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Dreiste Possen auf Schloss Zossen

Zossen Dreiste Possen auf Schloss Zossen

Beim „Wittenberger Frühschoppen“ im Zossener Galerie-Café boten drei Schauspieler satirische Betrachtung rund um Luthers legendäre Tischgespräche. Verfasst hatte das für die Zuschauer durchaus nicht ganz durchschaubare Stück der auch in Glau lebende Autor Peter J. Fabich.

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Die Tischgesellschaft im Gespräch.

Quelle: Andrea von Fournier

Zossen. Es waren kulturinteressierte und neugierige Paare, die sich am Samstagabend in überschaubarer Zahl zum Theater im Zossener Galerie-Café eingefunden hatten. „Der Wittenberger Frühschoppen“, gespielt vom „Berliner Sommertheater“, stand auf dem Programm, thematisch passend zum 500. Reformationsjubiläum. Geschrieben hat das Stück der in Berlin und Glau lebende Schriftsteller Peter J. Fabich. Fabich ist in der Region durch seine inzwischen sieben Bücher über Hans Clauert, den närrischen Trebbiner, bekannt.

Auch die Lesart des „Wittenberger Frühschoppens“ ist keine ganz ernste, der Autor nennt das Stück „eine Schrulle“. Und so hat Regisseur und Schauspieler Stefan Kleinert es auf die Bühne gebracht. Ausgerufen wurde es auf der Treppe zum Spielort, auf der die Darsteller ihre Zuschauer im Schlepptau nahmen. Der Stoff des Stücks fußt auf den legendären Tischgesprächen im Hause Luther. An dessen Tafel saßen oft 30 bis 40 Leute – neben Ehefrau Katharina von Bora eigene und angenommene Kinder, Studenten, Professorenkollegen Luthers, Freunde und Reisende – und es wurde wahrhaft über Gott und die Welt geredet. Das waren lange, nicht nur philosophische, oft laute und derbe geführte Tischgespräche. In Fabichs Stück empfangen Martin Luther (Jerome Winistädt) und Katharina (Caroline Klütsch) die Theologie-Professoren Caspar Cruciger den Älteren und Philipp Melanchton, den Adligen Eustachius von Schlieben aus Zossen und den Maler Lucas Cranach den Älteren am Tisch. Den Rahmen bildet Tetzel, der Ablassverkäufer und Luther-Gegenpart, der den Frühschoppen stören will. Der Tisch war mit Bierkrügen und Büchern gedeckt. Aber auch Mikrobücher, eine pinkfarbene Zahnspangendose und zuweilen ein Laptop fanden sich darauf.

Das Publikum wurde sehr gefordert

Etwas verstörend schien dem Publikum der Einstieg und, wie sich zeigen sollte, löste sich das auch im Handlungsverlauf nicht auf. Akustisch waren die Mimen manchmal schwer verständlich, doch auch inhaltlich kam das Spiel ohne Erklärung kaum an. Wer sich am Schluss fragte, worum es eigentlich genau ging und wer so alles an Luthers Tafel vorbeikam, befand sich in guter Gesellschaft. An der schauspielerischen Leistung der drei Berliner lag es nicht, die waren mit Spielfreude dabei. Musikalische Einlagen wie „Ich will keine Schokolade“ und „Weil ich so sexy bin“ von Caroline Klütsch trugen zusätzlich zur Verwirrung bei. Das Publikum war gefordert. Überfordert? Ein zeitgenössisches Stück, „dreiste Possen auf Schloss Zossen“, wie angekündigt, war es allemal. Peter J. Fabich hat dem aufklärend-ernsten Tenor des Reformationsjahres seine satirische Betrachtung des mittelalterlichen Geschehens zugefügt. Doch der Trunk in den Humpen war am Schluss nicht nur für Luther und seine Gäste sauer.

Von Andrea von Fournier

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