Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 5 ° bedeckt

Navigation:
Die schwierige Suche nach geeignetem Personal

Öffentlicher Dienst Die schwierige Suche nach geeignetem Personal

Der öffentliche Dienst gilt lange als letztes Refugium des Fachkräfteüberschusses. Über Nachwuchs mussten sich Verwaltungen kaum Gedanken machen. Inzwischen aber ist die Nachfrage nach Verwaltungsjobs deutlich geringer – und die Kommunen müssen in den nächsten Jahren Hunderte ausscheidende Mitarbeiter ersetzen.

Voriger Artikel
Den Ortswehren fehlen Feuerwehrleute
Nächster Artikel
Vom Lager zur Wohnung im Industrie-Stil

Im Rathaus von Königs Wusterhausen ist der Fachkräftemangel dank der guten Lage der Stadt noch nicht so groß wie in anderen Verwaltungen.

Quelle: Andreas Kämper

Dahmeland-Fläming. An einem Donnerstag Anfang September rief Stephan Loge (SPD), Landrat von Dahme-Spreewald, seine neuen Auszubildenden zusammen, um sie zu begrüßen. Es sind 13 junge Leute in diesem Jahr, so viele wie nie zuvor. Erstmals sind auch vier Azubis dabei, die ein duales Studium beim Landkreis absolvieren.

Loge berichtete über die Arbeit der Verwaltung, er sprach über die ausgezeichnete wirtschaftliche Lage des Landkreises und natürlich über den Fachkräftemangel, unter dem praktisch alle Branchen leiden. Es ist ein Thema, das Loge bewegt. Nicht nur, weil die wirtschaftliche Zukunft des Landkreises davon abhängt, ob die ortsansässigen Firmen genügend Mitarbeiter finden und halten können. Auch was seine eigene Verwaltung angeht, muss sich der Landrat Gedanken machen.

900 Beschäftigte in Kreisverwaltung Dahme-Spreewald

Denn die Kreisverwaltung ist im Grunde nichts anderes als ein Unternehmen mit mehr als 900 hoch qualifizierten Beschäftigten, darunter Juristen, Verwaltungsexperten, aber auch Ärzte, Sozialarbeiter und IT-Techniker. Und viele dieser Mitarbeiter haben inzwischen ein Alter erreicht, in dem man sich über die Nachfolge Gedanken machen muss.

Service

Tausende Jobs überall im Land Brandenburg: MAZjob.de

Etwa 100 Stellen müssen in den kommenden zehn Jahren in Loges Verwaltung neu besetzt werden – und das sind nur diejenigen, die aus Altersgründen ausscheiden. Das ist eine Herausforderung, wie man beim Landkreis unumwunden zugibt, zumal die Kreisverwaltung mit der gesamten boomenden Wirtschaft und den Verwaltungen der 16 Ämter und Gemeinden im Landkreis konkurriert, die alle vor dem selben Problem stehen: der demografische Wandel schlägt zu und der Nachwuchs macht sich rar.

Königs Wusterhausen hat noch genügend Bewerber

Verwaltungschefs wie der Königs Wusterhausener Bürgermeister Lutz Franzke (SPD) können da wohl noch recht optimistisch in die Zukunft sehen. Auf Azubistellen verzeichnet er derzeit 40 bis 50 Bewerber, das ist immer noch ein guter Schnitt, auch wenn es früher mehr waren. „Wir profitieren natürlich etwas von der Lagegunst“, sagt Franzke. „Aber sobald es spezifisch wird, haben auch wir es schwerer. Wir müssen uns mit Landesverwaltungen messen, und die zahlen besser“, so Franzke. In Königs Wusterhausen hat man sich deshalb sogar Experten eingeladen, die die Verwaltung zum Thema Personalakquise beraten haben. Früher wäre das undenkbar gewesen. „Aber heute ist es mit einem Inserat nicht mehr getan“, sagt Franzke.

Probleme in Gemeinden außerhalb des Speckgürtels

Noch kritischer wird es in Gemeinden weitab des Speckgürtels. Gemeinden wie Niedergörsdorf etwa. Dort bereitet sich Bürgermeister Wilfried Rauhut (parteilos) schon im Geiste auf eine Personalsuche vor. In absehbarer Zeit müsse eine Stelle im Bauamt neu besetzt werden, sagt er. „Wir werden sie ausschreiben und sehen, was passiert.“ Schubkarrenweise werden die Bewerbungen kaum eingehen. Auf Ausbildungsplätze haben sich zuletzt gerade mal eine Handvoll Leute beworben. „Wenn überhaupt“, so Rauhut. Sollten in seiner Verwaltung einmal mehrere Leute gleichzeitig ausfallen, dann stünde die Verwaltung vor einem echten Problem, so der Bürgermeister.

Teltow-Fläming setzt auf flexible Arbeitszeiten

Rat könnte er sich in diesem Fall wohl von Kornelia Wehlan (Linke) holen. Die Landrätin von Teltow-Fläming wird in den kommenden Jahren mit einem immensen Mitarbeiterschwund umgehen müssen. Mehr als die Hälfte der Kreisangestellten ist älter als 50. Allein 2019 müssen mindestens 18 Stellen neu besetzt werden, im Jahr 2021 werden es sogar 26 sein. Insgesamt werden 251 Beschäftigte bis zum Jahr 2026 bei der Verwaltung aus Altersgründen aufhören. Beunruhigt ist Kornelia Wehlan aber deshalb nicht, sagt sie. „Wir haben ein Konzept, wir sind gut vorbereitet.“

Hintergrund

Die Landesverwaltung hat sich in die Nachwuchsförderung eingeschaltet und eine Ausbildungswelle und gemeinsam mit den Kommunen und der Technischen Hochschule in Wildau einen neuen Studiengang „Öffentliche Verwaltung Brandenburg“ ins Leben gerufen, der Anfang September gestartet ist.

Auf dem Stundenplan stehen Fächer wie Rechts-, Wirtschafts-, Verwaltungs- und Sozialwissenschaften. Der Studiengang bereitet auf den höheren allgemeinen Verwaltungsdienst vor.

Ein Teil der Studienzeit besteht aus Praxisphasen, die in Verwaltungen absolviert werden. Kommunen konnten eigens für ihren Bedarf Studienplätze „bestellen“ und die entsprechenden Bewerber selbst auswählen.

Die Studenten sind für die Dauer ihres auf sieben Semester angelegten Studiums Beamte auf Widerruf.

Mehr als 1000 Bewerbungen sind insgesamt für den Studiengang eingegangen. 73 der Bewerber wurden letztlich angenommen.

Das Konzept ist nicht nur auf Ausbildung und Nachwuchsförderung gerichtet. Ein wichtiger Aspekt sei es auch, die Mitarbeiter, die schon da sind, so gut wie möglich zu pflegen. Dafür hat die Kreisverwaltung erst in der vergangenen Woche flexible Arbeitszeiten eingeführt. Wer beim Landkreis angestellt ist, kann sich jetzt seine Arbeitszeit je nach Aufgaben zwischen 6 und 21 Uhr frei einteilen. Das erleichtert nicht nur das Leben vieler Angestellten, es bringt auch Imagepunkte, die später die Fachkräftesuche erleichtern können, so die Hoffnung.

E-Goverment könnte alles verändern

Vielleicht kommt aber auch alles ganz anders. Niemand wisse, wohin sich die Möglichkeiten des Internets entwickeln, sagt Kornelia Wehlan. Wenn das E-Government, also die Online-Verwaltung, erst einmal richtig Fahrt aufnimmt, wird womöglich auch die Fachkräftedebatte weniger dringlich, weil man dann vielleicht auch deutlich weniger Verwaltungsfachangestellte braucht. Vielleicht verwalten sich die User dann weitgehend selbst.

Von Oliver Fischer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Teltow-Fläming
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg