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Teltow-Fläming Ein Bildhauer mit Sinn für Aktualität
Lokales Teltow-Fläming Ein Bildhauer mit Sinn für Aktualität
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07:25 19.11.2016
Andreas Jähnig Quelle: Ott
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Baruth

Hoch droben auf dem Berg wohnt Andreas Jähnig. Einsam genug, sodass die Tiere des Waldes gern vorbeischauen. Die Reste einer alten Ölmühle bei Baruth hat der hochgewachsene Mann mit dem langen, heute grauen Pferdeschwanz 1983 zu seiner Behausung erkoren. Bevor er begann die Ruine auszubauen, gab es hier weder Wasser noch Strom. Die letzten Bewohner des Gebäudes waren Schafe. Die mussten sich damit abfinden, dass es keinen Fußboden gab und durch das kaputte Dach das Regenwasser tropfte. Jähnigs Vater sagte, als er die Ruine sah, „Junge, so haben wir 1945 nach dem Bombenkrieg nicht anfangen müssen“. Aber der Sohn ließ sich nicht abhalten, krempelte die Ärmel auf und machte sich ans Werk. Brauchte er doch ein Atelier, nachdem die Preise in der Hauptstadt kaum noch bezahlbar waren.

Geboren in Leipzig

Geboren ist der 65-Jährige, der aus einer Technikerfamilie stammt, in Leipzig. Sein Vater war Ingenieur und Kraftwerkserbauer. Folgerichtig studierte der Sohn zunächst an der Bauhochschule, erhielt fürs Diplom ein „sehr gut“. Aber: „Weil ich meine Forschungen im Rahmen der Promotion nicht fortführen durfte habe ich mich neu orientiert.“ Und die Bildhauerei interessierte ihn schon lange, hatte er doch während des Studiums bereits Kurse an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in der Abendakademie der Bildhauerklasse belegt. Sein zweites Diplom erwarb er nach fünf Jahren an der Kunsthochschule Berlin Weißensee. Er diplomierte bei Jo Jastram, der zu den bedeutendsten Bildhauern der DDR zählte.

Diplomarbeit zu Kassandra

Plastik im Freiraum war Jähnigs Thema und seine Diplomarbeit eine überlebensgroße Kassandra. Gerade hatte Christa Wolf ihr Buch „Kassandra“ geschrieben und Jähnig berührte der Mythos der trojanischen Seherin Kassandra nachhaltig. So enthüllen seine Arbeiten die kleinlichen Gründe, die das Glück zerstören, den Frieden verhindern und dem Menschen zum Verhängnis werden. „Warum sind wir unfähig wirklich zu leben und nicht nur zu funktionieren“, fragt der Künstler und erinnert an Hannah Ahrendt, eine der großen Außenseiterinnen des 20. Jahrhunderts und eine der schärfsten Beobachterinnen ihrer Epoche. Ihrem Ideal, dem beherzten Denken folgen, heißt, sich mit der Welt in der wir leben, aktiv auseinanderzusetzen. Müssen wir wirklich um unser nacktes Leben rennen, wie der Mensch auf der sich ständig drehenden Kugel, die ihn zu zermalmen droht, sollte er auch nur einen Moment innehalten. Das sind bedrückende Gedanken, die sich angesichts von „Sisyphus“, eines Modells für Bronzeguss stellen, das Jähnig 2009 angefertigt hat.

Engagement für Künstler

Von bleibender Aktualität sind auch seine Entwürfe „Arbeitnehmer“ und „Mauerdenkmal“. Da ist der Arbeitnehmer, dessen, vom ständigen Schaffen überlange Arme bis zum Boden reichen und der ob seiner Hilflosigkeit lediglich noch die Fäuste zu ballen vermag, und da ist der Ostdeutsche, der nach dem Mauerfall zwar aus der Mauer heraustreten konnte, der aber sein Stück Mauer, den Teil, den seine Figur ausmacht, weiter mit sich herumträgt. Jähnigs Kunst bietet immer Denkanstöße, die aus der Wirklichkeit kommen. „Ich bin ein Beobachter und ein politischer Mensch. Ich befasse mich mit Dingen, die mich anspringen“, sagt er. Kunst sieht er als öffentliche Daseinsfürsorge und als Vorsitzender der Landesfachgruppe Bildende Kunst Berlin-Brandenburg bei Verdi kennt er die Nöte der Künstler. „Wir haben einen Kunstmarkt, der beherrscht die Szene und bringt Kunsthandwerker hervor, befördert aber keine Kunst, denn der Begriff der freien Marktwirtschaft ist, wie wenn man Feuer und Wasser mischt“, sagt er. „Wir leben in einer Zeit, in der das rechte Maß verloren gegangen ist, in der alles machbar erscheint... Das betrifft alle Bereiche der menschlichen Existenz, den Umgang mit der Natur und den Tieren ebenso, wie die Verteilung von gesellschaftlichem Reichtum“, findet der Bildhauer.

Von Gudrun Ott

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