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„Du musst Diesel im Blut haben“

MAZ-Fachgespräch mit Taxifahrer Axel Hupka „Du musst Diesel im Blut haben“

Einmal zum Flughafen, bitte. Axel Hupka hat diesen Satz schon hunderte Mal gehört. Der Ludwigsfelder ist seit mehr als zehn Jahren Taxifahrer. Im MAZ-Fachgespräch erzählt er von gesprächigen Kunden, Arbeitseinsätzen am Silvesterabend und den Eigenheiten seines Autos.

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Stellt für die Jugend auch mal den Schlagersender ein: Taxifahrer Axel Hupka.

Quelle: Oliver Fischer

Ludwigsfelde. Axel Hupka hat sein ganzes Berufsleben hinter dem Steuer verbracht. Erst als Lkw-Fahrer, seit 11 Jahren fährt er Taxi in Ludwigsfelde. Dort kennt man ihn als „Taxi-Axel“. Für das Gespräch hat er seine Schicht verschoben.

Herr Hupka, auf dem Weg zu Ihnen habe ich 30 Kilometer mit dem Auto zurückgelegt. Was hätte mich die Tour mit Ihrem Taxi gekostet?

Axel Hupka: Rund 57 Euro.

Das ist viel Geld.

Hupka: Stimmt. Taxifahren ist ein Luxus geworden. Die meisten rufen ein Taxi deshalb nur noch, wenn ihr Auto streikt, wenn sie zum Flughafen müssen, bei dringenden Terminen oder Krankenfahrten. Allein die Einsteigegebühr beträgt ja 3,30 Euro. Die Preise können wir uns aber nicht aussuchen, die werden von der Verkehrsbehörde festgelegt. Und: Wir haben auf dem Land viele Leerfahrten. Wenn ich jemanden nach Jüterbog fahre, finde ich dort niemanden, der wieder mit zurück nach Ludwigsfelde will.

Wie lange dauert ein normaler Arbeitstag für Sie?

Hupka: Mein Auto ist von acht Uhr morgens bis Mitternacht in Bereitschaft. Ein Angestellter übernimmt den Vormittag, ich arbeite neun Stunden. Die Hälfte davon fahre ich, die andere Hälfte besteht aus Warten. Da trinkt man Kaffee, liest Zeitung oder quatscht ein paar Worte mit den Kollegen.

Was, wenn ich nach Mitternacht in Ludwigsfelde ein Taxi brauche?

Hupka: Dann haben Sie ein Problem. Es sei denn, Sie haben vorbestellt. Dann bin ich auch um drei Uhr am verabredeten Ort.

Haben Sie schon mal einen nächtlichen Termin verschlafen?

Hupka: Nein. Ich stelle mir immer zwei Wecker, stehe aber schon beim ersten Klingeln auf.

Wie halten Sie danach einen ganzen Arbeitstag durch?

Hupka: Ich lege mich an solchen Tagen nachmittags noch einmal kurz hin. Aber grundsätzlich ist es hart.

Wie viele Kilometer fahren Sie im Jahr?

Hupka: Rund 90 000. In meinem Berufsleben bin ich schon mehr als drei Millionen Kilometer gefahren.

Das wäre 75-mal um die Erde. Wie geht es Ihrem Rücken?

Hupka: Bisher habe ich keine Probleme, ich hoffe, das bleibt so.

Fahren Sie noch immer gerne Auto?

Hupka: Ja. Für den Job musst du Diesel im Blut haben, und das habe ich definitiv. Trotzdem habe ich natürlich auch nach einer stressigen Samstagsschicht schon mal die Nase voll.

Sie fahren Mercedes, wie die meisten Taxifahrer. Weshalb eigentlich?

Hupka: Das Auto ist mein Arbeitsplatz, deshalb muss es bequem, gut und langlebig sein. Meine E-Klasse klappert nicht, sie hat eine gute Musikanlage und sie hält 700 000 Kilometer durch. Das schaffen die wenigsten anderen Fabrikate. Mercedes bietet zudem ein gutes Taxipaket. Taxameter und Alarmanlage sind schon eingebaut, die Türscharniere sind härter, die Stoßdämpfer auch, wegen des Gepäcks. Und die Autos haben spezielle Sitzbezüge, die fast unzerstörbar sind und sich leicht reinigen lassen.

Falls sich ein betrunkener Fahrgast mal in Ihrem Auto übergibt?

Hupka: (lacht) Das habe ich zum Glück noch nicht erlebt. Aus dem Fenster ja, aber der hat mir auch gleich 20 Euro für die Waschstraße in die Hand gedrückt. Ich habe für den Fall der Fälle immer Tüten dabei, aber so hackedicht wie früher sind die Fahrgäste nicht mehr.

Welche Gäste sind Ihnen lieber: die Vielredner oder die Schweiger?

Hupka: Ich kann mit beiden. Bei Geschäftsleuten erkennt man gleich, dass sie nicht reden wollen. Sie arbeiten. Junge Leute sind auch meistens mit sich beschäftigt. Für die drehe ich die Musik etwas lauter. Die Älteren wollen erzählen, das mag ich auch. Schwierig wird es nur manchmal bei Touristen. Mein Englisch ist nicht so gut.

Fahren Sie mit oder ohne Navi?

Hupka: In Teltow-Fläming immer ohne, da kenne ich jedes Dorf. In Berlin weiß ich natürlich auch die Wege zu den Flughäfen, zum Alex oder zum Potsdamer Platz. Wenn es aber nach Neukölln geht und von der Karl-Marx-Straße links ab, da brauche ich schon ein Navi. Es kann mir aber auch kein Taxifahrer erzählen, dass er in Berlin alle Straßen kennt.

Was wäre schlimmer: Wenn das Radio ausfällt oder die Klimaanlage?

Hupka: Beides. Ich kühle mein Auto im Sommer auf Zimmertemperatur. Wenn die Leute einsteigen, dann spürt man richtig die Erleichterung. Aufs Radio kann ich aber auch nicht verzichten, das läuft immer.

Welche Sender?

Hupka: Alle möglichen. Energy, Antenne, Hit-Radio. Es gibt auch einen Schlagersender, den wollen die Jugendlichen oft hören; wenn ich am Wochenende Jugendliche nach Berlin fahre, dann wollen die den oft hören. Und sie sind erstaunlich textsicher.

Sind Sie ein guter Autofahrer?

Hupka: Ich bin seit 1974 unfallfrei – bis auf ein paar Wildunfälle. Ich finde, ich habe eine Auszeichnung verdient.

Ganz ehrlich, halten Sie sich immer ans Tempolimit?

Hupka: Naja, in der Stadt mal zehn drüber, das mache ich auch. Man muss sich ja dem Verkehr anpassen, sonst ist man der Langsamste, das geht nicht. Aber ich rase nicht durch die Innenstadt, und ich schaue immer nach links und rechts, selbst wenn ich Grün habe.

Wie oft sind Sie geblitzt worden?

Hupka: Ein paarmal, das bleibt nicht aus. Sogar schon in meiner Straße. Dabei kenne ich den Blitzer natürlich, aber es war gerade so lustig mit dem Fahrgast, dass ich nicht aufgepasst habe.

In Ihrem Job ist Pünktlichkeit wichtig. Wie geht es Ihnen im Stau?

Hupka: Ich bin entspannt. Nervosität habe ich mir abgewöhnt. Ich kann es ja nicht beeinflussen. Weil ich die Verkehrslagen ganz gut kenne, plane ich den Stau sowieso ein. Nach Tegel schafft man es um fünf Uhr morgens in 35 Minuten. Um sieben brauche ich eine Stunde. Wenn man das mitdenkt, dann hat man kein Problem. Ich hole die Leute auch gerne schon fünf Minuten vor der vereinbarten Zeit ab.

Trotzdem schon mal ein Flugzeug verpasst?

Hupka: Ja, leider. Wegen eines Unfalls auf der A 115. Zum Glück war der Kunde ein Dauerflieger, er konnte umbuchen. Bei einem Urlaubsflieger wäre das dramatischer gewesen.

Haben Sie Lieblingsstrecken?

Hupka: Ich fahre gerne über Land. Besonders nachts, wenn wenig Verkehr auf der Straße ist. Früher bin ich aber auch oft Unfallzeuge gewesen. Da waren auch tödliche Unfälle dabei. Das gehört zu den traurigen Seiten des Jobs, mit denen man klarkommen muss.

Gibt es noch andere?

Hupka: Ich fahre mitunter Krebspatienten zur Bestrahlung, manche 20- oder 30-mal. Da lernt man sich kennen. Wenn sie sterben, geht es mir nah. Ich schreibe dann eine Karte. Zur Beerdigung gehe ich aber nie. Man darf so etwas nicht zu dicht an sich ranlassen.

Erzählen Sie uns noch etwas Kurioses aus Ihrem Berufsleben.

Hupka: Ich sollte mal zwei Koffer runtertragen für eine ältere Dame. Normalerweise ist das kein Problem, aber diese Koffer waren unfassbar schwer. Des Rätsels Lösung: Die Frau wollte ihre Tochter besuchen, die irgendwo in Asien lebte. Weil in dem Land gerade Zucker knapp war, hatte sie 60 Kilo davon eingepackt. Ich erinnere mich auch gerne an ein Paar aus Australien, das wollte nach Ahrensdorf. Seine Mutter, eine Jüdin, hatte ihren Sohn auf dem Sterbebett gebeten, in Ahrensdorf, wo sie in der Hachschara-Stätte gelebt hatte, einen Stein abzulegen. Ich kannte weder die Stätte noch den Brauch mit dem Stein, aber es gibt dort ein Denkmal. Sie haben den Stein abgelegt, und er liegt heute noch dort.

Sind Sie schon einmal bedroht, bestohlen oder betrogen worden?

Hupka: Bisher zum Glück noch nicht. Einmal konnte ein Gast nicht zahlen. Er hat mir aber versprochen, das Geld in den Briefkasten zu werfen, und er hat sich daran gehalten.

Was war Ihre weiteste Fahrt?

Hupka: Hannover. Der Kunde hatte einen wichtigen Termin und sein Auto war kaputt gegangen. Nach Rostock musste ich auch schon. Bei solchen Touren vereinbart man vorher einen Festpreis. Nach Hannover waren es etwa 400 Euro.

Plus Trinkgeld. Wie viel bekommen Sie in der Regel?

Hupka: Die Leute runden auf. Wenn die Tour 8,50 Euro kostet, sagen sie zehn. Das ist nett. Zehn Prozent finde ich angemessen, aber wenn einer nichts gibt, bin ich nicht sauer. Früher hat eine Fahrt nach Tegel 50 Mark gekostet, heute sind es 70 Euro. Da verstehe ich, wenn die Leute kein Trinkgeld übrig haben.

Wann arbeiten Sie lieber, Weihnachten oder Silvester?

Hupka: Silvester ist der schlimmste Tag. Die Leute denken immer, wir verdienen uns da dumm und dusselig, aber das stimmt nicht. Ich bekomme 100 Anrufe, aber ich kann die Leute ja nicht alle zur selben Zeit irgendwohin fahren. Deshalb sind es am Ende nicht mehr Touren als an einem normalen Sonnabend. Heiligabend macht dagegen Spaß. Alle sind supernett und es gibt viel Trinkgeld. Ich wundere mich nur immer über die vielen Jugendlichen, die um 20 Uhr in die Disco fahren. Wir mussten früher Heiligabend zu Hause bleiben.


Von Oliver Fischer

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