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Teltow-Fläming Digitale Landwirtschaft in Blönsdorf
Lokales Teltow-Fläming Digitale Landwirtschaft in Blönsdorf
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11:21 30.10.2018
Agraringenieur Fabian Schlüter begleitet den Roboter auf seinem Weg durch den Kuhstall. Quelle: foto: Hannah Rüdiger
Niedergörsdorf

Leise surrend schiebt sich der blau-gelbe Futterroboter durch den Kuhstall. An Bord hat die Maschine eine Tonne gemischtes Grund- und Kraftfutter, das sie nun an die Kuh bringen soll. Zielstrebig gleitet die Lore an den ersten Milchkühen vorbei, doch ihre Klappen bleiben geschlossen. Gerade ist sie auf dem Weg zu einer anderen Futtergruppe. Wohin sie fahren soll, muss ihr niemand mehr sagen. Denn die Fütterung der rund 500 Milchkühe der Agrar GmbH Flämingland Blönsdorf (AFB) läuft vollautomatisch – wie fast alles im Betrieb.

Neben der Fütterung erledigt auch das Melken, die Klimaregelung, die Einstreuung, das Klauenbad und die Steuerung des Gülleschiebers ein Computer. In puncto Digitalisierung ist das Niedergörsdorfer Unternehmen ein Vorzeigemodell für den Landkreis Teltow-Fläming. Etwa 20 Landwirte und Agrarexperten sind am Donnerstag der Einladung des Kreisbauernverbandes gefolgt, um den digitalisierten Betrieb von Bernd Thiele in Augenschein zu nehmen. Zu Gast war auch Kornelia Wehlan, Landrätin von Teltow-Fläming und selbst Agraringenieurin.

Digitalisierung könnte viele Probleme lösen

„Die Situation in der Landwirtschaft ist angespannt, alles wird von der Dürre überschattet“, sagt Silvia Fuchs, Vorsitzende des Kreisbauernverbandes. Tatsächlich reißen die schlechten Nachrichten für die Branche derzeit kaum ab: Herausforderungen wie die Dürre, der Futtermangel, die neue Düngeverordnung oder die Rückkehr des Wolfes halten die Viehbetriebe in Atem. Neue Technologien hätten das Potential, den Landwirten wieder auf die Beine zu helfen. „Die Digitalisierung könnte die Landwirtschaft wieder spannender und attraktiver machen“, sagt Wehlan.

Landrätin Kornelia Wehlan beim Gespräch mit Landwirten in Blönsdorf. Quelle: Hannah Rüdiger

Die AFB zeigt, wie es geht. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren viel in die Modernisierung ihres Unternehmens investiert. Smarte Technologien helfen den Blönsdorfern dabei, ihre Arbeit effizienter zu gestalten; sei es auf dem Feld, im Stall oder im neuen Melkzentrum, das seit Februar in Betrieb ist.

„Wir sind noch nicht am Ende“, sagt Thiele. Die nächste Anbauphase stehe noch bevor. „Was uns die ganze Chose am Ende kostet, wissen wir noch gar nicht“, so der Geschäftsführer.

Mehr Erträge, weniger Umweltschaden

Moderne Technologien sind in dem Betrieb allgegenwärtig. Auf dem Acker messen Mähdrescher zwei- bis dreimal pro Sekunde, wie hoch der Ertrag der jeweiligen Parzelle ist. Mithilfe der Messdaten und regelmäßigen Bodenproben lässt sich ermitteln, wie viel Dünger oder Pflanzenschutzmittel die verschiedenen Böden vertragen. Das ist nicht nur umweltfreundlicher als herkömmliche Verfahren, sondern steigert auch die Erträge. Precision Farming nennt sich das Ganze, präzise Landwirtschaft.

An die Roboter im Stall haben sich die Kühe längst gewöhnt. Unter der Decke verläuft ein Schienennetz, an dem die zwei Futterloren selbstständig ihre Runden drehen. Die Weichenstellung erfolgt automatisch. Auch die Befüllung der Loren und die Zusammenstellung des Futters sind computergesteuert.

Ein Landwirt, um 470 Kühe zu melken

Der ganze Stolz der Blönsdorfer ist ihr vollautomatisiertes Melkzentrum. „Die Tiere gehen da alleine rein, lassen sich melken

Eine von zwölf Melkroboter-Boxen in Blönsdorf. Quelle: Hannah Rüdiger

und gehen auch alleine wieder raus“, sagt Thiele. Zweimal am Tag drängen sich 470 Kühe durch ein Labyrinth von weißen Stellwänden, um einen Platz in einer der zwölf Melkboxen zu ergattern.

In den Boxen erwarten die Kühe Melkroboter und eine Futterrutsche. Steht die Kuh in der Box und kaut auf ihrem Snack, fährt ein in der Wand verborgener Melkroboter seinen Arm aus. Zuerst säubert die Maschine das Euter, dann dockt der sogenannte Ansetzroboter an die Zitzen der Kuh an und beginnt zu pumpen.

Melkroboter als kleines Labor

Gleichzeitig wird die Zusammensetzung der Milch analysiert, die Daten laufen alle im Büro des Melkzentrums zusammen. „Jede Melkmaschine ist wie ein kleines Labor“, erläutert Thiele. „Dieses Melksystem ist eine Weltneuheit. Wir sind die ersten, die das so machen“, sagt er. Vor der Modernisierung hätten polnische Leiharbeiter die Kühe gemolken.

Wo früher eine Vielzahl von Landwirten körperlich schuften musste, arbeitet jetzt nur noch eine Person pro Schicht, die das Melken überwacht. „Wenn hier jetzt der Strom ausfällt, ist das natürlich eine kleine Katastrophe“, sagt Thiele. Das sei zwar ein Risiko, doch die Vorteile des Systems überwögen.

Könner melken mit Verstand

„Digital ist einfach ein Muss“, betont Agraringenieur Fabian Schlüter, der mit den Betriebsrobotern bestens vertraut ist. Passend dazu trägt er eine schwarze Kappe, auf der „Könner melken mit Verstand“ steht. Schlüter gehört zur jüngeren Generation des Unternehmens. Durch die digitalen Helfer seien die Mitarbeiter viel motivierter, sagt er. Zudem sei die Arbeit etwas entspannter und nicht mehr so eine große körperliche Belastung. „Wir finden sogar wieder Auszubildende“, sagt Schlüter.

470 Kühe werden zweimal am Tag gemolken. Quelle: Hannah Rüdiger

Langfristig könne die Digitalisierung junge Menschen wieder für landwirtschaftliche Berufe begeistern, sagt der Agraringenieur. Umgekehrt seien die Betriebe auch auf digitalaffinen Nachwuchs angewiesen. Denn so hilfreich die Technik auch sein mag: Es muss sie auch jemand bedienen können. „Schon die Ausbildung muss auf Digitalisierung ausgerichtet werden“, sagt auch Fuchs, die Vorsitzende des Kreisbauernverbands.

Region hat noch Nachholbedarf

„Das, was wir hier heute sehen können, ist in der Region noch nicht Standard“, betont Landrätin Wehlan. Es gebe noch viele „Wachstumsschmerzen“ zu überwinden. Anderen Unternehmen im Landkreis könne die AFB als Vorbild dienen. Laut Thiele haben schon viele den Betrieb besichtigt und sich über die Technik informiert.

Wie viele Landwirte am Ende nachziehen und digital aufrüsten, sei

Der Betrieb von Bernd Thiele ist ein digitales Vorzeigemodell. Quelle: Hannah Rüdiger

jedoch auch eine Kostenfrage, erläutert Wehlan. Zur Einordnung: Derzeit liegen die Preise für einen einzigen Melkroboter zwischen 100.000 und 120.000 Euro. Gefragt sind also Summen, die nach den Herausforderungen dieses Sommers nicht jeder Betrieb auf der hohen Kante haben dürfte.

Von Hannah Rüdiger

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