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Teltow-Fläming Drastische Forderungen bei AfD-Bürgerdialog
Lokales Teltow-Fläming Drastische Forderungen bei AfD-Bürgerdialog
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19:14 17.10.2015
Birgit Bessin und Jean Pascal Hohm im Gespräch mit Wünsdorfer Bürgern. Quelle: Ott
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Wünsdorf

Bahnreisende, die am Freitagabend am Wünsdorfer Bahnhof aus dem Zug stiegen, rieben verwundert ihre Augen. Einsatzwagen der Polizei vor der Gaststätte Sankt Hubertus. Grund: Eine Veranstaltung der AfD. Im Gastraum waren alle Tische besetzt und wer keinen Stuhl gefunden hatte, nahm ohne Murren mit einem Stehplatz vorlieb. Denn das Thema, die im Ort geplante Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge, erregt bei vielen Wünsdorfern die Gemüter. „Eingeladen haben uns Wünsdorfer Bürger, Bürger, die sich mit ihren Problemen von den etablierten Parteien alleingelassen fühlen“, so die AfD Landtagsabgeordnete Birgit Bessin. Neben ihr waren der Vorsitzende der Jungen Alternative Brandenburg, Jean-Pascal Hohm, sowie Daniel Freiherr von Lützow, AfD-Vertreter der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow, angetreten, Fragen zu beantworten.

Unstimmigkeiten über Aufnahmekapazität

Aufgebracht forderte eine Wünsdorferin Unterstützung. An die 6000 Einwohner habe das Dorf und nun müsse man mit 3000 Asylbewerbern rechnen, schimpfte sie. Zunächst war von 500 bis zu 1200 Asylsuchenden die Rede. Man verlange endlich verbindliche Angaben. Wegen der wachsenden Flüchtlingszahlen wird in Wünsdorf eine Erstaufnahmestelle eingerichtet. Auf dem landeseigenen Grundstück in Wünsdorf-Waldstadt sollen Anfang kommenden Jahres 500 Menschen einziehen. Es werde aber Raum geschaffen für eine Belegung von bis zu 5000 Flüchtlingen, erklärte Bessin. Die Kosten dafür trage das Land. Die Zahlen, die Bessin am Freitagabend in den Raum warf, sind jedoch nicht belegt. Nach Angaben des Innenministeriums wurde die geplante Kapazität von 1200 Flüchtlingen in dem 6000-Einwohner-Dorf zwar aufgestockt, allerdings bewege sich die anvisierte Zahl um die 2000 Plätze. Beim DRK, dem Betreiber der Erstaufnahmestelle geht man nach MAZ-Informationen derzeit von 1700 Plätzen für Flüchtlinge aus.

Radikale Forderung: Grenzen schließen

Vehement forderten Anwesende Grenzschließungen und die Rückkehr zur Ordnung, andernfalls könne das Land kollabieren. Schon jetzt sei die Republik tief zerklüftet. Eine junge blonde Frau regt ein Informationsblatt für die Asylsuchenden an, das darüber Auskunft geben soll, „dass unser Grundgesetz über dem Koran und über der Bibel steht.“ Wichtig sei ihr dabei vor allem die Gleichberechtigung von Mann und Frau.

„Ich habe Angst um meine Familie“, sagte der Wünsdorfer Thomas Mulka und, ich bin hierhergekommen, um zu hören, was ich tun kann.“ Jean-Pascal Hohm plädierte für den Druck der Straße, aber „mit Demonstrationen am richtigen Ort. Es ist idiotisch vor Asylbewerberunterkünften zu protestieren. Man muss vors Kanzleramt, vor die Landtage.“ Der 18 Jahre alte Student der Wirtschaft aus Rangsdorf nannte das Nichteinbeziehen der Menschen durch die Politik als einen der Gründe der Unzufriedenheit und des wachsenden Unmuts in der Bevölkerung. Und er warnte vor einer pauschalen Kriminalisierung der Flüchtlinge. Mehr aktive Teilnahme der Bürger an der Politik forderte Birgit Bessin ein. „Jeder hat die Möglichkeit, bei einer Einwohnerfragestunde der Stadtverordnetenversammlung seine Fragen zu stellen.“

„Wünsdorfer gehören nicht in die Rechte Ecke.“

Für Wünsdorf wolle man sich für eine eigene Polizeiwache und für ein Bürgerbüro einsetzen, hieß es. Über den Zuzug von Flüchtlingen hinaus diskutierten die Anwesenden die seit zwei Jahren fehlende Beleuchtung in der Bahnhofsstraße und in der Siedlung. Es sei ein Unding, dass Schulkinder früh in der Dunkelheit zum Bus laufen müssten. Martina Leisten, Ehefrau eines Stadtverordneten, erklärte, die Beleuchtung werde es im kommenden Frühjahr geben. Der Wünsdorfer Ortsvorsteher Rolf Freiherr von Lützow hatte es aus beruflichen Gründen nicht pünktlich zum anberaumten Bürgerdialog geschafft, nahm aber an den anschließenden Diskussionen teil. Mit Nachdruck erklärte er: „Wir Wünsdorfer gehören nicht in die Rechte Ecke.“

Von Gudrun Ott

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