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Teltow-Fläming Die unheimliche Begegnung mit der Kornnatter
Lokales Teltow-Fläming Die unheimliche Begegnung mit der Kornnatter
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02:18 20.08.2015
Die 1,20 Meter lange Schlangenhaut, die Christa P. unter dem Abwaschtisch fand.  Quelle: FotoS: Jutta Abromeit, Privat
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Ludwigsfelde

 Womöglich tagelang hat eine 83 Jahre alte Ludwigsfelderin das Bett mit einer Kornnatter geteilt. Wie berichtet hatte sich die Frau am Samstag über umgekippte Blumentöpfe und Blinklicht in der Wohnung gewundert. Die alarmierte Polizei fand den Grund für den Schlangen-Hilferuf bestätigt, allerdings erst nach längerem Suchen und dem Auseinandernehmen des Bettes. Auch eine abgestreifte Schlangenhaut war Beweis für die Worte der entsetzten Ludwigsfelderin.

Schlange kippt Blumentopf um

 Die Frau mit dem exotischen Untermieter ist Christa P. aus der Donaustraße, die ihren vollen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. Sie schüttelt Montagvormittag noch immer den Kopf: „Freitagabend hatte ich noch auf der Terrasse gesessen, da war noch alles in Ordnung“, erzählt sie. „Am Samstagmorgen war eine Pflanze umgekippt und Erde auf dem Fußboden.“ Den Blumentopf warf sie in den Müll, den Boden fegte sie. „Nach der Mittagspause habe ich Erde auf dem Fußboden in der Küche gefunden und sie weggemacht. Ich habe mich nur gewundert, dass da ein gelber Fleck geblieben ist, den ich nicht wegbekam.“ Und abends dann der Spuk mit dem Licht und umgekippter Blumenvase. „Ich bin auch ins Schlafzimmer und habe auf dem Schrank am Bett die Schlange gesehen. Da habe ich meine Tochter angerufen, obwohl es 23  Uhr war.“

Herkunft der Schlange unbekannt

 Tochter und Schwiegersohn kamen sofort, auch sie sahen das Tier, bis es unters Bett huschte. Die alarmierten Polizisten glaubten die Geschichte anfangs nicht recht. Erst das auseinander genommene Bett brachte Gewissheit: Die Schlange lag im Bettkasten. „Wenn ich mir vorstelle, die ist mir im Schlaf über die Decke gekrochen...“, sagt Christa P. Doch woher kommt das Reptil? Niemand im Aufgang von Christa P. hat Schlangen in der Wohnung, sagt sie. Auch bei der Polizei gibt es noch keine Hinweise auf die Herkunft der Kornnatter.

In freier Wildbahn nur in den USA

 Lothar Zimmermann arbeitet bei Pflanzen-Kölle in Wildau. Er betreut dort die Zierfischabteilung. Bis vor zwei Jahren gehörten auch Reptilien dazu. Der Fachverkäufer erklärt zu den in freier Wildbahn nur im Osten der USA vorkommenden Kornnattern: „Diese Tiere werden seit Jahrzehnten bei uns hier nachgezogen, deswegen ist es gar nicht so ungewöhnlich, ein Exemplar zu finden.“ Am ehesten sei für ihn vorstellbar, dass die Schlange aus einem Terrarium ausgebüxt ist. Und sie muss auch gar nicht unbedingt lange bei Christa P. gewohnt haben. „Gerade bei der Hitze der zurückliegenden Tage trocknet eine abgeschobene Schlangenhaut sehr schnell.“ Das könne angesichts der aktuellen Temperaturen schon nach einer Stunde sein. Je nach Wachstum und Nahrungsaufnahme häuteten sich Kornnattern mehrmals im Jahr.

Kornnattern sind gute Kletterer

Gefährlich sei eine Kornnatter nicht, sagt Zimmermann, sie fräßen üblicherweise Mäuse. Und die suchen sie vorzugsweise nachts, ist im Internet-Lexikon Wikipedia nachzulesen. Dort steht auch: „Den Großteil ihres Lebens verbringt die Kornnatter verborgen unter Laubstreu, Rindenmulch, Felsen sowie in hohlen Baumstämmen und Höhlen.“ Oder im Bettkasten einer allein lebenden älteren Dame, möchte man nach diesem Fund hinzufügen. Dass Kornnattern „ausgesprochen gute Kletterer und somit auch in Bäumen anzutreffen sind, wo sie Vögel erbeuten oder deren Nester plündern“, fand Christa P. teilweise bestätigt – eine umgekippte Vase stand auf dem Schrank. Ebenso den Satz, dass Kornnattern auf Bedrohung vorzugsweise nicht mit Angriff, sondern mit Flucht reagieren  – die Schlange verschwand im Bettkasten.

Schlange lebt jetzt in Auffangstation

Die getrocknete Haut entdeckte Christa P. übrigens in der Küche beim Saubermachen. Sie glaubte zuerst, ein Stück Plaste hinterm Wassereimer unterm Abwaschtisch hervorzuziehen. Bis dieses Stück kein Ende nahm und 1,20 Meter lang wurde. „Das habe ich nachgemessen. Es war genau so lang wie die Schlange“, erzählt sie. In diesem Wassereimer nahmen die Polizisten die Schlange mit aufs Revier, bevor es zu einer Auffangstation nach Märkisch-Oderland gegeben wurde. Als Wachenleiter Sven Wagner Montag früh von dem Wochenendbesucher erfährt, sagt er nur: „Das war zwar nicht ganz korrekt. Aber bei so was sind wir im Interesse einer schnellen Lösung flexibel.“

Ein Souvenir für die Enkelin

 Christa P. hat sich mittlerweile so weit gefangen, dass sie von ihrer exotischen Begegnung erzählen kann. „Und die Schlangenhaut hebe ich auf. Die will ich meiner Enkeltochter zeigen, wenn sie wieder da ist“, sagt die 83-Jährige.

Von Jutta Abromeit

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