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Ein Ehepaar und ihr weiches Herz für Igel

Igelstation seit einem halben Jahrhundert in Wergzahna Ein Ehepaar und ihr weiches Herz für Igel

Ingrid und Johann Dorschner betreiben seit einem halben Jahrhundert eine Igelstation in Wergzahna. Angefangen hatte alles mit einem Igelkind, das die Tochter nach Hause brachte, um es durch den Winter zu bringen. Später betreuten sie 130 bis 150 Igel pro Jahr. Nun müssen sie kürzer treten.

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Warten auf den nächsten Wintergast: Ingrid und Johann Dorschner inmitten der Igelquartiere in ihrem Garten in Wergzahna.

Quelle: Uwe Klemens

Wergzahna. Der Spätsommer ist Paarungszeit, zumindest was Igel anbelangt. Nach 35 Tagen kommen die Jungen zur Welt. Weitere drei bis fünf Tage später gehen sie selbstständig auf Nahrungssuche. Kommt der Winter aber zu früh, bleiben viele auf der Strecke.

Ingrid und Johann Dorschner gehören zu denjenigen, bei denen dann das Telefon nicht stillsteht. Seit 50 Jahren befassen sich die gelernte Medizinisch-Technische Assistentin und der ehemalige Berufsschullehrer mit dem Igelschutz. In einer Gartensiedlung am Rande Wergzahnas betreiben sie seit 40 Jahren eine Igelstation. Tausenden Igeln haben sie in all diesen Jahren das Leben gerettet und dafür den deutschen Umweltschutzpreis für die artgerechte Wildtierhaltung erhalten.

Die medizinische Betreuung der Igel ist zeit- und kostenintensiv

Die medizinische Betreuung der Igel ist zeit- und kostenintensiv.

Quelle: Uwe Klemens

„Angefangen hat es bei uns, wie bei vielen“, erinnert sich die heute 82-Jährige. „Eines Tages, kurz vor dem Wintereinbruch, kam unsere damals siebenjährige Tochter Claudia mit einem Igel nach Hause, der zu klein war, um draußen zu überleben. Aber wir hatten keine Ahnung, wie man einen Igel versorgt, was er frisst und was man möglicherweise falsch machen könnte.“ Da auch Tierärzte kaum Rat wussten, blieben sie auf sich allein gestellt.

Schnell avancierte „Schnuffel“ zum Liebling der Familie. Die Lektüre aller auffindbaren Fachbücher verhalf zum nötigen Grundwissen. Selbstgebackene Stolle lockte ihn am zuverlässigsten aus seinem Lieblingsversteck unter dem Küchenbuffet hervor.

Gelernt bei „Schnuffel“

„Von Schnuffel, der glücklicherweise nicht krank war, haben wir unglaublich viel über Igel gelernt“, erinnert sich Ingrid Dorschner. In der Familie, in der Nachbarschaft und im Kollegenkreis galten Dorschners fortan als Igelexperten und wurden zur Anlaufstelle bei Igelfunden. „Schon im zweiten Jahr hatten wir ein ganzes Dutzend Igel zum Überwintern bei uns zu Haus in Wittenberg“, blickt Johann Dorschner zurück. Bald musste eine Garage für die selbstgezimmerten Igelbehausungen angemietet werden. Das Gartengrundstück in Wergzahna wurde zur Kranken- und Auswilderungsstation für Sorgenkinder.

Mahlzeit für die Igel

Mahlzeit für die Igel.

Quelle: Uwe Klemens

„130 bis 150 Igel pro Jahr haben wir stationär betreut, weitere 600 bis 800 ambulant“ fasst Johann Dorschner zusammen. Der von ihm und seiner Frau gegründete Verein Igelfreunde Sachsen-Anhalt genießt heute bundesweit Anerkennung.

Igel-Eltern treten altersbedingt kürzer

Seit dem Schlaganfall von Ingrid Dorschner treten die beiden ruhiger, denn auch ihr Mann ist mittlerweile 85. Die Hauptstation in Wittenberg wurde vor zwei Jahren aufgelöst. Fundtiere übernehmen andere Igelfreunde. Nur das Auswilderungsgehege in Wergzahna hat ab und an noch einen Gast. Dorschners selbst stehen am Telefon und via Internet als Helfer allen Ratsuchenden zur Seite.

Info: Kontakt über www.igelratgeber.de oder Tel.  0 34 91/61 27 76.

Von Uwe Klemens

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