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Teltow-Fläming Drohende Abschiebung ist endgültig abgewendet
Lokales Teltow-Fläming Drohende Abschiebung ist endgültig abgewendet
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„Auf Grund des Ablaufs der Überstellungsfrist“: Das Dublin-Verfahren gegen die Yassins ist eingestellt. Quelle: Oliver Fischer
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Ludwigsfelde

„Es wird eine gute Nachricht für eure Familie geben“, diesen Satz hatten die Yassins zuletzt mehrfach gehört. Mohammed Yassin hatte ihn bei seiner Ausbildungsstelle schon vor vier Wochen aufgeschnappt. Später hatte auch eine Mitarbeiterin der Flüchtlingsunterkunft etwas ähnliches zu seiner Frau Rabiha gesagt. Das Abschiebeverfahren gegen die Familie sei erledigt. Aber Rabiha blieb skeptisch. Sie wollte es erst dann glauben, wenn sie einen Brief in der Hand hielt. In Deutschland, so viel weiß sie inzwischen, zählt nur Papier. Der Brief kam am Mittwoch.

Der Bescheid ist dünn, er enthält im Grunde nur drei Sätze, und die besagen, dass Deutschland nun zuständig für das Asylverfahren der Yassins ist. Rabiha hat trotzdem eine ganze Weile gebraucht, um den Inhalt zu übersetzen und die Konsequenz zu verstehen: Die Abschiebung nach Belgien ist nach einem halben Jahr Verfahren vom Tisch.

Das Bangen hat ein Ende

Das bedeutet das Ende einer Zeit des Bangens. Ende April hatte die Familie ihren Abschiebungsbescheid bekommen. Der Grund: Kurz nach der Ankunft in Deutschland war die Familie nach Belgien gereist, um Mohammeds Bruder zu besuchen, der dort lebt. In Belgien war die Familie von der Polizei kontrolliert worden, man hatte ihre Fingerabdrücke genommen. Gemäß der Dublin-III-Regelung muss ein Flüchtling dort Asyl beantragen, wo er zuerst registriert wurde. Die Sachbearbeiter beim BAMF werteten die Fingerabdrücke als Registrierung. Deshalb entschieden sie auf Abschiebung nach Belgien.

Die Yassins hatten dagegen geklagt, ihr Anwalt hatte Argumente um Argumente zusammengetragen und beim Verwaltungsgericht eingereicht. Diese Argumente wurden aber gar nicht bewertet. Aus dem Bescheid geht hervor, dass das Verwaltungsgericht schlicht zu langsam war. Ein Abschiebe-Verfahren nach Dublin-Verordnung darf nicht länger als sechs Monate dauern. Diese Frist war abgelaufen.

„Für uns geht es damit wirklich los“

Rabiha kann über diese Begründung nur den Kopf schütteln, sie ist ihr letztlich aber auch egal. Fakt ist: Die Familie durchläuft jetzt ein normales Asylverfahren in Deutschland. Sie und Mohammed können jetzt einen Integrationskurs besuchen. Die Familie kann eine Wohnung mieten, die Eltern können Arbeit annehmen. „Für uns geht es damit wirklich los“, sagt Rabiha.

Glücklich schaut sie aber nicht, als sie das sagt. Natürlich sei der Brief eine Befreiung. „Aber ich denke schon wieder über die nächsten Schritte nach. Werden wir politisches Asyl bekommen, oder nur subsidiären Schutz?“, fragt sie.

Ein Jahr oder drei Jahre?

Der Unterschied ist erheblich für die Betroffenen: Wer als Flüchtling anerkannt wird und Asyl bekommt, erhält eine dreijährige Aufenthaltserlaubnis, einen Reiseausweis für Flüchtlinge und Erleichterung beim Familiennachzug. Subsidiärer Schutz hingegen bedeutet nur eine einjährige Aufenthaltserlaubnis, einen Reisepass gibt es nicht, und die Restfamilie bleibt auch, wo sie ist. „Wir müssen jetzt schauen, was passiert. Wir gehen aber davon aus, dass bis Ende des Jahres eine Entscheidung über unsere Zukunft fällt“, sagt Rabiha.

Bis dahin werden sich die Yassins erst einmal um Integrationskurse bemühen. Bisher hatte das BAMF ihnen solche Kurse stets verwehrt. Und zu zweit hätten sie die Kurse bisher ohnehin nicht besuchen können, schließlich muss jemand auf Tochter Meis aufpassen. Denn Flüchtlinge ohne Status bekommen auch kaum einen Kitaplatz.

Info: Die Familie Yassin ist vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen und lebt jetzt in Ludwigsfelde. Die MAZ berichtet wöchentlich über ihr Leben in Deutschland.

Von Oliver Fischer

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