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Ein Roman, der bei Trebbin spielt

Urs Faes liest Ein Roman, der bei Trebbin spielt

Der Schweizer Schriftsteller Urs Faes kehrte am Wochenende nach Trebbin zurück. Dort und in Ahrensdorf hatte er für seinen Roman „Sommer in Brandenburg“ recherchiert, der im Hachschara-Landwerk Ahrensdorf im Sommer 1938 spielt. Dort wurden jüdische Jugendliche für ein Exil in Palästina vorbereitet. Die meisten von ihnen entkamen rechtzeitig dem Holocaust.

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Der Schweizer Autor Urs Faes liest aus „Sommer in Brandenburg“.

Trebbin. „Dorfkirchensommer – was für ein wunderschönes Wort!“ Der aus Zürich in der Schweiz angereiste Schriftsteller gerät ins Schwärmen. Als Freund der deutschen Sprache, als Experte ausgefeilter Formulierungskunst, als Kenner des gekonnten Satzbaus und Könner zutreffender Beschreibungen findet er diesen Begriff Dorfkirchensommer nicht nur schön, sondern auch alles, was damit verbunden ist, „vorbildhaft“. Vor Urs Faes’ Lesung aus seinem Roman „Sommer in Brandenburg“ hatte die Mitinitiatorin der Veranstaltungsreihe „Dorfkirchensommer“, Kara Huber, erläutert, was man damit seit 20 Jahren bezweckt: Kultur in die Dorfkirchen bringen und damit ihre Bedeutung für das gesellschaftliche und kulturelle Leben auf dem Lande verdeutlichen.

Roman spielt in Hachschara-Stätte in Ahrensdorf

Nun ist Trebbin kein Dorf und die Sankt-Marien-Kirche keine Dorfkirche, man hat diesen Ort aber bewusst gewählt, weil Faes’ Roman hier und vor allem bei Ahrensdorf unweit von Trebbin spielt. Dort befand sich im vormaligen Jagdschlösschen von 1936 bis 1941 eine Hachschara-Stätte, in der jüdische Jugendliche vor ihrer Ausreise nach Palästina in landwirtschaftlichen Fertigkeiten unterwiesen wurden. Auf diese Weise sind 246 von 300 jungen Menschen vor dem Zugriff des heraufziehenden Holocaust gerettet worden. Wer es bis zur Auflösung der Hachschara durch die Nationalsozialisten nicht geschafft hatte, offiziell auszureisen oder illegal zu fliehen, wurde in Konzentrationslager gebracht, wo die meisten ermordet wurden.

Theaterstück in Brandenburg/Havel geplant

Der Roman „Sommer in Brandenburg“ von Urs Faes soll voraussichtlich in der nächsten Spielzeit vom Brandenburger Theater auf die Bühne gebracht werden.

Die Produktion steht unter der Schirmherrschaft des SPD-Bundestagsabgeordneten und Bundesaußenministers Frank-Walter Steinmeier.

Das Buch ist bei Suhrkamp inzwischen auch als Taschenbuch erschienen.

Genaue Recherche

Der promovierte Historiker Urs Faes hat die Geschichte der Hachschara in Ahrensdorf genau recherchiert. Große Hilfe erhielt er dabei von Herbert Fiedler aus Luckenwalde, den er seinen „Navigator“ nennt, weil der die Hachschara-Geschichte bereits detailliert aufgearbeitet hatte. Fiedler, nunmehr über 90 Jahre alt und gerade von einer schweren Krankheit genesen, ließ es sich nicht nehmen, zur Lesung nach Trebbin zu kommen und die literarische Umsetzung des gemeinsamen Themas zu würdigen.

Wichtige Rolle der Landschaft

Faes konzentrierte sich darauf, Auszüge aus seinem vor zwei Jahren erschienenen Roman zu lesen, die einen direkten örtlichen Bezug zu Trebbin und Ahrensdorf haben. Etwa die Ankunft auf dem Trebbiner Bahnhof und die Fahrt mit der Kutsche bis nach Ahrensdorf oder die Beschreibung des Grundstücks des dortigen Landwerks mit dem Tomatenberg, dem kleinen See und dem Wäldchen, in das sich das Liebespaar, um das es in dem Roman hauptsächlich geht, gern zurückzog. Berührend schildert Faes nicht nur die Gefühle von Lissy und Ron, sondern auch ihre Umgebung und vor allem die Landschaft der Nuthe-Nieplitz-Niederung, die es dem Schweizer mit Alpenblick angetan hat.

Anschließend signierte der Autor im Pfarrgarten seine Bücher. Einer, der dies auf gar keinen Fall verpassen wollte, war Ulrich Brömme aus Trebbin. Er hatte das Buch von einer Bekannten aus der Schweiz geschenkt bekommen und war überrascht, dass die Handlung ausgerechnet in seiner Stadt spielt.

Von Hartmut F. Reck

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