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Ein Leben als Korbmacher

Dahme/Mark Ein Leben als Korbmacher

Bereist seit 45 Jahren betreibt Hans-Peter Kaiser eine Korbmacherwerkstatt in Dahme/Mark. Von der einstigen Blütezeit der Korbmacherei in der DDR ist nicht viel geblieben. Es gibt diesen Berufsstand kaum noch. Und die wenigen, die den Beruf weiterhin ausüben, so wie Hans-Peter Kaiser und Sohn Rene, kämpfen ums wirtschaftliche Überleben.

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René Kaiser arbeitet seit fast 25 Jahren in der kleinen Werkstatt seines Vaters in Dahme

Quelle: Danilo Hafer

Dahme. Körbe flechten können Hans-Peter Kaiser und Sohn René inzwischen mit geschlossenen Augen. Die Handgriffe sind für die beiden Korbmachermeister zur Routine geworden. Bereits seit 45 Jahren betreibt Hans-Peter Kaiser seine Werkstatt mit einem angrenzenden Geschäft in der Innenstadt von Dahme. Dort fertigt und verkauft er alles vom klassischen Korb über Tabletts und Lampenschirme, bis hin zu kleinen Deko-Artikeln. Und er ist damit einer der letzten seiner Zunft.

Der Markt brach zusammen

„Zu DDR-Zeiten hatten wir eine Genossenschaft mit 123 Korbmachern, es gibt davon nur noch fünf“, erzählt Hans-Peter Kaiser. In den besten Zeiten arbeiteten bis zu zehn Mitarbeiter in seiner Werkstatt. „Das war damals im Grunde Serienproduktion“, sagt er. Es gab sogar eine Fachschule, in der jedes Jahr aufs neue junge Leute zu Korbmachern ausgebildet wurden.

Hans-Peter Kaiser (72) bei der Arbeit, die er auch noch ausübt, obwohl er eigentlich schon im Ruhestand ist

Hans-Peter Kaiser (72) bei der Arbeit, die er auch noch ausübt, obwohl er eigentlich schon im Ruhestand ist.

Quelle: Danilo Hafer

Mit der Wende sei der Markt für die Korbwaren zusammengebrochen. „Dann konnten auch polnische Korbmacher ihre Produkte bei uns verkaufen“, erläutert Hans-Peter Kaiser. Davon habe sich das Korbmacherhandwerk nicht wieder erholt. Und viel Geld ist auch nicht mehr zu verdienen.

Nicht nur die Materialien, auch die Betriebskosten sind inzwischen so hoch, dass sich Hans-Peter Kaiser genau überlegen muss, welche Maschinen er noch benutzt. „Früher haben wir das Rohmaterial noch selbst behandelt, das ist nicht mehr machbar, weil allein der Strom für die Maschinen die Kosten in die Höhe treiben würde, den Preis möchte am Ende kein Kunde mehr bezahlen“, sagt Kaiser.

Inzwischen ist Hans-Peter Kaiser 72 Jahre alt und offiziell im Ruhestand. Die Arbeit in der Werkstatt hat sein Sohn übernommen. Er kommt täglich in die kleine Werkstatt, die sich im Haus der Familie befindet, und flicht Körbe. Für ein kleines Modell eines Tabletts benötigt er nur eine Stunde.

„Ich bin ein Schönwetterhändler“

Verkauft werden die Stücke anschließend im eigenen Laden. Drei- bis viermal pro Woche ist Hans-Peter Kaiser zudem auf Märkten im Süden Brandenburgs unterwegs. „Allerdings bin ich ein Schönwetterhändler und fahre nur los, wenn es auch trocken ist“, berichtet er. Denn Regen vergraule nicht nur potenzielle Kunden, sondern schadet auf Dauer auch den Körben.

Wie lange es seinen Betrieb noch geben wird, kann Hans-Peter Kaiser nicht sagen. Noch vielmehr stimmt es ihn aber traurig, dass allmählich ein komplettes Handwerk ausstirbt. „Natürlich kann man all die Fähigkeiten in Büchern und auf Fotos festhalten, aber dadurch lebt die Tradition trotzdem nicht weiter“, sagt Kaiser. Er fordert von der Politik Maßnahmen, die es den seltenen Berufen ermöglichen, weiter zu existieren. „Wenn nichts passiert sind wir irgendwann nur noch ein Museum“, sagt Kaiser.

Von Danilo Hafer

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