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Drei Kandidaten beim Bürgermeister-Wahlforum

Luckenwalde Drei Kandidaten beim Bürgermeister-Wahlforum

Drei Luckenwalder Bürgermeisterkandidaten stellten sich beim MAZ-Talk am Dienstagabend zeitgleich den Fragen von Journalisten und Publikum. Rund 200 Besucher waren in das Kommunikationszentrum des Biotechnologieparkes gekommen.

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Beim MAZ-Talk (v.l.): Ekkehard Freytag, Andreas Teichert, Nadine Walbrach, Elisabeth Herzog-von der Heide und Lothar Mahrla.

Quelle: Margrit Hahn

Luckenwalde. Nur eine einzige Gelegenheit gab es im Luckenwalder Bürgermeisterwahlkampf, allen drei Kandidaten zugleich auf den Zahn zu fühlen. Die MAZ hatte für Dienstagabend zum öffentlichen Bürgermeister-Wahlforum in das Kommunikationszentrum des Biotechnologieparks eingeladen – und rund 200 Einwohner nutzten die Chance. Den Fragen stellten sich Amtsinhaberin Elisabeth Herzog-von der Heide (SPD), der Einzelbewerber Andreas Teichert und die Einzelbewerberin Nadine Walbrach.

Rund 200 Interessierte waren in das Kommunikationszentrum des Biotechnologieparkes gekommen

Rund 200 Interessierte waren in das Kommunikationszentrum des Biotechnologieparkes gekommen.

Quelle: Margrit Hahn

Zwei von ihnen hatten als Zaungäste beim MAZ-Talk in Nuthe-Urstromtal schon die Modalitäten beobachtet. Besser vorbereiten konnten sie sich trotzdem nicht, denn MAZ-Redaktionsleiter Lothar Mahrla und sein Stellvertreter Ekkehard Freytag als Moderatoren hatten natürlich andere Fragen gewählt. So gab es für alle Bewerber die gleichen Chancen.

Auf einem Bierdeckel formulierte Elisabeth-Herzog-von der Heide (SPD) ihre Ziele als Bürgermeisterin

Auf einem Bierdeckel formulierte Elisabeth-Herzog-von der Heide (SPD) ihre Ziele als Bürgermeisterin.

Quelle: Margrit Hahn

Bei den Essgewohnheiten gehen die Vorlieben schon mal auseinander. Während Herzog-von der Heide am liebsten „in meiner Küche“ speist, bevorzugt Walbrach den „Italiener, egal welchen“ und Teichert den „China-Imbiss“. „Welches Gebäude in Luckenwalde würden Sie abreißen, wenn Sie keine Rücksicht nehmen müssten?“, wollte Mahrla wissen. Die amtierende Bürgermeisterin würde sich von der Bauruine Haag/Ecke Grabenstraße trennen, die beiden anderen wollen Brachen lieber zu attraktiven Flächen oder Gebäuden umgestalten.

Kitaplatzmangel als heiß diskutiertes Problem

Der Kitaplatzmangel ist eines der heiß diskutierten Probleme in der Stadt. Walbrach nannte die Situation „die schiere Katastrophe“ und verwies darauf, dass man schon vor Jahren hätte reagieren müssen. „Wir brauchen Stabilität bei Betreuungsplätzen von der Kita bis zum Hort“, sagte sie.

Teichert stellt sich ein Modell ähnlich einem Betriebskindergarten vor, bei dem sich private Unternehmen und Stadt die Kosten teilen. Er hält es für denkbar, dass berufstätige Eltern bei der Platzvergabe bevorzugt werden. „Auch wenn jedes Kind einen Anspruch hat – wir müssen bedenken, wer in die Sozialkassen einzahlt und wer von Transferleistungen lebt“, sagte er. Walbrach wagt diese moralische Entscheidung gar nicht zu treffen. „Wir brauchen genügend Plätze, dann stellt sich die Frage nicht“, erklärte sie.

Die Ziele von Nadine Walbrach (parteilos) für Luckenwalde – auf Bierdeckelformat gebracht

Die Ziele von Nadine Walbrach (parteilos) für Luckenwalde – auf Bierdeckelformat gebracht.

Quelle: Margrit Hahn

Für Herzog-von der Heide ist es zwingend notwendig, dass auch Flüchtlingskinder die Kita besuchen. „Die Sprache ist der wichtigste Schritt zur Integration. Wenn Flüchtlingskinder in die Schule kommen, sollten sie Deutsch können“, sagte sie. Dem Platzmangel will sie mit ihren angekündigten Container-Zwischenlösungen und Anbauten begegnen, „notfalls auch an Schulen“, sagte sie.

Auf dem „heißen Stuhl“ – dem Podium für unbequeme, eher persönliche Themen – musste sich Teichert die Frage nach seiner vor Jahren verbüßten Gefängnisstrafe wegen Betrugs gefallen lassen. „Das liegt elf Jahre zurück, ich bin resozialisiert und gehe offen damit um“, sagte Teichert. Bisher sei er nicht auf Ablehnung gestoßen, habe aber auch kaum Gelegenheit gehabt, die Hintergründe zu erklären. „Wer mich fragt, bekommt eine ehrliche Antwort“, sagte er.

Kurz und bündig die Ziele von Andreas Teichert (parteilos) auf dem MAZ-Bierdeckel

Kurz und bündig die Ziele von Andreas Teichert (parteilos) auf dem MAZ-Bierdeckel.

Quelle: Margrit Hahn

Walbrachs Fähigkeiten als Inhaberin eines Küchenstudios mögen unbestritten sein, so Mahrla, „aber trauen Sie sich wirklich zu, eine Verwaltung zu führen und eine Stadt von 20 000 Einwohnern zu regieren?“, fragte er. „21 000“, korrigierte sie und sagte einfach: „Ja, sonst würde ich nicht kandidieren.“

Herzog-von der Heides Mitbewerber haben einen festen Job in der freien Wirtschaft und bei einer Wahlniederlage eigentlich nichts zu verlieren (außer vielleicht an Image). Die Amtsinhaberin aber ist seit 26 Jahren im öffentlichen Dienst. Wie sie sich beruflich neu orientieren würde, verriet sie zwar nicht, aber so viel: „Unter einem neuen Bürgermeister weiter im Rathaus arbeiten würde ich nicht, das wäre auch für den neuen Amtsinhaber nicht gut.“

Umstrittene Baumfällungen auf dem Boulevard

Nach der Pause kam das Publikum zum Zuge. „Wie geht es mit den Linden am Boulevard weiter und wieso werden neue Bäume die Platten angeblich nicht schädigen?“, wollte Ronny Molkentin wissen. Er bedauerte, dass die ersten Bäume gefällt sind und will wissen, ob die restlichen Linden verpflanzt werden. „Ich war gegen die Fällungen“, bekannte Walbrach, „und man hätte die Bürger besser informieren müssen. Die Bäume wurden an einem Samstag einfach abgeholzt, das macht die Bürger ärgerlich“, sagte sie.

„Auch ich war erschrocken, dass an einem Wochenende die Kettensäge angesetzt wurde“, sagte Teichert. Jetzt dürfe man diesen Fehler nicht wiederholen. „Eine Verpflanzung ist möglich und ich könnte mir Baumstandorte auch an einer Schule oder Kita vorstellen.“

Laut Herzog-von der Heide sei man bei der Boulevardsanierung auf Unwägbarkeiten gestoßen, die ein Überleben der Linden unmöglich gemacht hätten. „Für die neuen Bäume haben wir zwölf Kubikmeter große Pflanzlöcher vorbereitet, das ist optimal“, sagte sie.

Nachholbedarf in Sachen Elektromobilität

Frank Haak sieht Nachholbedarf in Sachen Elektromobilität. „Ludwigsfelde hat fünf Elektrotankstellen und wir hinken hinterher“, sagte er. Herzog-von der Heide kann sich E-Tankstellen an der Fläminghalle, in der Innenstadt und am Kino vorstellen, außerdem sei ein Fahrradparkhaus und eine Station für E-Bikes am Bahnhof geplant. Teichert schlägt Schließfächer für Radfahrer und Skater vor und will den Einstiegspunkt für die Fläming-Skate einschließlich E-Tankstelle an den Boulevard verlegen. Walbrach musste passen: „Mir war nicht bekannt, dass E-Mobilität noch ein Manko in der Stadt ist“, sagte sie.

Auf einem Blatt Papier haben die drei Kandidaten ihr Wahlergebnis in Prozent vorausgesagt. Herzog-von der Heide: 53, Teichert: 49, Walbrach: 45. Die nicht-repräsentative Saalwahl spiegelt ein deutlicheres Ergebnis wider. Demnach erhielt Herzog-von der Heide von 135 gültigen Stimmen insgesamt 75 (55,55 Prozent), Nadine Walbrach 48 Stimmen (35,55 Prozent) und Andreas Teichert 12 Stimmen (8,88 Prozent).

Von Elinor Wenke

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