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Teltow-Fläming Ein Mann kämpft gegen den Müll
Lokales Teltow-Fläming Ein Mann kämpft gegen den Müll
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10:29 22.02.2018
Philipp Quella aus Mahlow sammelt Müll, den seine Mitmenschen in die Landschaft werfen und hat eine Facebook-Gruppe für Gleichgesinnte gegründet.
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Mahlow

Schreibblock, Stift und Kamera – das sind die üblichen Utensilien für Reporter. Philipp Quella fordert mehr. „Handschuhe und Beutel nicht vergessen“, schreibt er in seiner E-Mail. Gesagt getan. Dazu packe ich eine Greifzange ein, die das Bücken erspart.

Es ist Sonnabendmittag an der Ecke Beethoven- und Richard-Wagner-Straße in Mahlow. Auf den ersten Blick wird klar: hier gibt es richtig viel zu tun. Seit dort die Umleitung für die Baustelle am Zossener Damm entlang führt, stapelt sich der Müll am Straßenrand. Autofenster auf, Müll raus. „Irgendwann wollte ich nicht mehr mit ansehen, wie meine Umgebung verkommt“, sagt Philipp Quella, der im benachbarten Musikerviertel wohnt.

Frische Brötchen und Müllsammeln gehören zum morgendlichen Ritual

Der 35-Jährige sammelt auf, was andere in die Landschaft werfen. Vor ein paar Wochen fing er damit an und nahm sich auf dem morgendlichen Weg zum Bäcker eine Stofftasche mit. Als er zu Hause ankam, brachte er nicht nur frische Brötchen sondern einen ganzen Beutel voll Müll mit. Der 35-Jährige wirkt nicht wie ein Weltverbesser. „Ich möchte einfach nicht, dass der Ort, in dem ich lebe, verkommt“, sagt er.

Gemeinsam schreiten wir durch das verdörrte Gras auf dem Feld entlang der Richard-Wagner-Chaussee. Man kann kaum einen Schritt gehen, ohne auf Müll zu treten. Silvester-Überbleibsel liegen dort genauso wie die Reste von Sauf-und Fressgelagen. Schon nach wenigen Minuten taucht die Frage auf, ob es überhaupt Menschen gibt, die ihre Kaffeebecher ordnungsgemäß entsorgen und wie Putzschwämme auf einen Acker gelangen. Ein leuchtend pinkfarbenes benutztes Kondom im Gras sorgt für Kopfschütteln. „Manchmal ist es zum Verzweifeln“, sagt Philipp Quella.

Auf Facebook sucht Philipp Quella Mitstreiter

Mit der Wut über seine Mitmenschen wollte er irgendwann nicht mehr alleine sein und gründete auf Facebook eine Gruppe mit dem Titel „Schönes sauberes Blankenfelde-Mahlow“. Die Mitglieder posten Bilder ihrer Ausbeute. „Ich finde es gut, wenn andere Leute es mir nachmachen“, sagt er. Auch so mancher Autofahrer hebt den Daumen und ruft ein „Find ich gut“ durchs geöffnete Fenster. Immerhin: außer netter Worte fliegt in dieser Zeit nichts aus den Autos.

Mühsam arbeiten wir uns voran. Mancher Müll ist im Boden festgefroren. Die vielen Glasflaschen lassen den Plastiksack gefährlich schwer werden. Doch die Arbeit spornt an. Wie ein eifriger Vogel pickt die Greifzange den Unrat aus dem Gestrüpp. „Manchmal“, sagt Quella, „komme ich mir komisch vor, wenn Leute mich sehen, wie ich Müll aufsammle.“ Dabei sollten sich eigentlich diejenigen schämen, die ihren Müll in die Landschaft schmeißen. „Mich nervt der Egoismus der Leute, die denken, irgendwer wird ihren Müll schon wegräumen.“ Und wo schon etwas ist, haben viele Menschen offenbar keine Skrupel, ihren Müll dazu zu tun.

Mehr Unterstützung durch die Gemeinde gewünscht

Beim gemeindlichen Frühjahrsputz möchte er mitmachen, obwohl er davon nicht viel hält. „Aktionismus“, sagt er. Einmal im Jahr den Müll zu sammeln, reiche nicht. Er würde sich wünschen, dass die Gemeinde ihn und seine Mitstreiter regelmäßig unterstützt, etwa indem sie den gesammelten Müll einsammelt. Den entsorgt der Mahlower in seiner eigenen Tonne, die mittlerweile mehr fremden als eigenen Abfall aufnimmt.

Nach einer Stunde sind ein großer Sack und ein Stoffbeutel bis zum Bersten gefüllt. Der Wut über das Verhalten vieler Mitbürger weicht der Stolz darüber, die eigene Umgebung ein bisschen schöner gemacht zu haben. „Das ist ein gutes Gefühl“, sagt Philipp Quella. Vor allem aber müssten junge Leute lernen, dass man seinen Müll nicht überall fallen lässt. Unter seinen Facebook-Mitstreitern ist längst ein Wettbewerb geworden, wer den meisten Müll findet. „Das spornt an“, sagt er. Er habe das selbst erlebt. Seine Freundin, die ihn anfangs belächelt hat, geht mittlerweile nicht mehr ohne Stoffbeutel vor die Tür.

Von Christian Zielke

Eine grüne Gemeinde möchte Blankenfelde-Mahlow sein. So steht es im Leitbild, doch in der Realität ist das gar nicht so einfach. Vor allem die für den Ort typischen Alleen haben es schwer, weil Gas-, Wasser- und Stromversorger keine Straßenbäume auf ihren Leitungen haben wollen.

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