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Teltow-Fläming Zugedröhnt in den Unterricht
Lokales Teltow-Fläming Zugedröhnt in den Unterricht
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00:18 16.02.2017
Crystal Meth: fünf Fälle an Schulen im Jahr 2015. Quelle: DPA
Dahmeland-Fläming

Vollgedröhnt im Mathe-Unterricht oder das Taschengeld mit Dealen auf dem Schulhof aufbessern? Im Land Brandenburg ist den Zahlen des Landeskriminalamts zufolge beides keine Seltenheit. Das Jahr 2015 ist im Moment das letzte, für das verlässliche Zahlen zu dieser Thematik verfügbar sind. Und die sind alarmierend: Demnach registrierte die Polizei in diesem Jahr insgesamt 210 Fälle von Drogenkriminalität in den Schulen des Landes. 2011 waren es noch 119.

Cannabis im Fokus

Das ist ein Plus von rund 76,5 Prozent binnen vier Jahren. Trotz dieser Entwicklung konnte die Aufklärungsquote Schritt halten. Sie liege seit 2011 bei knapp 90 Prozent, so LKA-Sprecherin Karina Schulter. So konnten 193 Tatverdächtige gefasst werden. Die Zahlen könnten durchaus höher liegen, da in diese Aufstellung nur der Polizei bekannt gewordene Fälle eingeflossen sind und die Ermittler keine Dunkelfeldanalyse anstellten, hieß es.

In den meisten Fällen geht es um den unerlaubten Besitz oder Erwerb der Rauschmittel. Im Fokus steht besonders Cannabis – mit 158 von 210 Fällen drehen sich rund drei Viertel der Drogendelikte in den Schulen darum. Allerdings macht den Ermittlern besonders in Dahme-Spreewald noch eine andere, weit gefährlichere Droge zu schaffen. „Wir haben hier in Südbrandenburg ganz eindeutig ein Drogenproblem“, sagt Polizeisprecherin Ines Filohn, „und, um es deutlich zu sagen, mit Crystal Meth.“

Drogenschnelltests wie dieser zeigen binnen Sekunden, ob Rauschgift konsumiert wurde. Sie kommen auch an Schulen zum Einsatz. Quelle: DPA

Das synthetisch hergestellte Methamphetamin unterdrückt Hunger, Müdigkeit und Schmerz. Es verleiht kurzfristig Selbstvertrauen und ein Gefühl der Stärke, die Nebenwirkungen heißen Psychosen, Paranoia und eine hohe Abhängigkeit. Zur Anzahl der Crystal-Fälle kann Ines Filohn nichts sagen. Doch sie deutet an: „Der eine oder andere Schüler in der Region wird sicherlich Probleme damit haben.“

Die Zahlen des LKA untermauern das. „Eine explizite Darstellung der Methamphetamindelikte ist erst ab 2014 möglich“, sagt LKA-Sprecherin Schulter. 2014 hatte es keinen einzigen Vorfall mit der gefährlichen Droge gegeben, 2015 waren es fünf gewesen.

Ministerium kennt nur Bruchteil der Fälle

Überraschend ist, dass beim Bildungsministerium des Landes eine weitgehende Unkenntnis der Drogenproblematik herrscht. Dort sind die meisten Fälle schlicht nicht bekannt. „Im Ergebnis einer Umfrage bei allen staatlichen Schulämtern im Frühjahr 2015 sind dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport insgesamt sieben Fälle von Drogenverstößen an brandenburgischen Schulen zur Kenntnis gebracht worden“, sagt eine Sprecherin. Ein eklatantes Missverhältnis zu den tatsächlichen Zahlen, die auch damals schon deutlich höher lagen.

Zwar ist dem LKA zufolge für das Jahr 2016 ist ein tendenzieller Rückgang der Anzahl der Drogendelikte an Schulen festzustellen. Die führt das Bildungsministerium auf die erfolgreiche Präventionsarbeit an Schulen zurück. Besonders wichtig sei es, dass alle Lehrkräfte einer Schule das Thema sowohl im Unterricht selbst als auch in der Zusammenarbeit mit außerschulischen Kooperationspartnern angingen.

Prävention an zwei Fronten

Eine der Lehrerinnen, welche im Alltag mit der Anti-Drogen-Arbeit zu tun haben, ist Ina Weidner vom Goethe-Schiller-Gymnasium Jüterbog. Sie ist Präventionsbeauftragte und Vertrauenslehrerin. „Wir beginnen gleich in den siebten Klassen mit der Aufklärung“, sagt Weidner. Dabei gehen die Pädagogen an zwei Fronten vor. Die Eltern werden von Polizisten aufgeklärt, zudem kommen sie in Kontakt mit einer Mutter, deren Kind in die Drogen abgerutscht ist. „Sie erklärt, wie das passiert ist, wie sich das anfühlte“, sagt Weidner.

Doch auch die Schüler werden informiert. Sie besuchen Informationsveranstaltungen der Polizei, kommen im Unterricht immer wieder mit den Komplexen Sucht und Rauschgift in Kontakt. Als Lehrerin für Sport und Biologie kann Ina Weidner ihren Schülern genau erklären, was die Drogen mit deren jungen Körpern und Hirnen anstellen. „Die Suchtprävention gehört zum täglichen Schulleben dazu“, sagt sie.

Am wichtigsten sei es, den Jungen und Mädchen ständig Alternativen aufzuzeigen. „Sie dürfen gar nicht erst in Kontakt mit Drogen kommen“, ist Ina Weidner überzeugt. Mit dieser Politik steht das Jüterboger Gymnasium nicht allein da. 843 Schulen im Land, das entspricht mehr als 90 Prozent, sind eine Kooperation mit den Polizeidienststellen, oft auch mit den jeweiligen regionalen Suchtberatungsstellen eingegangen.

„Horrorgeschichten bringen wenig“

Die sehen den Ansatz der Abschreckung in der Suchtprävention nicht als den einzig erfolgversprechenden an. „Es ist viel wichtiger, die Jugendlichen in ihrer Entwicklung zu unterstützen, ihnen Kompetenzen an die Hand zu geben“, sagt etwas Ellen Martin von der überregionalen Suchtpräventionsfachstelle in Südbrandenburg. Sie ist seit mehr als 25 Jahren in der Suchtarbeit tätig, hat viele Anfragen von Schulen für Vorträge und Projekte. „Das Problem der Drogen an Schulen gibt es, seit es Schulen gibt“, sagt Martin. Es sei durchaus normal, dass Jugendliche sich ausprobierten.

Umso wichtiger ist es für Ellen Martin, die Handlungskompetenz der Schüler zu stärken – altersgerecht und situationsbedingt unterschiedlich. „Eine vierte Klasse muss man nicht über Crystal Meth aufklären“, sagt die Expertin, „sondern über Gruppendruck, Leistungszwang und das Rauchen.“ Es gebe noch immer zu viele Lehrer, die sich nicht mit Inhalten wie der Suchtprävention beschäftigen wollten und lediglich auf Horrorgeschichten zur Abschreckung setzten. „Das bringt wenig“, ist Ellen Martin überzeugt. Sie sagt: „Wir müssen den Kindern beibringen, dass sie selbstbewusst nein sagen dürfen, ohne sich zu erklären.“

Von Saskia Kirf

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