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Düngeverordnung soll verschärft werden

Dahmeland-Fläming Düngeverordnung soll verschärft werden

Pflanzen sollen wachsen und vor allem im Ackerbau möglichst gute Erträge bringen. Wichtig dafür ist ein ausgewogenes Nährstoffverhältnis. Dünger ist dabei meist unverzichtbar. Doch die Düngeverordnung soll nun deutlich verschärft werden. Die Landwirte freut das erwartungsgemäß nur wenig.

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Dünger soll künftig innerhalb von vier Stunden auf den Feldern eingearbeitet werden.

Quelle: dpa

Dahmeland-Fläming. Pflanzen sollen wachsen und vor allem im Ackerbau möglichst gute Erträge bringen. Wichtig dafür ist ein ausgewogenes Nährstoffverhältnis, damit Getreide und Gemüse prächtig gedeihen können. Verfügt ein Boden nicht über genügend Nährstoffe, wird Dünger eingesetzt. So werden die Pflanzen mit den notwendigen Pflanzennährstoffen versorgt und die Bodenfruchtbarkeit erhalten und gefördert. Die Düngung unterliegt dabei genauen Vorschriften, die in der Düngeverordnung festgeschrieben werden. Diese Verordnung soll nun verschärft werden, um die in einigen Regionen Deutschlands zu hohen Nitratwerte im Grundwasser zu verringern.

Landwirte sehen in Änderung vor allem Nachteile

Die Landwirte in der Region Dahmeland-Fläming sehen in den geplanten Änderungen vor allem Nachteile. So soll etwa der Zeitraum, in dem die Landwirte den Dünger auf die Felder bringen können, verkürzt werden. Demnach dürfte ein Feld nach Ende der Ernte der Hauptkultur bis zum 31. Januar nicht mehr gedüngt werden. „Die Novelle stellt die Landwirte vor praktische Probleme“, sagt Helmut Dornbusch, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Teltow-Fläming. „Wenn die sogenannten Sperrzeiten verlängert werden, bedeutet dies auch, dass die Landwirte mehr Lagerkapazitäten etwa für Gülle schaffen müssen“, so Dornbusch.

Dünger soll schneller eingearbeitet werden

Dünger soll künftig auch schneller auf die Felder gebracht und eingearbeitet werden. Haben die Landwirte dafür bisher einen Tag Zeit, sollen sie den Dünger bald schon innerhalb von vier Stunden eingearbeitet haben. Für den Vorsitzenden des Bauernverbandes Südbrandenburg, Thomas Goebel, ist dies nur eine weitere Richtlinie, die den Alltag der Landwirte erschwert. „Die Vier-Stunden-Regelung bedeutet, dass ein Landwirt, nachdem er den Dünger aufgebracht hat, sofort einen Pflug an den Trecker spannen muss, um das Material einzuarbeiten. Er springt also ständig hin und her. Das ist einfach Stress“, sagt Goebel. Einige Betriebe könnte dies auch vor technische Herausforderungen stellen. Denn mit modernster Technik sei es kein Problem, die Düngemittel innerhalb kurzer Zeit auf die Felder zu bringen. Kleine Betriebe mit älterer Technik könnten da aber schon an ihre Grenzen kommen.

Hinterrund

Seit Jahren nimmt der Nitratgehalt im deutschen Grundwasser zu. Nach Recherchen von WDR und NDR werden die EU-weit gültigen Grenzwerte von 50 Milligramm pro Liter in immer mehr Grundwasservorkommen überschritten. Hauptverursacher ist aus Sicht des Bundesumweltministeriums vor allem die Landwirtschaft. Aus diesem Grund soll die Düngeverordnung verschärft werden.

Überhöhte Mengen von Nitrat führen zu starken Wasserverunreinigungen und verringern zudem die biologische Vielfalt in den Gewässern. Nach Angaben der EU-Kommission kann eine Konzentration über dem gültigen Grenzwert erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen haben. Schwangere Frauen und Kleinkinder gelten dabei als besonders gefährde Gruppen.

Der Gesetzentwurf wird derzeit bei der EU-Kommission notifiziert. Bis zum 20. Oktober 2016 haben die anderen Mitgliedstaaten der EU und die EU-Kommission Gelegenheit, zum Gesetzentwurf Stellung zu nehmen. Danach wird er in den Bundestag gegeben.

Die Düngeverordnung regelt die Anwendung von Düngemitteln mit detaillierten Vorschriften für die Landwirte.

Helmut Dornbusch ärgert es zudem, dass die geplante Gesetzesnovelle für ganz Deutschland gilt und keine regionalen Unterschiede macht, die aus seiner Sicht sinnvoll wären. „Denn in Brandenburg haben wir ganz andere Voraussetzungen als etwa in Bayern oder Niedersachsen“, sagt Dornbusch. Hauptgrund für die Änderung der Düngeverordnung ist eine zu hohe Nitratbelastung des Grundwassers in einigen Regionen Deutschlands. Brandenburg sei davon allerdings kaum betroffen, sagt auch die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Teltow-Fläming Silvia Fuchs. „Schaut man sich die Belastungen des Grundwassers auf einer Deutschlandkarte an, sieht man, dass Teltow-Fläming im grünen Bereich liegt“, so Fuchs.

Helmut Dornbusch, Kreisbauernvorsitzender TF

Helmut Dornbusch, Kreisbauernvorsitzender TF.

Quelle: Hartmut F. Reck

Dies habe auch damit zu tun, dass in Brandenburg generell weniger tierischer Dünger verwendet wird, der das Grundwasser belasten könnte, erklärt Helmut Dornbusch. Der Grund sei ganz einfach. „In Brandenburg haben wir verglichen mit anderen Regionen deutlich weniger Tierhaltung“, so Dornbusch. Während in Bayern statistisch zwei Rinder auf einem Hektar Land vorkommen, seien es in Brandenburg nur 0,2. Allerdings gäbe es auch hier lokale Unterschiede. „Wenn irgendwo eine große Schweinemastanlage oder ähnliches steht, kann es natürlich vorkommen, dass in deren Umfeld mehr tierischer Dünger, verwendet wird“, sagt Dornbusch.

Umweltbericht bilanziert positive Auswirkungen

In der vergangenen Woche wurde ein Umweltbericht vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft veröffentlicht, der die Änderungen hinsichtlich ihrer positiven Wirkung auf die Umwelt untersucht hat. „Sofern diese Vorgaben in der Praxis umgesetzt, ausreichend überwacht und Verstöße sanktioniert werden, ist insgesamt mit einer positiven Umweltwirkung zu rechnen“, heißt es in dem Bericht.

Landwirte müssen wettbewerbsfähig bleiben

Abgesehen vom Mehraufwand, der sich für Landwirte aus der Gesetzesänderung ergibt, fordert Thomas Goebel den Blick ins Ausland nicht zu vergessen. „Auch die Brandenburger Agrarbetriebe stehen im Wettbewerb mit ausländischen Firmen. Und wir müssen sehen, dass wir weiter wettbewerbsfähig bleiben und die Arbeit nicht durch weitere Vorschriften erschwert wird“, so Goebel. Die Bürokratie habe in der Landwirtschaft in den vergangenen Jahren bereits stark zugenommen, sagt Silvia Fuchs. Doch sie ist sich sicher, dass die hiesigen Betriebe auch die neuen Vorschriften für die Düngung umsetzen und sich damit arrangieren werden, auch wenn es für den ein oder anderen Betrieb vielleicht etwas schwerer sein wird.

Von Danilo Hafer

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