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Drastische Analysen und skeptische Ausblicke

Genshagen Drastische Analysen und skeptische Ausblicke

Anlässlich des Jubiläums „25 Jahre Weimarer Dreieck“ lud die Stiftung Genshagen ins dortige Schloss ein. Das Thema der Diskussion an dem Abend: Kunst und Kultur als Wegbereiter für das Europa von morgen. Es gab drastische Analysen und skeptische Ausblicke.

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Die Schriftstellerin Gila Lustiger (rechts) und die Unternehmerin Viola Wojnowski im angeregten Pausengespräch.

Quelle: Gudrun Ott

Genshagen. Die Stiftung Genshagen hatte für Donnerstagabend ins Schloss eingeladen. Das Thema: 25 Jahre Weimarer Dreieck – Kunst und Kultur als Wegbereiter für das Europa von morgen. Diskutiert wurde, ob Kunst und Kultur Menschen unterschiedlicher Nationalität, aber auch Menschen aus verschiedenen sozialen Schichten zusammenführen können.

Im Podium saßen Boris Grésillon, Professor für Geografie an der Universität Ais-Marseille und assoziierter Forscher am Centre Marc Bloch sowie an der Humboldt-Universität Berlin, Howard Griffith, Generalmusikdirektor des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt/Oder, die Schriftstellerin Gila Lustiger und die Unternehmerin Viola Wojnowski. Die Moderation hatte der Historiker und Beiratsvorsitzende der Stiftung Genshagen, Professor Etienne François. Die Veranstaltung wurde deutsch-französisch-polnisch gedolmetscht. Im Publikum waren der Ortsvorsteher von Genshagen, Dirk Houschka, die Integrationsbeauftragte Ludwigsfeldes, Marina Ujlaki, an ihrer Seite Shexazam Kham, Flüchtling aus Pakistan, Gabriele Millgramm, Lehrerin der Fontane-Grundschule Ludwigsfelde und die Kita-Leiterin Antje Du Chesne. Letztere sagte: „Bislang habe ich als Einwohnerin von Genshagen immer nur im Nachhinein von den Veranstaltungen hier erfahren. Das ist schade.“ Sie wünsche sich eine bessere Öffentlichkeitsarbeit, denn „das Schloss bereichert nicht nur die Region, sondern macht sie auch über die Grenzen hinaus bekannt.“

Anregende Podiumsdiskussion

Die Podiumsdiskussion eröffnete Etienne François, er sprach über die sogenannten kulturfernen Schichten, die europa- und kulturmüde geworden, sich eine eigene Kultur geschaffen hätten. „Die Bürgerlichen wählen die EU, die Proletarier sind dagegen“, sagte er. Das gelte für Frankreich, aber auch für Polen.

Viola Wojnowski, die der gemeinnützigen Stiftung OP ENHEIM vorsteht, beklagte die Europamüdigkeit der Polen und die daraus entstandenen Brände, die schnell gelöscht werden müssten. „Auch bei uns dringt Kultur nicht in die unteren Schichten der Gesellschaft vor“, sagte sie.

Die Schriftstellerin Gila Lustiger stellte einen Zusammenhang zwischen den Lebensumständen der Menschen her und verwies auf das Brecht-Wort „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“. Jugendliche, die in den Banlieue von Paris Bibliotheken zerstörten, hatten ihre Wut mit den Worten herausgeschrien: Ihr wollt uns Bücher geben? Gebt uns Arbeit! Lustiger wies darauf hin, dass man Europa kulturell neu definieren müsse.

Jazzkonzert beschloss den Abend

Was die Engländer betreffe, so hätten sie immer ein bisschen außerhalb der EU gestanden und der Brexit betone die Unzufriedenheit mit der jetzigen Form der EU, erklärte Howard Griffith und Boris Grésillon versuchte, sich ein Europa von Morgen vorzustellen. Er warnte: „Wir leben an einer Schwelle. Entweder wir ändern die Software und zwar sofort, oder wir hoffen weiter.“ Annette Siemes von der Naumann-Stiftung war unter den Zuhörern und meinte, die Diskussion sei zu oberflächlich.


Von Gudrun Ott

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