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Teltow-Fläming Diese Wildgans holt die Kinder von der Schule ab
Lokales Teltow-Fläming Diese Wildgans holt die Kinder von der Schule ab
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00:20 26.12.2018
Melina (l.) und Miriam laufen mit der Wildente Piep durch Gottsdorf. Quelle: Margrit Hahn
Gottsdorf

Die Wildgans „Piep“ gehört bei den Röthels in Gottsdorf längst zur Familie. Die Gans kann es mit jedem Wachhund aufnehmen. Wenn es ihr zu langweilig wird, fliegt sie ins Dorf oder wartet, bis Melina und Miriam Röthel aus der Schule kommen. Dann watschelt die Gans mit den Mädchen nach Hause.

Alles begann mit einer Rettungsaktion

Zwei Tage vor dem Mühlentag am Pfingstmontag wurde Müllermeister Markus Röthel auf einen Tumult im Hof aufmerksam. Er entdeckte ein Küken. Nach einer erster Begutachtung vermutete er, dass es sich um ein Entenküken handelt, dass wohl von der Mutter getrennt wurde. Mit seinen Töchtern Melanie und Miriam fing er das kuschlige Wollknäuel ein und setzte es ins Fließ, damit es zur Mutter konnte.

Die Wildgans „Piep“ gehört bei den Röthels in Gottsdorf längst zur Familie. Die Gans kann es mit jedem Wachhund aufnehmen.

Doch die Ente, die sich später als Wildgans entpuppte, hatte andere Pläne. Sie versteckte sich im Keller des Wohnhauses, wo sie einige Stunden später aufgespürt wurde. So entschieden Röthels, dass auf den Namen Piep getaufte Tier zu behalten. Anfangs durfte es mit ins Haus und sogar mit ins Schlafzimmer. Handtücher wurden ausgelegt und Piep fühlte sich wohl.

Mit der Zeit wuchs die Gans und ihre Haufen wurden immer größer. Da entschieden die Eheleute Mandy und Markus Röthel, die Wildgans aus dem Schlafzimmer zu verbannen. Damit Fuchs, Habicht und andere Räuber dem Tier nichts anhaben können, wurde ein Gehege gebaut. Mittlerweile hat Piep einen eigenen Stall. Brennesseln und Haferflocken gehören zu den Lieblingsgerichten.

Erste Flugversuche

Im Herbst unternahm die Gans erste Flugversuche und alle waren in Sorge, dass sie das Weite suchen würde. Die ersten Flugversuche sahen immerhin lustig aus. „Wir haben uns den Film ,Amy und die Wildgänse’ angeschaut, um zu sehen, wie eine Gans fliegen lernt“, sagt Markus Röthel. Der Vogel übte auf der Mühlenwiese und stellte sich immer geschickter an.

Einen Rückschlag erlebte die Gans, als sie auf einem fahrenden Auto landen wollte. Aber sie hat dazugelernt. Wenn Markus Röthel mit seinem Pickup unterwegs ist, fliegt sie nebenher. Nachmittags, kurz bevor Melina und Miriam mit dem Schulbus kommen, wird sie unruhig. Sobald sie den Bus hört, fliegt sie los und begleitet die Mädchen auf den Mühlenhof. „Die ist so schlau, dass gibt es gar nicht“, sagt Marks Röthel.

Piep verschwindet ab und zu

Als Piep einmal nicht nach Hause kam, waren alle unglücklich. Die ganze Familie suchte nach ihr. Der Anruf von Familie Lütteken von der Klinkenmühle sorgte für Erleichterung. Die Gans war dort und man hatte ihr auch schon Wasser gegeben. Als sie ein zweites Mal über Nacht verschwand, flossen abermals Tränen. Röthels befürchteten, Piep könnte für immer von dannen geflogen sein.

Als der Mitarbeiter morgens zu Arbeit kam, meinte er, er hätte Piep unterwegs gehört. Und tatsächlich – kurze Zeit später kam sie angewatschelt, war fix und fertig und wollte nur noch schlafen. „Vermutlich hat sie die Nacht durchgemacht“, mutmaßt Markus Röthel. Sobald seine Frau morgens den Wasserbehälter frisch gefüllt hat, beginnt Piep mit der Morgenwäsche und mit Wassertreten. Ab und zu nutzt das Federvieh den Mühlenteich, um sich richtig auszutoben.

Die Gans macht Dummheiten

Piep beobachtet alles genau. Als Markus Röthel die Ventile der Reifen wechselte, schaute die kluge Gans genau zu. Später drehte sie die Ventile von ganz allein auf und schaffte es auch vom Fahrrad die Kappe abzudrehen und ließ die Luft heraus. Auch die Außenbeleuchtung der kleinen Tannenbäume vor dem Haus knabberte sie durch. Der Türvorhang aus Perlen hing auch nicht lange. Sie zog solange daran, bis auch die letzten Perle abgefallen war. Längst hat Piep Kosenamen bekommen. Neben Piep hört sie auch auf Pieperli und Pieperchen.

Für ihre ungewöhnlichen Haustiere sind Röthels im Dorf längst bekannt. Vor Jahren war es ein mutterloses Wildschwein, um das sich die Familie kümmerte. Jetzt ist es die Wildgans. Zudem gehören Rinder, Hühner und zwei Katzen zum Hof. Kein Wunder, dass die elfjährige Melina später gern Bäuerin werden möchte. Die siebenjährige Miriam könnte sich vorstellen, einmal die Mühle ihres Großvater Martin und ihres Vaters Markus zu übernehmen. Dass Piep beim Schmusen manchmal mit dem Schnabel zwickt, macht den Mädchen nichts aus. „Die will doch nur spielen“, sagt Melina.

Von Margrit Hahn

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