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Drei Stunden Schulweg

Von Dolgenbrodt nach Zeuthen Drei Stunden Schulweg

Ein überdurchschnittlich langer Schulweg von fast drei Stunden zerrt an den Nerven von Johannes Hammitsch aus Dolgenbrodt. Nicht nur er ist von schlecht abgestimmten Anbindungen und ungünstigen Busfahrtzeiten in seiner Wohngegend betroffen: Jeden Morgen pendeln viele Schüler zu unzumutbaren Zeiten zur Schule.

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Sechs Uhr morgens: Johannes Hammitsch (16) wartet in Dolgenbrodt auf seinen Bus.

Quelle: Christina Koormann

Dolgenbrodt/Zeuthen. In der Dunkelheit leuchtet außer dem Mond und den Sternen am Himmel in der menschenverlassenen Blossiner Straße in Dolgenbrodt nur das grelle Licht einer kleinen Bushaltestelle. Dort sitzt mit kleinen Augen Johannes Hammitsch, 16 Jahre alt, und wartet fröstelnd auf den Linienbus 723, der ihn zum Bahnhof nach Königs Wusterhausen fahren soll. Dort wird er in die S-Bahn nach Zeuthen einsteigen, wo um 7.45 Uhr an seiner Schule der Unterricht beginnt. „Manchmal wird es knapp“, berichtet der Teenager. „Wenn der Bus nicht kommt oder es mit der Bahn ein Problem gibt, komme ich zu spät. Und es gibt einen Eintrag ins Tutoriumsbuch, weil nicht alle Lehrer dafür Verständnis haben, wenn ich nicht pünktlich im Unterricht sitze“, sagt er.

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25 Kilometer lang ist der Schulweg von Johannes Hammitsch. Der 16-jährige Schüler lernt in der Paul-Dessau-Gesamtschule in Zeuthen. Sein Tag beginnt um 5.15 Uhr, und er steigt in Dolgenbrodt in den Bus zur Schule.

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Um 5.15 Uhr hat, wie jeden Morgen, der Wecker des Schülers geklingelt. Für eine Strecke von etwas mehr als 25 Kilometer von der eigenen Haustür bis zur Zeuthener Paul-Dessau-Gesamtschule braucht Johannes täglich beinahe eineinhalb Stunden. Um den Bus nicht zu verpassen, der ihn um 6.09 Uhr abholen soll, muss er spätestens um sechs Uhr früh das Haus verlassen. Nur mit diesem Bus schafft es Johannes pünktlich in den Unterricht – durch Dolgenbrodt fahren zu dieser Uhrzeit deutlich zu wenige Busse, um eine Alternative möglich zu machen. Deshalb quälen sich Johannes und viele andere Schüler, die dort wohnen, zu extrem früher Stunde seit Jahren aus dem Bett.

Eltern-Interessengemeinschaft will das Dilemma der Schüler beheben

Gegen diesen Zustand haben Eltern aus Heidesee bereits eine Interessengemeinschaft Schülerbeförderung gebildet, um beim Landkreis Dahme-Spreewald kürzere Fahrtzeiten und Kostenerstattungen zu erwirken – bisherige Gespräche blieben noch ergebnislos. „Es muss eine Lösung geschaffen werden“, sagt Vicky Klode-Hammitsch, die Mutter von Johannes und eine der Initiatorinnen der in diesem Jahr gegründeten Interessengemeinschaft.

„Ich gehe im Dunkeln los und ich komme im Dunkeln wieder nach Hause“, sagt Johannes. Vor dem Oberstufenschüler liegen heute acht Stunden Unterricht, sein Schultag beginnt mit einer Stunde in Politischer Bildung. Bis dahin sind es 28 Haltestellen, an denen er mit Bus und Bahn vorbeifährt.

„Bei der ganzen Fahrerei hat man einfach kein Leben mehr“, sagt Johannes. Mit 16 Jahren ist er quasi Berufspendler, die Zeit, die der Fahrtweg morgens und nachmittags schluckt, dominiert alles andere. Viermal die Woche hat Johannes acht Stunden und ist nie vor 17 Uhr zuhause. „Dann muss ich noch Hausaufgaben erledigen und für Klausuren lernen – andere Dinge kann ich vor dem Schlafengehen fast nicht mehr machen, weil ich am nächsten Morgen wieder so früh raus muss“, schildert der Teenager seinen Alltag.

Dieser Ablauf schlägt sich nicht nur in seiner Stimmung, sondern auch auf Konzentration und Leistung nieder. Zwar ist Johannes ein guter Schüler. Aber: „Ich muss mich viel mehr anstrengen, um gut mitzuarbeiten, weil ich körperlich und geistig nicht auf dem Level bin, auf dem ich mit ein bisschen mehr Schlaf und einem kürzeren Schulweg wäre.“

Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten machen den Schultag schwer

Besonders schwierig ist es für ihn in den ersten Schulstunden. „Da bin ich einfach noch ziemlich schlapp und es fällt mir schwer, mich zu konzentrieren.“ Wenn gleich in der ersten Stunde eine Klausur ansteht, ist das eine besonders harte Herausforderung. „Ich habe dann einfach noch keine Power“, sagt der 16-Jährige. Er kommt meist gegen 10 Uhr wieder in Gang. „In der achten Stunde würde ich aber am liebsten nur noch schlafen“, sagt Johannes.

Die Scheinwerfer der Linie 723 tauchen aus der Dunkelheit auf, Johannes greift seine Schultasche und steigt ein. Im Innern ist es dunkel und warm, nur drei andere Leute sitzen bereits darin. Einer von ihnen ist Elias Nerreter, der eine Station vorher eingestiegen ist. Die beiden Jungen sind Leidensgenossen – ihren langen Schulweg teilen sie sich seit Jahren. „Ich bin abends später zuhause als mein Vater, und der arbeitet in Berlin“, sagt Elias. „Unser Schulweg ist einfach eine Zumutung.“

Müde Augen starren auf Handy-Displays

Von Kolberg über Blossin und Dolgenbrodt geht es über Friedersdorf, Wolzig, Wenzlow, Dannenreich, Kablow, Zernsdorf und Neue Mühle bis nach Königs Wusterhausen. Alle zwei Minuten hält der Bus wieder, verschlafen aussehende Jugendliche steigen zu, vergraben ihre Gesichter in dicken Winterschals, schließen die Augen oder starren mit müden Augen auf die Displays ihrer Smartphones.

Als der Bus auf die Haltestelle am Königs Wusterhausener Bahnhof zusteuert, ist es immer noch stockdunkel. „Da fährt die S-Bahn nach Zeuthen“, sagt Elias. „Die kriegen wir nie und nehmen deshalb die nächste, die in 20 Minuten fährt.“ Selbst wenn die erste S-Bahn zu schaffen wäre, würden die Schüler zu früh ankommen und vor Unterrichtsbeginn fast eine halbe Stunde Leerlauf haben. Auf dem Bahnsteig treffen die beiden ein paar Mitschüler, das macht die Wartezeit etwas abwechslungsreicher. Es regnet Schnee und Eis, der frostige Wind fegt über die Schülergruppen, die dort ungeschützt in der Kälte stehen.

Pünktlich erreicht die S-Bahn um 7.35 Uhr den Zeuthener Bahnhof. Mit schnellen Schritten gehen die Schüler hinüber zum Schulgebäude – heute wird es keinen Eintrag ins Klassenbuch geben.

Und wieder zurück

Um 15.48 Uhr steigt Johannes in Zeuthen wieder ein: Eineinhalb Stunden Rückweg liegen vor ihm. „Ich hoffe, ich verpasse den Bus in Königs Wusterhausen nicht“, sagt der Junge mit den großen braunen Augen. Auf dem Heimweg traut er sich mittlerweile nicht mehr, einzuschlafen. „Einmal habe ich deshalb meine Haltestelle verpasst und bin erst an der Endstation wieder aufgewacht“, sagt er. Hausaufgaben lassen sich im Bus aber auch nicht gut erledigen; es ruckelt und wackelt, die Maschine brummt. Und Johannes ist müde nach dem langen Schultag, gähnt vor sich hin. „Damit ich wach bleibe, habe ich meistens ein Buch dabei“, sagt er. Als er an der Haltestelle Dolgenbrodt Siedlung aussteigt, ist es schon längst wieder dunkel.

Von Christina Koormann

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