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Dolmetscher, Bekannte und Sprach-Apps

Übersetzungen für Flüchtlinge Dolmetscher, Bekannte und Sprach-Apps

Behörden und Ämter sind in der Region gut aufgestellt, wenn es darum geht, Gespräche mit Flüchtlingen zu übersetzen. Neben professionellen Dolmetschern kontaktieren sie bei Sprachbarrieren auch andere Migranten. Schnelle Hilfe bieten Apps. Und auch die Flüchtlinge selbst sind häufig gut vernetzt und bringen Bekannte zum Übersetzen mit.

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Quelle: dpa-Zentralbild

Dahmeland-Fläming. Derzeit dürften Dolmetscher und Übersetzer zu dem Berufsstand zählen, der sich über Auftragsmangel am wenigsten beklagen kann – zumindest wenn sie Sprachen wie Arabisch, Persisch, Kurdisch oder Pashtu beherrschen. Im Zuge der Flüchtlingsbewegung werden Übersetzer, die die Sprachen der Asylbewerber kennen, dringender denn je gebraucht: Ob im Jobcenter, im Bürgeramt, vor Gericht oder im Krankenhaus – in der Region beauftragen die Einrichtungen und Institutionen immer wieder professionelle Übersetzungsbüros. Manche haben sich auch ihren eigenen Übersetzer-Pool zusammengestellt.

Mitarbeiter vor allem auf Ämtern unterwegs

Ein Büro, das häufig kontaktiert wird, ist der Acta Dolmetscherdienst aus Brandenburg an der Havel. Eva Weging leitet ihn seit 1992. Täglich sind etwa sechs ihrer freiberuflich tätigen Übersetzer, die vor allem in Berlin leben, für Flüchtlinge im Dienst. Viele davon in Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald „Wir sind an der Grenze der Überlastung“, erzählt Eva Weging. Aber sie will sich nicht beklagen, die hohe Nachfrage belebt ihr Geschäft.

„Meine Mitarbeiter sind vor allem auf Ämtern oder für Privatleute unterwegs“, erzählt Weging. Das kann das Verhandeln einer Vormundschaft vor Gericht, der Termin im Jobcenter oder aber auch das Beglaubigen von Urkunden sein. Für Beglaubigungen müssen vereidigte Übersetzer engagiert werden. Bei angeordneten Terminen im Rahmen des Asylverfahrens oder medizinischen Terminen wie der Vorbesprechung einer Operation, haben Flüchtlinge einen Rechtsanspruch auf Übernahme von Dolmetscher- oder Übersetzerkosten.

Hoher Bedarf für Arabisch-Übersetzungen

Behördengänge können auch Menschen übernehmen, die die Sprache beherrschen, aber nicht ausgebildet sind. Hauptauftraggeber von Acta Übersetzungsdienste sind die Jobcenter in der Region. „Wir planen unsere Vermittlungsgespräche nach dem Zeitplan der Dolmetscher“, erzählt David Fornfeist von der Arbeitsagentur Cottbus. Dann lädt die Agentur Geflüchtete, die dieselbe Sprache sprechen, nacheinander ein.

Weil der Bedarf von Übersetzungen ins Arabische so groß geworden ist, hat die Arbeitsagentur Cottbus zum Jahresbeginn in jedem ihrer Landkreise einen eigenen Arabisch-Dolmetscher eingestellt. Wenn es um das Anerkennen ausländischer Berufsabschlüsse geht, wenden sich die Arbeitsagenturen an das bundesweit agierende IQ-Netzwerk. Das Netzwerk erfasst die Bildungssysteme im Herkunftsland der Flüchtlinge und kann so einschätzen, welche fachlichen Qualifikationen sie in Schulen, Fachschulen oder Universitäten durchlaufen haben.

Dolmetscher lernte Deutsch am Goethe-Institut

Auch der 24 Jahre alte Ayman Younes, der vor zwei Jahren aus Syrien floh, ist viel in der Region unterwegs. Er arbeitet noch bis Mitte des Monats als fest angestellter Übersetzer für die „Mobile Flüchtlingsberatung Teltow-Fläming“ des Diakonischen Werkes. „Ich übersetze vor allem auf Ämtern für Flüchtlinge – telefonisch oder persönlich“, sagt er. An vier Tagen pro Woche sitzt Younes im Ludwigsfelder Büro, an einem im Jüterboger. Younes hatte schon vor seiner Flucht Deutsch beim Goethe-Institut in Syrien gelernt und kann sich heute fließend verständigen – er übersetzt ins Arabische, Kurdische, Türkische und spricht Englisch. Zusätzlich beschäftigt das Diakonische Werk einen Bundesfreiwilligen für die Sprachen Englisch, Französisch und Italienisch.

Stadt Ludwigsfelde hat Übersetzer-Pool

Die Mitarbeiter der Stadt Ludwigsfelde rufen Ayman Younes regelmäßig an. Wie Stadtsprecherin Marina Ujlaki erzählt, habe die Stadtverwaltung noch Kontakt zu einem zusätzlichen Pool an Leuten, die sie im Fall der Fälle anrufen können. Das sind meist Flüchtlinge oder länger in Deutschland lebende Migranten. Vieles könne auch mithilfe von Übersetzungsapps geregelt werden. Dazu hat die Stadt Ludwigsfelde extra zwei Tablets angeschafft, eines liegt im Bürgeramt, das andere im Standesamt.

Das Klinikum Dahme-Spreewald behilft sich in Übersetzungsfragen vor allem mit Mitarbeitern aus den eigenen Reihen. Die Belegschaft sei international aufgestellt, erzählt Kliniksprecherin Ragnhild Münch. „Wir haben die Fremdsprachenkenntnisse unserer Mitarbeiter aufgelistet und greifen bei Bedarf darauf zurück“, sagt Münch. Oft kämen Flüchtlinge ohnehin mit anderen, die schon gut Deutsch sprechen, ins Krankenhaus. In den Notfallambulanzen wird seit September mit Notfall-Apps übersetzt.

Von Anja Meyer

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