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Ein Lastwagen, der schwimmen kann

Luckenwalder Lkw-Bauer entwickeln Amphibienfahrzeug Ein Lastwagen, der schwimmen kann

Zum 20. Firmen-Geburtstag hat sich die Iveco-Werkstatt in Luckenwalde selbst beschenkt. Die Tüftler bauten einen Amphibien-Transporter und brachten ihn durch die Betriebszulassung. Die Feuertaufe bestand der Prototyp des schwimmfähigen Lkws beim Elbe-Hochwasser 2013.

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Das Amphibienfahrzeug im Hochwasser-Einsatz.

Quelle: Iveco

Luckenwalde. Das schönste Geschenk zum Firmen-Geburtstag haben sich Friedemann Hampel und sein Sohn Christoph selbst gemacht. Weil ihre Iveco-Vertragswerkstatt seit 20 Jahren besteht, haben sie ein Amphibienfahrzeug konstruiert und bieten es nun zum Verkauf an.

Ihren Betrieb führen die Hampels in Luckenwalde. Neben Service- und Reparaturarbeiten haben sie sich auf Auf - und Umbauten von Lkws spezialisiert. Eines der größten Projekte war die Entwicklung und der Bau des Amphibienfahrzeuges. Es gab zwar Vorgänger-Modelle aus den Jahren 1942 bis 1947. Allerdings entsprachen diese nicht den modernen Standards und erhielten keine Betriebserlaubnis.

Als die Idee an die Luckenwalder herangetragen wurde, waren sie überrascht. Andere Iveco-Vertragswerkstätten wollten sich mit einem solchen Exoten nicht belasten. "Wir hatten anfangs nicht mal eine Zeichnung. Wir wollten ein Fahrzeug mit dem wir zulassungstechnisch auf der sicheren Seite waren, sowohl auf der Straße als auch im Wasser", berichtet Friedemann Hampel. Sie holten sich einen Schiffsingenieur nach Luckenwalde, mit dem sie ihre Vorstellungen besprachen.

Friedemann Hampel (2.v.r.) im Kreise seiner Familie und Mitarbeiter mit dem Geschenk zum Firmen-Geburtstag, dem amphibisch geländegängigen Mannschaftswagen.

Quelle: Margrit Hahn

Es gab viele Nüsse zu knacken. Die Abstände, der Schwerpunkt, die Gewichtsverteilung ‒ immer wieder wurden Veränderungen vorgenommen. Nach gut einem Jahr war es vollbracht. Vertreter der Dekra nahmen den Prototypen 14 Tagen lang unter die Lupe, bevor sie die Betriebserlaubnis erteilten. An Land ist das Fahrzeug mit 80Stundenkilometern unterwegs, im Wasser mit bis zu 15 km/h.

Seine Feuertaufe hat der Boots-Lkw, wie er in der Familie genannt wird, bestanden. Beim Elbe-Hochwasser 2013 hielt es Christoph Hampel zu Hause nicht länger aus. "Ich habe die Bilder gesehen, wie die Menschen überall halfen, und habe nicht lange überlegt", sagt der Junior-Chef. Er fuhr mit einem Freund nach Mühlberg. Als die Feuerwehren das Unikum sahen, gingen die Schlagbäume hoch und man ließ sie in die überschwemmten Gebiete. Der geländegängige Mannschaftwagen konnte bis zu 30 Leute oder vier Tonnen Sandsäcke befördern. "Wir haben die Sandsäcke von der Wasserseite aus an den Deich gefahren und die Feuerwehrmänner, die an den Deichen eingesetzt waren, nach getaner Arbeit zurück zu ihren Autos gebracht", berichtet Christoph Hampel.

Technische Details

  • Der Boots-Lkw auf Grundlage einer Iveco-Konstruktion ist 10,50 Meter lang, 2,55 Meter breit und 3,80 Meter hoch. Leer wiegt er zehn Tonnen. Das Gesamtgewicht beträgt 14 Tonnen.
  • Ab einer Wassertiefe von 1,20 Meter ist das Amphibienfahrzeug in der Lage zu schwimmen.
  • Der Schwimmkörper wurde in Mehrkammerbauweise aus drei Millimeter hochvergütetem Stahl hergestellt. Der Antrieb im Wasser erfolgt über einen motorgebundenen Schraubenantrieb und/oder über die Reifen.

Die Helfer von Feuerwehren und Technischen Hilfswerken (THW) fotografierten das vielseitige und belastbare Fahrzeug nur zu gern. Und so gab es bereits Anfragen, ob es in Version eines Rettungsfahrzeugs, Löschboots oder dergleichen herzustellen wäre. "Das ist eine durchaus zu lösende Aufgabe", sagt Christoph Hampel, "auch ist es möglich, mit diesem Fahrzeug im Wasser verletzte, zu evakuierende oder zu rettende Personen aufzunehmen, um sie dann direkt zu Sanitätsplätzen oder Notunterkünften zu transportieren." Vater und Sohn hoffen, dass es nicht nur bei Anfragen bleibt, sondern konkrete Aufträge kommen.

"Bundesweit gibt es so etwas in dieser Form kein zweites Mal", sagt Friedemann Hampel nicht ohne Stolz. Das zwölfköpfige Team bei Iveco in Luckenwalde ist gut gerüstet. Inzwischen hat der Boots-Lkw auch den passenden Anstrich. Zur einen Hälfte rot wie die Feuerwehr und zur anderen Hälfte blau wie das THW.

Wenn Hampels mit dem Riesen unterwegs sind, dann folgen ihnen die Blicke der Passanten. Und sie genießen sie, denn sie haben Schweiß, schlaflose Nächte und Geld investiert. Vielleicht klappt’s sogar mit dem Innovationspreis des Landes Brandenburg, für den sie sich beworben haben.

Von Margrit Hahn

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