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Dienstältester blickt auf Politik-Karriere zurück

Lademann geht in den Ruhestand Dienstältester blickt auf Politik-Karriere zurück

Holger Lademann (FDP) dürfte mit 25 Jahren und fünf Monaten der dienstälteste Kreis-Beigeordnete in Brandenburg sein. Nun geht er in den Ruhestand. Kurz nach seinem 67. Geburtstag vertritt er aber die Landrätin noch einmal bei allen Terminen „zwischen den Jahren“. Am 30. Dezember wird er offiziell verabschiedet.

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Holger Lademann an seinem Schreibtisch.

Quelle: Hartmut F. Reck

Luckenwalde. Holger Lademann (FDP) ist seit 25 Jahren und fünf Monaten im Amt. Damit dürfte er der dienstälteste Kreis-Beigeordnete in Brandenburg sein. Nun geht er in den Ruhestand.


MAZ:
Pflichterfüllung bis zur letzten Minute. Ging es in Ihrer Amtszeit auch mal ruhiger zu?

Holger Lademann: Da gab es zwischendurch immer mal Phasen, in denen alles in geordneten Bahnen ablief, alle Mitarbeiter da waren, keiner krankgeschrieben oder im Urlaub war. Zu tun gab es aber dennoch immer genug.

Da haben Sie ja auf ihre letzten Berufstage noch mal so richtig Stress erleben dürfen.

Lademann: Das stimmt leider. Wegen mehrerer Krankheitsfälle mussten wir das Straßenverkehrsamt in Luckenwalde schließen. Immerhin gelang es uns, einen Notdienst für die Führerscheinstelle in Zossen zu installieren.

Aber das scheint ja alles noch ein Klacks zu sein gegenüber den Herausforderungen, die die Kreisverwaltung in Ihrem letzten Dienstjahr zu meistern hatte.

Lademann: Allerdings. Die Flüchtlingsfrage und vor allem die Unterbringung der uns zugeteilten Menschen hat fast alle Arbeitsbereiche der Verwaltung berührt. Das betrifft auch mein Dezernat mit dem Ordnungsamt, seiner Ausländerbehörde, die Bauaufsicht und das Umweltamt, die bei der Errichtung von Wohnmöglichkeiten einbezogen werden. Das hatte eine gravierende Zunahme des Arbeitsaufwandes zur Folge.

Wie sind Sie in die Politik und in die Verwaltung gekommen?

Lademann: Mein Vater war als Malermeister Mitglied der LDPD. Die galt als Handwerkerpartei. Da hat er mich zu den Mitgliederversammlungen im Ortsverband regelmäßig mitgenommen, mir hat die Offenheit dort gut gefallen. Und mit meiner Mitgliedschaft dort konnte ich mich den Avancen der SED gut erwehren. Als dann die Wende kam, stand eines Tages der Kreisvorsitzende der LDPD in meinem Betrieb. Er kam gerade vom runden Tisch. Jede Partei könne einen Beigeordneten stellen. Wir bekämen den für Bau- und Wohnungswesen. „Da kennst Du Dich doch aus“, meinte er zu mir.

Aber das war doch trotzdem Neuland für Sie, oder?

Lademann: Na klar. Aber man wusste ja nicht, wie es weitergeht, ob der Betrieb bestehen bleibt, ob man selber arbeitslos wird. Ich habe lange nachgedacht, es am Ende aber nicht bereut, denn es hat Spaß gemacht, mich in das Thema Verwaltung hinein zu fummeln. Ich war auch begeistert von der friedlichen Revolution und dem Zusammenwachsen der deutschen Staaten. Die Hälfte meiner Verwandtschaft lebte im Westen und ich konnte sie nie besuchen. Noch an meinem 40. Geburtstag hatte ich mir geschworen, bloß gesund zu bleiben, damit ich 25 Jahre später das mal nachholen kann.

Und dann ging es plötzlich ganz schnell. Sie hatten sicher auch mit vielen Westlern zu tun, mit denen Sie nicht verwandt waren.

Lademann: Oh ja. Aber es war eine gute Zusammenarbeit mit den jungen Juristen aus Berlin und den Fachleuten aus dem Partnerkreis Paderborn, mit denen wir die Kreisverwaltung in Zossen aufgebaut haben.

Kaum war das geschehen, kam wieder eine Änderung. Da wuchsen drei Kreise zusammen.

Lademann: Und es gab wieder diese Ängste. Schließlich gab es für jeden Verwaltungsposten drei Leute. Aber das hat sich dann doch ganz gut geregelt.

Haben Sie bedauert, dass der Kreissitz nach Luckenwalde kam?

Lademann: Anfangs schon, obwohl ich mit der Bauabteilung erst einmal in Zossen blieb. Jetzt meine ich aber, dass die Entscheidung richtig war, allein wegen der geografischen Mitte.

Und wie gefiel Ihnen der Name Teltow-Fläming?

Lademann: Na ja. Ein Kreis Teltow-Fläming ohne die Stadt Teltow ist genauso komisch, wie ein Kreis Dahme-Spreewald ohne die Stadt Dahme, die zu uns wechselte. Ich bin mal gespannt, wie die Kreise nach der nächsten Gebietsreform heißen werden.

Sie haben maßgeblich am Kreishaus mitgebaut. War das auch eine richtige Entscheidung?

Lademann: Auf jeden Fall. Der Effekt der Zentralisierung ist eingetreten. Fast alles kam unter ein Dach und die Amtsleiter saßen nicht mehr länger im Auto als im Büro. Zuvor hatten wir im Altkreis Zossen die Kreisverwaltung baulich ertüchtigt. So wurden die alten Kohleheizungen durch Öl- und Gasheizungsanlagen ersetzt. In Zossen haben wir hinter dem Schloss das Heizhaus abgerissen und darauf einen dreistöckigen Büroanbau errichtet. Nicht mehr benötigte Heizer und anderes Personal haben wir in einem neu gegründeten Bauhof weiterbeschäftigt. Dieser Bauhof, der nach der Kreisgebietsreform zur Kreisstraßenmeisterei wurde, war für die Pflege und Unterhaltung des vorhandenen Kreisstraßen- und sich zunehmend entwickelnden Radewegenetzes verantwortlich. Besonders stolz bin ich auf den Kreisstraßenneubau von Dornswalde bis zur A13, was wesentlich zur Entwicklung des Industriegebiets Bernhardsmüh in Baruth beigetragen hat.

Was wurde baulich noch so alles unter Ihrer Regie hochgezogen?

Lademann: Als Träger der Gymnasien und Förderschulen hatte der Kreis viel zu tun. Die Gebäude waren in einem sehr schlechten Zustand. Neben der Heizungsumstellung und der baulichen sowie energetischen Sanierung haben wir an fast allen Standorten neue Turnhallen errichtet. Jüterbog erhielt einen kompletten Förderschulneubau und in Ludwigsfelde entstand ein Oberstufenzentrum.

Ein Kuriosum war, dass Sie politisch zwar ein als vom Kreistag gewählter Beigeordneter waren, in der Verwaltung zunächst aber nur als Amtsleiter fungierten und einem anderen Dezernenten unterstellt waren.

Lademann: Das hatte das Innenministerium auch bemängelt und es wurde korrigiert. Nunmehr leite ich seit längerem das größte Dezernat mit den meisten Amtsbereichen in der ganzen Kreisverwaltung. Vielleicht liegt’s auch an meiner Sonderaufgabe, die ich zwischen 1995 und 2004 wahrnahm, indem ich die Verteilung der Investitionspauschale vom Bund auf die Gemeinden organisierte. Das war sehr aufwendig und lief anfangs total chaotisch ab. Da habe ich erst mal System reingebracht, Antragsformulare erfunden und nach Sachgruppen sortiert. So konnten dann vernünftige Anträge von den Gemeinden eingereicht werden und man bekam eine saubere Übersicht. Das hat dann meistens gepasst, auch wenn die Wünsche ein Finanzvolumen hatten, das dreimal so hoch war wie das zur Verfügung stehende Geld.

Lebensdaten

Am 22. Dezember 1948 wurde Holger Lademann in Wittenberge (Prignitz) geboren.

Er machte Abitur mit Berufsausbildung zum Dieselmotorenschlosser.

Nach dem Studium der Verkehrsmaschinentechnik und der Maschinenbautechnologie war Lademann bei einem Elektrobetrieb in Berlin-Marzahn tätig und wurde technischer Leiter eines großen volkseigenen Handwerksbetriebs in Blankenfelde.

Lademann war Mitglied der LDPD, der auch sein Vater als Malermeister angehörte. Sie ging nach der Wende in der FDP auf.

Am 6. August 1990 wählte ihn der Kreistag des Kreises Zossen zum Beigeordneten und Dezernatsleiter für Bau- und Wohnungswesen.

Nach der Kreisgebietsreform im Dezember 1993 wurde Lademann im Januar 1994 zum 2. Beigeordneten des Landkreises Teltow-Fläming gewählt. Nach jeweils acht Amtsjahren wurde Lademann zweimal wiedergewählt.

Nebenbei war Lademann Aufsichtsratsvorsitzender der Verkehrsgesellschaft Teltow-Fläming (VTF), Aufsichtsratsmitglied im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) sowie Vertreter des Kreises bei den Teltower Kreiswerken, dem Südbrandenburgischen Abfallzweckverband (SBAZV) und im Kuratorium Museumsdorf Glashütte. Und er saß im Landesfachausschuss für Planung, Bau, Umwelt und Landwirtschaft im Landkreistag.

Bis Ende Februar 2018 wäre Lademanns letzte Amtszeit gelaufen. Anfang des Jahres bat er aber aufgrund seines fortgeschrittenen Alters darum, vorzeitig in den Ruhestand treten zu dürfen.

Holger Lademann ist verheiratet, hat eine Tochter und drei Enkel.

Trotz dieses Erfolgs wollte Landrat Peer Giesecke (SPD) Sie 2006 als Beigeordneten loswerden.

Lademann: Die Beigeordneten abzuschaffen, war die Idee seines persönlichen Referenten. Die 1. Beigeordnete, Karin Schreiber, war aus Altersgründen ausgeschieden, Detlef Gärtners Amtszeit war abgelaufen, da blieb nur noch ich übrig und hatte noch drei Jahre vor mir. Aber das Ansinnen ist ja kläglich gescheitert.

Der Kreistag hatte Ihre Abwahl mehrheitlich mit 25 zu 23 abgelehnt und sich erstmals erfolgreich gegen Giesecke aufgebäumt. Hat es Sie gefreut, als Sie vom Fraktionsvorsitzenden der Linken, Hans-Jürgen Akuloff, plötzlich einen Blumenstrauß in die Hand gedrückt bekamen?

Lademann: Es hat mich gefreut, dass ich Beigeordneter bleiben durfte.

Haben Sie an dieser Entscheidung mit gedreht?

Lademann: Nein, für so etwas bin ich nicht der Typ. Ich weiß auch nicht, was da hinter den Kulissen an Absprachen getroffen wurden.

Warum gehen Sie erst mit 67 Jahren in den Ruhestand?

Lademann: Ich hätte schon vor meinem 65. Geburtstag ausscheiden können. Aber ich hatte Freude an der Arbeit, auch wenn sie stressig ist. Und ich wollte die neue Landrätin nicht mit dem großen Dezernat allein lassen. Andererseits hätte ich jetzt noch gut zwei Jahre vor mir. So lange läuft eigentlich meine Amtszeit. Aber irgendwann reicht es. Und ich glaube nicht, dass ich mir vorwerfen muss, dass ich mich gedrückt habe.

Und was kommt jetzt?

Lademann: Ich bin Vorsitzender des Fördervereins Kraftverkehrsversuchsanlage Horstwalde, den ich gern weiterführen möchte. Und ich bin als Rangsdorfer stellvertretender Vorsitzender des Vereins Bisar, weil ich fest davon überzeugt bin, dass der S-Bahn-Anschluss in Rangsdorf kommen wird, wenn erst einmal der BER in Betrieb ist und die Einwohnerzahl wachsen wird wie auch die Zahl der Unternehmen im Süden Berlins. Vielleicht bringe ich mich noch etwas als berufener Bürger in den Ausschüssen der Gemeindevertretung ein. Mal sehen.

Und privat?

Lademann: Och, da hat meine Frau schon eine lange Liste zusammengestellt, was ich alles im und ums Haus zu erledigen habe.


Interview: Hartmut F. Reck

Von Hartmut F. Reck

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