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E-Mobilität in den Kinderschuhen

Verkehr E-Mobilität in den Kinderschuhen

Die Förderung für Elektro- und Hybridfahrzeuge durch Bund und Hersteller könnte die Entwicklung auch in der Region Dahmeland-Fläming ankurbeln. Bisher machen derartige Fahrzeuge in den Landkreisen Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming noch weniger als 1 Prozent der zugelassenen Fahrzeuge aus. Aber es gibt auch Skeptiker.

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Die Verkehrsgesellschaft Teltow-Fläming setzt seit Juni 2014 einen Hybridbus ein.

Quelle: Gerald Bornschein

Luckenwalde. Elektromobilität ist wieder stärker in den Fokus gerückt, nachdem die Bundesregierung das Förderpaket mit Zuschüssen für Elektro- und Hybridfahrzeuge beschlossen hat. Dennoch herrscht gerade auch im Kfz-Handwerk eine gesunde Skepsis, was den schnellen Erfolg der alternativen Antriebe betrifft.

Michael Graf, Obermeister der Innung des Kraftfahrzeughandwerks Jüterbog Luckenwalde, begrüßt zwar den Beitrag der Elektrofahrzeuge zum Thema Umweltschutz und Schaffung nachhaltiger Lebensräume. Gleichzeitig sieht er aber auch die Defizite in der vorhandenen Infrastruktur. Gerade in Großstädten, wo viele Fahrzeuge im öffentlichen Raum abgestellt sind, fehlen ausreichende Lademöglichkeiten. Doch auch in Flächen-Landkreisen wie Teltow-Fläming oder Dahme-Spreewald stehen oft nur wenige Ladesäulen zur Verfügung. Dabei ist hier wiederum Reichweite gefragt, die E-Fahrzeuge beim gegenwärtigen Entwicklungsstand nur begrenzt anbieten können.

Michael Graf, Obermeister der Innung des Kraftfahrzeughandwerks Jüterbog Luckenwalde, mit seinem Elektro-Smart

Michael Graf, Obermeister der Innung des Kraftfahrzeughandwerks Jüterbog Luckenwalde, mit seinem Elektro-Smart.

Quelle: Gerald Bornschein

Der E-Smart beispielsweise, der in Grafs Unternehmen als Werkstatt-Ersatzwagen eingesetzt wird, kommt mit einer Batterieladung etwa 120 Kilometer weit. Danach dauert die Aufladung circa vier Stunden, mit der optionalen Schnellladeeinrichtung kann diese Zeit auf circa 1,5 Stunden verkürzt werden. Gemeinsam mit der Süd-Märkischen Elektroinnung hatte Michael Graf diesen Smart beim Maibaumstellen neben einer symbolischen Ladesäule auf dem Jüterboger Markt präsentiert. Noch gibt es keinen definitiven Beschluss der Stadtverordneten, diese tatsächlich zu installieren. Die vom Bund beschlossene Förderung der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge könnte ihnen die Entscheidung erleichtern.

Deutschlandweit sollen in den Jahren 2017 bis 2020 300 Millionen Euro für den Aufbau eines flächendeckenden Netzes bereitgestellt werden. In einer Beziehung ist Jüterbog bereits Vorreiter. Im dortigen Stadtverkehr fährt die Verkehrsgesellschaft Teltow-Fläming seit Juni 2014 mit dem ersten Hybridbus des Landes Brandenburg.

Hintergrund

Die Innung des Kraftfahrzeughandwerks Jüterbog Luckenwalde verbindet 40 Mitglieder (markengebundene und freie Werkstätten). Neben den Themen Qualifikation und wirtschaftliche Effekte steht auch die Gemeinschaft im Vordergrund. Den Jahresplan bestimmen alle Mitglieder per Umfrage am Jahresanfang selbst.

Förderung der E-Mobilität: Zuschüsse gibt es für die Anschaffung von Elektro- (4000 Euro) und Hybrid-Fahrzeugen (3000 Euro). Dafür stehen 1,2 Milliarden Euro bis 2019 zur Verfügung, jeweils zur Hälfte vom Bund und vom jeweiligen Hersteller bereitgestellt.

Elektroautos sind ab der Erstzulassung zehn Jahre lang von der Kraftfahrzeugsteuer befreit.

Für den Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur sind von 2017 bis 2020 insgesamt 300 Millionen Euro vorgesehen. Zwei Drittel davon gehen in Schnellladeinfrastruktur (circa 5000 Ladestationen) in Metropolen und entlang der Bundesfernstraßen. Der Rest geht in Normalladeinfrastruktur (circa 10 000 Ladestationen).

Die Kaufprämie für ein Fahrzeug mit Elektro- oder Hybridantrieb, die Bund und beteiligte Hersteller jeweils zur Hälfte aufbringen, könnte nach Meinung von Michael Graf durchaus Produktion und Verkauf ankurbeln und damit auch die Herstellungskosten sinken lassen. Die aktuellen Zulassungszahlen des Zentralverbandes des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes e.V. zeigen, wie marginal der Anteil der alternativen Antriebe momentan ist. Von etwa insgesamt 316 000 im April 2016 zugelassenen Pkw besitzen knapp 5000 keinen Otto- oder Dieselmotor. Damit beträgt der alternative Anteil bei den Neuzulassungen gerade einmal 1,6 Prozent, was gegenüber April 2015 bereits eine Steigerung von 8,3 Prozent ist.

Betrachtet man dazu die Bestandszahlen für Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald, fällt die Bilanz mager aus. Von 96 000 im Landkreis Teltow-Fläming zugelassenen Pkw sind – mit Stand 12. Mai – 302 Hybrid-Fahrzeuge. Das sind circa 0,3 Prozent. Zudem fahren nur 27 reine Elektro-Pkw auf den Straßen (außerdem 12 E-Kräder und drei E-Lastkraftwagen – Stand 5. Februar). Im Landkreis Dahme-Spreewald sind derzeit 475 Hybrid- und 84 Elektro-Fahrzeuge zugelassen. Bei einer Gesamtfahrzeugzahl von etwa 146 000 ergibt das ebenfalls etwa 0,3 Prozent Hybridanteil beziehungsweise knapp 0,06 Prozent reine E-Mobile (Stand Mai 2016).

Natürlich muss das Kfz-Handwerk sich auch auf den Service für die Elektro- und Hybridautos einstellen. Über herstellergebundene verpflichtende Schulungen werden Kenntnisse für die normale Wartung erworben. Eine spezielle kostenintensive Ausbildung ist für alle Reparaturen am Hochvolt-Elektroantrieb erforderlich. Doch Michael Graf ist davon überzeugt, dass sich auch dieser Aufwand rentieren wird.

Von Gerald Bornschein

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