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Teltow-Fläming Die zwei Gesichter des Martin Luther
Lokales Teltow-Fläming Die zwei Gesichter des Martin Luther
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00:20 01.10.2017
In der Klein Kienitzer Kirche sind Pfarrerin Susanne Seehaus und der Historiker Stefan Rothen von zahlreichen Zeugnissen aus der Zeit nach der Reformation umgeben, wie dem Beichtstuhl aus dem 17. Jahrhundert. Quelle: Foto: Christian Zielke
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Rangsdorf/Klein Kienitz

Kaum jemand wird bestreiten, dass Martin Luther einer der bedeutendsten Deutschen war. Ohne seine 95 Thesen, die er vor 500 Jahren an der Tür der Wittenberger Schlosskirche anschlug, wäre die Geschichte anders verlaufen. Doch der Reformator hatte auch dunkle Seiten.

Eike Mewes, Schriftsteller aus Rangsdorf, hat sich kritisch mit Luthers Leben und Wirken auseinander gesetzt. „Ich sehe ihn als zerrissene Persönlichkeit, nicht als das Idol, als das er oft dargestellt wird“, sagt er. Da ist zum einen der Reformator, der sich mit der mächtigen katholischen Kirche angelegt und die deutsche Sprache modernisiert hat. Später sei Luther jedoch ein verbitterter zorniger Greis gewesen, der die Obrigkeit mehr schätzte als die einfachen Leute. Und dann sei da noch Luthers Hass auf die Juden gewesen, der sich im Alter immer stärker Bahn brach.

Ein Kontrapunkt zur Luther-Lobhuddelei

Die zwei Gesichter des Reformators hat Mewes in dem Theaterstück „Im Banne des Teufels“ verarbeitet, das am 6. Oktober in der Rangsdorfer Kulturscheune Premiere feiert. Darin führt der alte Luther drei Tage vor seinem Tod ein fiktives Gespräch mit seinem langjährigen Wegbegleiter in der Reformation Philipp Melanchthon. Das Stück zeigt, wie aus dem rebellischen Mönch ein altersweiser, aber auch resignierender, fluchender Professor wird und soll ein bewusster Kontrapunkt zur Luther-Lobhudelei dieser Tage sein, sagt Mewes.

Eine solche kritische Sicht – gerade im Jahr des Reformationsjubiläums – sei ihr wichtig gewesen, sagt Rangsdorfs Pfarrerin Susanne Seehaus. Selbst die evangelische Landeskirche habe die Inszenierung des Stücks unterstützt. „Das Stück ist sehr anspruchsvoll, aber es ist alles mit Fakten belegt“, sagt Susanne Seehaus.

Auch nach der Reformation wurde noch gebeichtet

In der evangelischen Kirchengemeinde hat man sich intensiv mit den Spuren der Reformation vor der eigenen Haustür beschäftigt. Lange suchen musste man dafür nicht. Vor allem die Kirche in Klein Kienitz birgt in ihrem Inneren viele Zeugnisse aus der Zeit nach der Reformation. Für den Privathistoriker Stefan Rothen ist vor allem der Beichtstuhl aus jener Zeit interessant. „Das zeigt, dass bestimmte Bräuche auch nach der Reformation überdauert haben“, sagt er. Im Gegensatz zu katholischen Beichtstühlen ist der in Klein Kienitz offen und für jeden einsehbar. Auf der anderen Seite des barocken Altars befindet sich noch das alte Patronatsgestühl, auf dem die Adligen Platz nahmen.

„Hier spürt man so richtig den Geist der nachreformatorischen Zeit. Man kann die Geschichte einatmen“, sagt Susanne Seehaus, während sie durch den Innenraum der kleinen Kirche wandelt. Der Altar mit seinen Bildern von der Kreuzigung, Grablegung und Auferstehung Jesu zeugt schon von der neuen Zeit nach Luther. „Nach der Reformation begann das große Möbelrücken“, sagt Stefan Rothen. Dennoch ist das Innere der Klein Kienitzer Kirche eine gut erhaltene Ansammlung von Raritäten, die es so kaum noch gibt. Doch der Schatz ist bedroht.

Der Holzwurm frisst sich durchs Mobiliar der Klein Kienitzer Kirche

Der Holzwurm frisst sich durch das Material, wovon kleine Haufen von Sägemehl zeugen. Susanne Seehaus möchte das Innenleben der Klein Kienitzer Kirche gerne restaurieren lassen. Mit Veranstaltungen will die Kirchengemeinde deshalb die Leute in das alte Haus locken. Dann, so hofft sie, lassen sich viele Leute von dessen Charme begeistern und helfen beim Erhalt.

Von Christian Zielke

Gut in die Zeit der Reformation passt die Geschichte des Pferdehändlers Hans Kohlhase, der in Kleist’s Novelle „Michael Kohlhaas“ in die Weltliteratur einging. Am 30. und 31. Oktober ist die Geschichte als Open-Air-Inszenierung in Jüterbog zu erleben.

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