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Teltow-Fläming Ein Praxistag über die Artenvielfalt
Lokales Teltow-Fläming Ein Praxistag über die Artenvielfalt
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00:18 05.06.2017
Wildkräuter für Wildbienen und andere Insekten. Christian Schmid-Egger berichtet von gelungenen Renaturierungsmaßnahmen. Quelle: FOTO: Hartmut F. Reck
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Klein Schulzendorf

Erst kamen die Politiker vom Bundestagsausschuss für Agrar und Ernährung am Montag aus Berlin nach Klein Schulzendorf, am Donnerstag folgten Vertreter aus Landwirtschaft, Agrarverwaltung, Natur- und Umweltschutz. Sie sollten und wollten sich bei der Agrargenossenschaft Trebbin (AGT) Beispiele gelungener Maßnahmen zur Bewahrung und Erweiterung der Artenvielfalt (Biodiversität) ansehen. Zu diesem Praxistag hatte der Chemiekonzern und Planzenschutzhersteller BASF aus Ludwigshafen eingeladen, der ein bundesweites Netzwerk mit 52 Landwirtschaftsbetrieben aufgebaut hat mit dem Ziel, biodiversitätsfördernde Maßnahmen in der Agrarlandschaft zu erproben und dies Landwirten und Politikern nahezubringen.

Landwirtschaft braucht Artenvielfalt

„Eine moderne Landwirtschaft braucht Artenvielfalt“, betonte Markus Röser von BASF, deshalb versuche man einen ganzheitlichen Beratungsansatz zu entwickeln und nicht nur seine Pflanzenschutzmittel zu verkaufen. Es soll gezeigt werden, wo und wie sie gezielt und schonend eingesetzt werden können. So sollen etwa Wildkräuter nur dort wachsen, wo sie keinen Schaden anrichten, also auf Blühstreifen am Rande von Getreidefeldern statt mittendrin. Dies vor allem mit Rücksicht auf Insekten, Bienen, Spinnen und Vögel, die aufgrund fehlender Lebensgrundlagen durch die Landwirtschaft vertrieben oder dezimiert wurden.

Farmnetzwerk-Berater Mathias Gerber erläutert die Zusammenstellung der Wildkräuter auf einem Blühstreifen. Quelle: Hartmut F. Reck

Seit Anfang vergangenen Jahres gehört auch die AGT zu dem von BASF initiierten „Farmnetzwerk Nachhaltigkeit“. „Uns war wichtig“, sagt AGT-Betriebsleiter Thomas Gäbert, „dass wir bei diesem Projekt immer selbst entscheiden können und unsere Produktion nicht eingeschränkt wird.“ Sicherlich bedeute diese Maßnahmen einen Mehraufwand an Arbeit und auch an Kosten – zumal die Anlage von Blühstreifen in Brandenburg nicht gefördert wird. Da man aber hinter der Idee stehe, investiere man schon jetzt in Maßnahmen und Technik, die irgendwann ohnehin gesetzlich gefordert werden dürften. So sorge die AGT neben der Anlage und Pflege von Blühstreifen und Vermehrungshabitaten auch für Feldlechenfenster, wo also an mehreren Stellen auf dem Feld nicht ausgesät wird, um den Bodenbrütern einen Lebensraum zu gewähren. „Damit konnte woanders schon die Zahl der Jungvögel verdreifacht werden“, berichtete Farmnetzwerk-Berater Mathias Gerber von der BASF. „Wir haben auch 80 Nisthilfen aufgehängt für Vögel aller Größen und Brachflächen bearbeitet, um Insekten gute Wohnbedingungen zu schaffen“, so Gäbert. Auch arbeite man mit sieben Imkern eng zusammen.

„Wir stehen vor einem dramatischen Rückgang der Arten“

Auf einem mit Wildkräutern angelegten Blühstreifen zwischen Roggenfeld und Waldrand erläuterte Wildbienen-Experte Christian Schmid-Egger, wie schwierig es ist, künstliche Landschaften wieder natürlich zu gestalten. Dank der Blühstreifen sei es nachweislich gelungen, die Arten und Zahlen der Bienen wieder deutlich zu steigern. Leider würden bei solchen Maßnahmen von der Agrarverwaltung oft mehr Kontrolleure als – wenn überhaupt – Berater eingestellt. „Wir stehen vor einem dramatischen Rückgang der Arten“, warnte der Experte, „deshalb dürfen wir keine zehn Jahre warten, bis alles mit der Verwaltung ausdiskutiert ist!“

Von Hartmut F. Reck

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