Fertigungszahl ab 2012, als in Ludwigsfelde 37 810 Sprinter gebaut wurden. 2013 waren es 42 450, 2014 dann 48 200, dieses Jahr wird eine noch höhere Produktion an der Grenze des Zwei-Schicht-Betriebs erwartet.

Von Jutta Abromeit

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