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Teltow-Fläming Ein Jahrhundert Lebenserfahrung
Lokales Teltow-Fläming Ein Jahrhundert Lebenserfahrung
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00:32 10.01.2016
Die Torte verrät: Olga Stelzer feiert ihren 100. Geburtstag – Bürgermeister Wilfried Rauhut (60) gratuliert. Quelle: Peter Degener
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Oehna

Es ist das erste Mal in Wilfried Rauhuts (parteilos) langer Amtszeit, dass er einem Bürger von Niedergörsdorf zum 100. Geburtstag gratulieren durfte. „Ich war bei ihrem 90. und 95. Geburtstag und freue mich, Ihnen auch heute gratulieren zu können“, sagte Rauhut zur ältesten Bürgerin Niedergörsdorfs: Olga Stelzer aus Oehna wurde am 7. Januar 1916 im ostpreußischen Stolzenhof bei Elbing geboren. Am Donnerstag feierte sie im Kreise der Familie im Dennewitzer Lokal „Zum Grafen Bülow“ ihr Jubiläum. Ihre Söhne, Enkel und Urenkel, vor allem aber die vielen Nichten und Neffen sind aus ganz Deutschland angereist. „Ich freue mich, da hat man sie alle mal wieder gesehen“, sagt sie mit einem dicken ostpreußischen Zungenschlag, der sich auch 70 Jahre nach der Flucht aus ihrer Heimat nicht verschliffen hat.

Sie war das fünfte von acht Kindern einer Bauernfamilie. Das Leben auf dem Land hat Olga Stelzer nie aufgegeben, denn die längste Zeit ihres Jahrhunderts verbrachte sie in Oehna, wo sie vielen noch als Mitglied des Kirchenchores und als Küsterin in Erinnerung ist. Bis weit über ihren 90. Geburtstag hinaus war sie für das Läuten der Glocken verantwortlich.

Doch der Weg nach Brandenburg und ins hohe Alter war kein einfacher für Olga Stelzer. An glückliche Erlebnisse erinnert sie sich spontan nicht, doch Schwiegertochter Gudrun springt ein. „Die Hochzeit mit deinem Mann!“, sagt sie. Das war 1935. Zwei Söhne gingen aus der Ehe hervor. 1937 wurde Otto geboren, der bis heute mit seiner Mutter unter einem Dach lebt und sie pflegt. 1941 kam Sohn Arnold zur Welt. Kurz darauf starb ihr Ehemann jedoch an einer Krankheit.

„Es ist eine große Gnade, dass sie heute ihren 100. Geburtstag feiert“, sagt Schwiegertochter Gudrun und erinnert daran dass Olga Stelzer ihre Kinder ohne ihren Mann durch die schwere Kriegszeit bringen musste. 1943 wurde der zweijährige Arnold ins Innere des Deutschen Reiches verschickt. Bei Kriegsende wurde die Mutter von polnischen Partisanen eingesperrt, doch ihr gelang die Flucht mit Sohn Otto bis nach Sachsen-Anhalt. Zuerst traf sie dann auf zwei Geschwister, die es nach Oehna verschlagen hatte. 1947 führte der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes sie dann wieder mit ihrem Sohn Arnold zusammen – noch ein glücklicher Tag!

Auf die Frage nach ihrer robusten Gesundheit sagt sie nur: „Sport habe ich ja gar nicht getrieben, ich habe aber viel gearbeitet“. Ihr Berufsleben hat sie in der Oehnaer Landwirtschaft verbracht, etwa als Tierpflegerin. Daneben standen ihr langes Engagement für die Kirche und ihre Familie im Mittelpunkt ihres Lebens. Für anderes blieb auch im Alter kaum Zeit.

Von Peter Degener

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