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Teltow-Fläming Drang nach dem Meer
Lokales Teltow-Fläming Drang nach dem Meer
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15:12 12.07.2017
Bernd Stiehler beim Aufbau der Ausstellung in Wünsdorf. Quelle: Karen Grunow
Wünsdorf

Nur ein paar Schritte sind es von der Wohnung Bernd Stiehlers und Gabriele Wetzels in die Neue Galerie in Wünsdorf. Trotzdem ist es in gewisser Weise eine lange und weite Reise, die Bernd Stiehler für seine dort am Samstag eröffnende Ausstellung unternommen hat. Sein gesamtes künstlerisches Wirken wird dann zu sehen sein. Die Retrospektive findet statt anlässlich des 70. Geburtstags, den Bernd Stiehler am kommenden Dienstag feiern kann.

Nahezu 90 Werke wurden ausgewählt. Gemein ist ihnen die harmonische Farbgebung, oft sind es sehr warme, erdige Farben. Typisch für ihn sind auch die genauen, auf die Bildformate abgestimmten Proportionen, geradezu wie mit Grafikdesigner-Blick gestaltete Blätter. Das ist so intuitiv wie geschult, denn Bernd Stiehler hat sich viel mit Ästhetik- und Designgeschichte befasst. „Ich hatte einfach Interesse“, kommentiert er heute, dass er, der im Ludwigsfelder Ifa-Werk arbeitende Ingenieur, 1987 in Heiligendamm ein Fernstudium zum Industriedesigner begann. Da hatte er bereits jahrelang und regelmäßig Vortragsreihen an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee besucht, sich fortgebildet, gelernt. Und erfolgreich für Lkw-Kataloge und Schautafeln im Werk gezeichnet.

Umzug nach La Palma

In der Schule, erzählt er, sei er kein sonderlich guter Schüler gewesen. Aber Zeichnen, das lag ihm. Einer seiner Lehrer bot einen Schnitzzirkel an. Stiehler ist im Erzgebirge aufgewachsen. Klar, schnitzte er dann auch mal typische Pyramiden. Es hat ihm großen Spaß gemacht, sagt er. „Da habe ich angefangen, meine räumlichen Vorstellungen, das Dreidimensionale zu erfassen.“ Später, längst in seiner heutigen Heimatregion angekommen, besuchte er Malzirkel bei dem Dabendorfer Künstler Jürgen Melzer. „Ich hatte den Weg beschritten, wie Eltern ihn wollten“, sagt er über seinen Werksjob.

Die Leidenschaft, das künstlerische Talent aber wurde immer wichtiger und nach der Wende in gewisser Weise auch ein neuer beruflicher Anker. „Wir waren drei Designer im Werk. Das waren die ersten, die nicht mehr gebraucht wurden“, erinnert er sich. Stattdessen setzte er sich in Potsdam vor Schloss Sanssouci, aquarellierte Park und Schloss im Postkartenformat. Arbeitete zeitweilig in Wismar im Schiffsbau und in Schwerin, zeichnete auch dort und verkaufte gut. Da gerade bei Touristen seine kleinen, feinen Arbeiten sehr gefragt waren, bekam er als Tipp, doch dorthin zu gehen, wo alle zwei Wochen das Publikum wechselt. So verschlug es ihn auf die Kanarischen Inseln. „La Palma war für mich Abenteuer pur.“

Skizzenhefte und -blöcke werden ebenfalls gezeigt. Quelle: Karen Grunow

1993 war das. Lange lebte er in einem Wohnwagen, den er sich so umbaute, dass er ein großes Glasdach vorne hatte. So konnte auch bei schlechtem Wetter ungestört malen. Prinzipiell aber entstanden seine Bilder unter freiem Himmel. „Ich brauchte die Freiheit, draußen zu sein“, erzählt Bernd Stiehler.

Und er malte viel. Für das Bauamt auf La Palma fertigte er Modelle, auch Schmuck entwarf er aus Naturmaterialien wie Muscheln, für hiesige Auftraggeber arbeitete er als Grafiker und Ausstellungsgestalter. Noch heute sind von ihm konzipierte Logos und Schriftzüge in der Fläming-Region zu sehen. Was ihn noch immer fasziniert und lange schon inspiriert: die Petroglyphen. Prähistorische Ritzzeichnungen in Felsen, die auf La Palma oft labyrinthartig und kreisförmig sind.

Und dann kam die Krankheit. Parkinson. Mit Heftigkeit und Angst und Verzweiflung. Vor 15 Jahren war das. Heute sagt er: „Ich geb ja auch nicht auf!“ Am intensivsten repräsentieren jene Arbeiten die Krankheit, die entstanden, als er aufgrund einiger Medikamente unter zeitweiligen Halluzinationen litt. Es sind Pflanzengebilde, von denen er selbst sagt, es seien „Menschenpflanzen oder außerirdische Pflanzen“.

Liebe zum Kubismus

Seine frühesten, den stetigen Drang nach dem Meer schon andeutenden Bilder sind in den 1980er Jahren auf Usedom entstanden. Über die Jahre wurde der Kubismus für ihn immer wichtiger. „Ich habe gemerkt, dass ich einen Hang habe zu abstrahieren“, sagt er. Die Begeisterung für kubistische Formen ist vielen seiner nun ab Sonnabend in der Neuen Galerie ausgestellten Bilder anzusehen.

„Es war recht schwierig, das dann auszuwählen“, sagt Gabriele Wetzel über die so umfangreiche wie vielfältige Auswahl der zahlreiche Techniken repräsentierenden Werke der Schau. Vor fünf Jahren, zu Bernd Stiehlers 65. Geburtstag, gab es schon einmal eine große Ausstellung in der Neuen Galerie. Nun sollen aber noch andere Arbeiten gezeigt werden. Zum ersten Mal auch seine Skizzenblöcke und -hefte. Im Kleinformat sind dort schon in Perfektion – eben gar nicht skizzenhaft – später oft ins größere Format übertragene Zeichnungen oder Aquarelle zu sehen.

Die Retrospektive zu Bernd Stiehlers 70. Geburtstag beginnt am Samstag um 15 Uhr mit einer Laudatio der Kunstwissenschaftlerin Petra Lange und Flamenco mit Cayetana de Ronda und Georg Kempa. Danach ist die Schau in der Neuen Galerie in der Wünsdorfer Gutenbergstraße 1 bis zum 27. August immer donnerstags bis sonntags zwischen 10 und 17 Uhr zugänglich.

Von Karen Grunow

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