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„Ein Miteinander statt ein Gegeneinander“

Religion in der Region: der Islam „Ein Miteinander statt ein Gegeneinander“

Gespräch mit Imam Kamal Mohamad Abdallah, der Erste Vorsitzende des Potsdamer Moscheevereins, über die Rolle des Islam in der Region. Der 47-Jährige kam 1990 in der ehemaligen DDR an und ist fünffacher Familienvater.

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Imam Kamal Mohamad Abdallah in der Potsdamer Moschee.

Potsdam. Imam Kamal Mohamad Abdallah ist der Erste Vorsitzende des Potsdamer Moscheevereins. Der 47-Jährige kam 1990 in der ehemaligen DDR an und ist fünffacher Familienvater. Der gelernte Eisenschmid kommt jeden Tag ehrenamtlich in die Moschee.

Herr Abdallah, die Al Farouk Moschee in Potsdam ist die einzige in ganz Brandenburg. Wie viele Muslime kommen regelmäßig zu Ihnen?

Abdallah : Sehr viele, inzwischen stoßen wir an die Grenzen des Machbaren. Beim Freitagsgebet versammeln sich hier inzwischen 250 Leute und noch einmal 250 beten aus Platzgründen außerhalb. Wir brauchen dringend neue Räumlichkeiten. Aus diesem Grund haben wir uns auch schon an die Stadt Potsdam gewandt, aber es ist noch nichts in Aussicht. Ich möchte, dass alle zusammen ihren Glauben praktizieren können und man dadurch ein Auge auf alle hat. Beim Ramadan-Zuckerfest werden auch Frauen und Kinder, insgesamt dann etwa 700 Leute, in der Moschee sein. Noch vor drei Jahren kamen höchstens 150 Gläubige zu uns.

Woran liegt das?

Abdallah : An der steigenden Anzahl der Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan oder dem Iran. Insgesamt kommen Muslime aus 40 verschiedenen Ländern zu uns. Die Flüchtlinge wohnen oft in kleinen Orten in den Landkreisen um Potsdam herum, unter anderem auch in Teltow-Fläming. Viele von ihnen wollen gerne in die Landeshauptstadt ziehen, weil es dort Arbeit gibt.

Sicherlich können nicht alle regelmäßig die Moschee besuchen.

Abdallah : Nein, das geht oft wegen der Deutsch- und Integrationskurse nicht. Die meisten beten für sich. In den Heimen ist es manchmal möglich, dass Gläubige das Freitagsgebet zusammen praktizieren. Ich besuche auch die Heime, vermittle und gebe Islam-Seminare.

Also gibt es keinen Zwang, in die Moschee zu gehen?

Abdallah : Nein, das gibt es nicht, jeder ist für sich selbst verantwortlich. Wenn die Leute so weit weg wohnen, ist es natürlich in Ordnung, wenn sie in den Heimen zusammen in einem Versammlungsraum beten und nicht extra nach Potsdam reisen. Aber diejenigen, die hier in der Nähe sind, sollten ihre Pflicht einhalten und mindestens am Freitag in die Moschee kommen. Insgesamt wird fünf Mal am Tag gebetet: Morgens, mittags, nachmittags, abends und nachts.

Sind denn schon Probleme aufgetreten, was radikalere Gesinnungen angeht?

Abdallah : Es gab bisher keinen Fall von radikalen Muslimen bei uns. Wir versuchen, Problemen vorzubeugen, bevor sie entstehen. Der Schlüssel ist die Sprache. Wir wollen Menschen, die hier herkommen, motivieren, die deutsche Sprache zu lernen und Werte vermitteln. Wenn wir etwas Auffälliges entdecken, würden wir zunächst mit diesen Personen sprechen und im Notfall auch die Behörden einschalten. Um ihren Glauben auszuüben, kommen die meisten Muslime aus Potsdam und Umgebung hier her. Ich kenne die Gemeinschaft schon seit Jahren.

Um welche Werte geht es Ihnen vor allem?

Abdallah : Unsere Ansichten sind im Grunde genommen nicht weit weg vom Christentum: Kein Ehebrechen, Menschen respektvoll behandeln und ihnen keinen Schaden zufügen, Vertrauen bewahren, das Wort einhalten, nicht klauen, nicht töten, auf seinen Nachbarn aufpassen.

Sind Sie offen für Besucher und Nicht-Muslime in der Moschee?

Abdallah : Auf jeden Fall, das ist uns besonders wichtig. Wir wollen uns nicht abschotten. Wir klären die Leute auf, dass zum Beispiel die Terrormiliz nichts mit dem Islam zutun hat. Ich erkläre, dass sie keine Angst haben brauchen und predige auf Deutsch und Arabisch. Auch viele Schulklassen kommen zu Besuch.

Sie sehen die Moschee also als eine Art Begegnungsstätte?

Abdallah : Ja, wir wollen in Zukunft auch Sportveranstaltungen für Jugendliche anbieten und brauchen dringend mehr Platz für Seminare und Computerkurse. Wichtig ist uns, einen Dialog statt einen Angriff zu schaffen, ein Miteinander statt ein Gegeneinander. Für mich ist die Moschee auch ein Kulturzentrum. Wir bieten hier Deutscheinstiegskurse an und ich begleite Flüchtlinge bei Behördengängen oder mache Drogenberatung. Wir bekommen sehr viele Anfragen für Hilfestellungen. Es gibt auch muslimische Frauen, die hier andere Frauen treffen wollen, aber im Moment ist das schwierig. Einige fühlen sich unwohl, wenn so viele Menschen an einem Platz versammelt sind.

Kommen auch Deutsche zu Ihnen, die zum Islam konvertiert sind?

Abdallah : Ja, manche fragen danach und wir führen die Konvertierung durch. Vor kurzem war ein Potsdamer hier, der sich schon länger intensiv mit verschiedenen Glaubensrichtungen beschäftigte und auch im Koran las. Auch eine Frau ist kürzlich konvertiert. Um Moslem zu werden, muss man keine Prüfung ablegen, es gibt keinen Vermittler. Man kann direkt mit Gott kommunizieren.


Von Melanie Höhn

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