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Teltow-Fläming Polizei kontrolliert nach Drogen im Straßenverkehr
Lokales Teltow-Fläming Polizei kontrolliert nach Drogen im Straßenverkehr
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06:01 29.08.2018
Polizeioberkommissar André Sieber kontrolliert einen Motorradfahrer auf Alkohol. Ergebnis: 0,0 Promille. Weil auch ein Koordinationstest negativ ausfällt, darf der Mann weiterfahren. Quelle: Victoria Barnack
Schönefeld

Mit Drogen hinterm Steuer: Für die Polizei in Brandenburg ist das ein zunehmendes Problem. Die Inspektion am Flughafen Schönefeld hat allein von Januar bis August dieses Jahres fast doppelt so viele Fälle verzeichnet wie im ganzen Jahr 2017. Dass die Zahl steigt, ist nicht nur ein Anzeichen für zunehmenden Drogenkonsum im Land. „Wenn wir nicht gezielt darauf kontrollieren, entdecken wir Drogendelikte im Straßenverkehr gar nicht“, sagt Maik Kettlitz von der Polizeidirektion Süd.

Acht Stunden lang kontrollierten 80 Polizisten aus Brandenburg und Berlin mehrere Hundert Autofahrer bei Schönefeld. Der Aktionstag diente vor allem der Schulung der Beamten und sollte die „sauberen“ Autofahrer sensibilisieren.

80 Polizisten aus Brandenburg und Berlin waren am Montag an der A 117 auf der Raststätte Waldeck West bei Waltersdorf vor Ort. Der Aktionstag, an dem gezielt nach Alkohol- und Drogenkonsumenten hinterm Steuer gesucht wurde, diente der Schulung der Beamten. Denn Täter im Vorbeifahren zu erkennen, können sie nicht einfach im Seminar erlernen. „Wir Polizisten müssen eine Art sechsten Sinn dafür entwickeln“, sagt Maik Kettlitz. „Im Alltag bleibt für solche Kontrollen wenig Zeit.“ Zwar würden sich immer wieder Klischees bestätigen, doch Drogenmissbrauch käme inzwischen in allen Schichten der Gesellschaft vor.

Koordinationstest zeigen körperliche Ausfallerscheinungen

Einer der Polizisten, die sich freiwillig zu dem Aktionstag angemeldet haben, ist Mathias Kaiser. Er ist unter anderem in Teltow-Fläming unterwegs. „Die acht Stunden heute dienen auch dem Austausch mit Kollegen“, sagt er. „So kann ich Handlungsweisen und Vortests ausprobieren, die ich bisher noch nicht kannte.“

Wer gepustet hat und nüchtern ist, darf am Montag nicht einfach so weiterfahren. Kaiser fordert die Autofahrer auf, die Augen zu schließen und mit dem Finger die eigene Nase zu berühren, auf einem Bein zu stehen oder 30 Sekunden ohne einen Blick auf die Uhr abzuschätzen. „Wer aufputschende Mittel genommen hat, sagt schon nach zehn Sekunden ,Stop’“, erklärt Maik Kettlitz. „Bei Drogen, die beruhigend wirken, dauert es auch mal 45  Sekunden.“

Mathias Kaiser hat sich wie 80 andere Polizisten freiwillig bei dem Aktionstag angemeldet. Quelle: Victoria Barnack

Christian Müller ist einer von mehreren Hundert Kontrollierten. Polizist Mathias Kaiser hat ihn ausgewählt, weil er als Kurierfahrer bei einem bundesweit tätigen Paketdienstleister arbeitet. Drogen sind in der Branche keine Seltenheit, um den Zeitdruck zu ertragen. Nach zehn Minuten darf Müller aber weiterfahren: keine Auffälligkeiten. „Die Aktion raubt mit zwar Zeit“, sagt er, „aber grundsätzlich finde ich die Kontrollen richtig. Niemand sollte sich mit Alkohol oder Drogen hinters Steuer setzen.“

„Das betrifft jedes Alter und alle Schichten“

Wenn der sechste Sinn der Polizisten richtig war, kommt Gudrun Nerlich zum Tatort. Die Ärztin steht 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche bereit, um Bluttests zu entnehmen. „Manchmal fahre ich fünfmal pro Nacht los“, berichtet sie. In den vergangenen Jahren habe der Drogenmissbrauch im Straßenverkehr zugenommen. „Das betrifft jedes Alter und alle Schichten“, sagt Nerlich. „Das Problem ist gesamtgesellschaftlich.“ Zu Drogen neige vor allem, wer im Beruf unter hohem Druck steht – egal ob Arzt oder Lkw-Fahrer.

Ärztin Gudrun Nerlich nimmt nicht nur Blutproben. Sie testet auch die Koordination auffälliger Autofahrer. Quelle: Victoria Barnack

Die Bluttests schickt Ärztin Nerlich an ein Labor. In Potsdam beispielsweise untersucht Christine Lehmann sie auf Amphetamin, Kokain, Opiate und THC. „Die Leute, die die Proben abgeben müssen, bekomme ich normalerweise nicht zu Gesicht“, sagt Lehmann, während sie die Kontrollen auf der Raststätte beobachtet. Dennoch kann die Toxikologin viel über Brandenburgs Autofahrer und deren Drogenkonsum berichten. „Im Süden wird mehr Metamphetamin konsumiert“, sagt sie. Crystal Meth und Crank sind relativ günstige Modedrogen mit aufputschender Wirkung. Lehmann ergänzt: „Die Nähe zur Grenze nach Polen und Tschechien spielt eine große Rolle.“

Im Westen Brandenburgs hingegen würde öfter Amphetamin, beispielsweise in Form von Speed, konsumiert. „Insgesamt steigt die Zahl der Fälle überall an“, sagt sie, „fast immer fallen die Tests positiv aus. Die Schulung der Polizisten zeigt ganz klar Wirkung.“

23 Mal mit Drogen und sechs Mal mit Alkohol am Steuer

Mehrere Tausend Fahrzeuge passieren die Raststätte am Montag in der Zeit zwischen 6 und 14 Uhr. 23 Drogen- und sechs Alkoholfahrten stellen die Polizisten in dieser Zeit fest. „Eine erschreckend hohe Zahl“, kommentiert Maik Kettlitz das Ergebnis. Mit so vielen positiven Tests hätte er trotz großem Organisationsaufwand nicht gerechnet. „Mit 80 Kollegen an einem Ort präsent zu sein, ist ein Kraftakt“, sagt er, „Dennoch werden wir die Aktion im nächsten Jahr wiederholen.“

Von Victoria Barnack

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