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Teltow-Fläming Dieser Mann leitet die Erstaufnahme in Wünsdorf
Lokales Teltow-Fläming Dieser Mann leitet die Erstaufnahme in Wünsdorf
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20:44 22.11.2015
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Wünsdorf,


„Was vor einer Woche in Paris geschehen ist, war sehr, sehr traurig“, sagt Olivier Fiolleau. An den Tagen nach den Terroranschlägen habe er sich seelisch angegriffen gefühlt. „Aber nun müssen wir weitermachen, damit die Erstaufnahmestelle in Wünsdorf gut funktioniert.“ Viel Zeit bleibt dem gebürtigen Franzosen nicht mehr. Der 50-jährige Wahl-Berliner baut das Betreuer-Team für die vom Deutschen Roten Kreuz Fläming-Spreewald (DRK) im Auftrag des Landes Brandenburg betriebene Hilfseinrichtung auf. Am 2. Januar 2016 sollen die ersten Flüchtlinge eintreffen.

„Olivier Fiolleau ist genau der Richtige für die Leitung der Erstaufnahmestelle“ sagt der DRK-Kreisvorsitzende Harald-Albert Swik. Fiolleau studierte Betriebswirtschaft in Bordeaux. Neugierig auf die weite Welt, ging er nach dem Studium nach Deutschland, war in Frankfurt am Main Personalberater für Banken. Ende der 1990er Jahre entschied er sich dafür, für die humanitäre Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ zu arbeiten. Er plante und koordinierte medizinische Hilfsprojekte in von Hungersnöten, Krieg, Terror, Krankheit zerrütteten Krisengebieten. Einsatzländer waren Mosambik, Tschad, Kongo und Sudan. Dieses Jahr war er vier Monate lang im Auftrag des DRK in dem von der Ebola-Epidemie betroffenen westafrikanischen Liberia im Einsatz.

Die ersten Wohncontainer für Flüchtlinge wurden mittlerweile auf dem Gelände der Erstaufnahmestelle erreichtet. Quelle: Pechhold

„Meine Motivation war immer, Menschen in Not zu helfen“, sagt Fiolleau. Menschlichkeit, Neugier, Offenheit und die Arbeit in einem interkulturellen Umfeld seien sehr wichtig für ihn. „Er ist ein Mensch, der Menschlichkeit ausstrahlt und lebt“, so DRK-Kreischef Swik weiter. Genau diese Eigenschaft und seine Erfahrungen bei vielen Auslandseinsätzen kommen Fiolleau bei der Aufbauarbeit in Wünsdorf zugute. Dort sollen ab Januar 1000 Flüchtlinge ankommen und bis zu sechs Monate bleiben. „In der Anfangsphase brauchen wir ein Team von 40 bis 50 Leuten, von denen einige auch Farsi oder Arabisch sprechen“, sagt Fiolleau. Weil Sprachkompetenz bei der Betreuung der Asylbewerber sehr wichtig ist, wurden auch Ägypter, Syrer und Libanesen eingestellt. Zu dem Team gehören Hausbetreuer, Sozialarbeiter, Hausmeister, medizinisches Personal. „Für die medizinische Betreuung stellen wir vier Krankenpfleger ein“, sagt Fiolleau. Weiter habe man einen Hausarzt auf Honorarbasis vertraglich gebunden. „Unser Ziel ist es, einen Arzt fest anzustellen.“ Die zunächst zehn oder elf beschäftigten Hausbetreuer sind die ersten Ansprechpartner für die Heimbewohner. Sie erklären den Ankömmlingen, wie alles funktioniert, und kümmern sich notfalls um Termine beim Arzt. Ein Hausbetreuer ist für 120 Asylbewerber da. Aufgabe der Sozialarbeiter ist es, die Menschen während des Asyl-Antragsverfahrens zu beraten, sich um Freizeitgestaltung, Deutsch-Unterricht, Kinderbetreuung zu kümmern. Bis Mitte 2017 wird die Kapazität der Erstaufnahmeeinrichtung von 1000 auf 1700 Plätze in festen Gebäuden und Wohncontainern ausgebaut. Wenn alle Plätze belegt sind, werden sich fast 200 Personen – DRK-Mitarbeiter, Dienstleister für Reinigung, Wäscherei und Catering – um die Asylbewerber kümmern.

In den Umbau des landeseigenen Verwaltungskomplexes B zur Erstaufnahmestelle investiert Brandenburg rund 35 Millionen Euro. Von einem Tag der offenen Tür vor dem Eintreffen der ersten Asylbewerber hält Harald-Albert Swik nichts. „Da bin ich eher skeptisch“, sagt der DRK-Kreischef mit Blick auf die kommende Woche.

Für Donnerstag lädt Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) alle Anwohner von 18 bis 20 Uhr zur zweiten Informationsveranstaltung in die Paul-Schumann-Sporthalle ein. Vorher wollen Anhänger der rechtspopulistischen Facebook-Plattform „Wünsdorf wehrt sich“ an der nahe der Sporthalle gelegenen Erich-Kästner-Grundschule demonstrieren.

„Wer die Einrichtung und die dort betreuten Flüchtlinge wirklich kennenlernen möchte, den lade ich herzlich dazu ein, uns als ehrenamtlicher Helfer zu unterstützen“, sagt Swik. Das sei für das Willkommensgefühl der Bewohner der Erstaufnahmestelle wichtig. Insofern freue er sich über die vielen Hilfsangebote der Mitglieder des runden Tisches Flüchtlingshilfe Zossen. Auch von Bürgermeisterin Michaela Schreiber (Plan B) sei man mit offenen Armen empfangen worden. Allerdings müsse man darauf achten, sich nicht in den politischen Kleinkrieg der Stadt Zossen einzumischen, so Swik: „Wir nehmen jedes Hilfsangebot gern entgegen.“

Von Frank Pechhold

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