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Ein Zuhause für verstoßene Tiere

Hospiz in Sperenberg Ein Zuhause für verstoßene Tiere

Tiere aus Versuchslaboren, Tiere, die schwer krank sind und all jene, die keiner mehr will – ein Ehepaar aus Sperenberg kümmert sich um die Verstoßenen und gibt ihnen ein Zuhause. Aus Tierliebe hat es sie von der Großstadt ins Dorf gezogen. Doch die Finanzierung wird immer schwieriger. Wie lange können sie noch helfen?

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Auf dem Hof können die Hunde frei herumtollen.

Quelle: Anne-Kathrin Fischer

Sperenberg. Dass sie einmal Tieren helfen wird, das stand für Beate Busse Bequet immer fest. Schon als sie in einer Tierklinik arbeitete, suchte sie nach neuen Besitzern für kranke Tiere, die dort abgegeben wurden. Selbst hatte sie damals nur Katzen – alle aus dem Tierheim, alle alt und krank, kurzum: schwer vermittelbar. Als berufstätige Übersetzerin für medizinische Terminologie hatte die 72-Jährige aber keine Zeit für Hunde. Mittlerweile besitzt sie insgesamt sieben Katzen, zwölf Hunde und drei Minischweine.

Aus Tierliebe von der Großstadt ins Dorf

„Sobald ich in Rente ging, wollte ich auch Hunde haben“, erzählt Beate Busse Bequet, während eine braun getigerte Katze auf ihrem Schoß schnurrt und eine Beagle-Hündin ihr um die Beine streicht. Doch in der Wohnung in Berlin-Zehlendorf war dies nicht möglich. Nach mehr als zwei Jahren Suche stießen sie und ihr Mann Nicholas Bequet im Jahr 2000 auf ein geeignetes, gut 15 000 Quadratmeter großes Grundstück in Sperenberg. Hier erfüllte sich das Ehepaar einen Traum: einen Gnadenhof für Tiere. Zwölf Katzen zogen mit nach Sperenberg – dann kam der erste Hund. „Ein kleiner, hässlicher, schwarzer Hund, den keiner haben wollte“, sagt Beate Busse Bequet und lacht, „er lebte im Tierheim Berlin und ich dachte immer: Irgendwann stirbt er da.“ 13 Jahre war der Cockerspaniel-Mix damals alt – auf dem Hof in Sperenberg lebte er dann noch sechs Jahre. „Das Problem bei alten Tieren ist, dass sie niemand mehr will, unter anderem, weil die Tierarztkosten sehr hoch sind“, weiß die Tierliebhaberin. „Dabei haben gerade diese Tiere es besonders verdient, ein liebevolles Zuhause zu finden.“ Und dieses gibt sie ihnen nun.

Nicholas Bequet spielt mit den einst verstoßenen Tieren

Nicholas Bequet spielt mit den einst verstoßenen Tieren.

Quelle: Fischer

Dem Tode schon so nah

Über die Jahre zogen weitere Tiere mit einem schweren Schicksal auf den Hof in Sperenberg. Etwa Edjaah, ein Ariegeois-Mix, der aus einer Tötungsstation in Frankreich gerettet wurde und bei seiner Ankunft so dünn war, dass sich bereits alle Knochen abzeichneten. Und Foxhound Ben, der eigens für Tierversuche gezüchtet wurde und dann mit drei Jahren befreit werden konnte. Jetzt lebt er seit acht Jahren bei den Bequets. Oder Jagdhund Otto, der mit einem verkrüppelten Vorderlauf geboren wurde und dann von seinen Besitzern in einer Tötungsstation abgeben wurde. „Für Otto ist es hier ideal“, sagt Beate Busse Bequet. „Für ihn wäre ein Leben an der Leine gar nicht denkbar, hier kann er rumlaufen, wie er will und sich jederzeit ausruhen.“

Beate Busse Bequet mit Jagdhund Otto

Beate Busse Bequet mit Jagdhund Otto.

Quelle: Fischer

Denn alle Hunde können sich auf dem weitläufigen Grundstück bewegen, wie sie wollen, gleichzeitig haben sie jederzeit Zugang zum Haus und ein eigenes Körbchen im Schlafzimmer der Tierfreunde. „Jedes Tier braucht seinen Freiraum und muss die Möglichkeit haben, sich im Haus zu bewegen wie in einer Familie.“

Tiere werden nicht mehr vermittelt

Vermittelt werden die Tiere nicht mehr – das unterscheidet den Gnadenhof ganz klar von einem Tierheim. Auch wenn das viele nicht verstehen. „Erst vorhin bekam ich einen Anruf, ob ich 15 Kaninchen aufnehmen kann“, erzählt Beate Busse Bequet. Aber das kann sie nicht, das ist auch nicht der Sinn ihres Hofes. „Wir nehmen hier alle kranken, in Not geratenen Tiere auf, die dann bis zu ihrem Lebensende bleiben.“

Auch viele Katzen leben auf dem Gnadenhof

Auch viele Katzen leben auf dem Gnadenhof.

Quelle: Fischer

Erst im Juli kam mit der Beagle-Hündin Cera ein neuer tierischer Mitbewohner auf den Hof. Die aufgeweckte Hündin lebte zuvor bei einer berufstätigen Frau aus der Region, die Cera abgeben musste, da sich die Nachbarn über das Gebell beschwerten. Aber das war nicht der einzige Grund: Ein großer Tumor am Bein, Leberschaden und ein Blasentumor – für die Behandlung hatte Ceras Frauchen kein Geld. In solchen Fällen ist Beate Busse Bequet zur Stelle. Mittlerweile tobt Cera ausgelassen mit den anderen Hunden über den Hof, nur eine Narbe erinnert noch an den riesigen Tumor, der in einer Spezialklinik in Berlin entfernt wurde. Gut 1000 Euro kostete die Behandlung.

Nachdem der Tumor entfernt wurde, fühlt Cera sich pudelwohl

Nachdem der Tumor entfernt wurde, fühlt Cera sich pudelwohl.

Quelle: Fischer

Spendenfinanzierung: Zukunft ungewiss

„Der Hof finanziert sich nur über Spenden und Patenschaften“, sagt Beate Busse Bequet. Nach einem Schlaganfall im Jahre 2009 ist auch ihr Mann Nicholas Bequet frühverrentet. Seit sein Einkommen wegfällt, wird es für den Hof immer schwieriger. „Wir wissen nicht, wie lange wir den Tieren hier noch helfen können.“

2007 gründete das Paar einen Verein, die „Tieroase am Regenbogen“. Damit sind sie nun als gemeinnützig anerkannt und können auch Spendenquittungen austeilen. Schon bevor Beate Busse Bequet den Gnadenhof hatte, war sie in einer Tierschutzorganisation tätig, die sich um die Vermittlung von Tieren aus Versuchslaboren kümmerte. Das macht sie noch immer – nebenbei. Kälber, Schafe, Schweine, solche Tiere hat sie schon an passende Gnadenhöfe vermittelt. Nur die drei Minischweine, die frei mit den Hunden herumlaufen, hat sie behalten.

Aufopfern für die Tiere – auch ohne Urlaub

Viel Freizeit bleibt bei einem solchen Leben nicht. Wenn die beiden wegfahren, dann immer nur für ein paar Stunden. „Man muss so eine Sache schon ernsthaft betreiben“, findet Beate Busse Bequet. „Wir stehen jeden um 5.30 Uhr auf“, sagt Nicholas Bequet. Dann geht es erst mal ans Waschen der Hundedecken, die Wiesen werden vom Kot befreit, alle Tiere bekommen ihr Essen. Manche Tiere benötigen etwas mehr Aufmerksamkeit – so wie derzeit Kiki. Die kleine braune Hündin liegt im Sterben. Nun döst sie den ganzen Tag in der Küche, da sie inkontinent ist, muss ihr Bett mehrmals täglich gemacht werden. Und die Betreiber des Hofes schauen möglichst oft nach ihr, reden ihr gut zu und streicheln sie.

Drei Minischweine haben auf dem Hof ein Zuhause

Drei Minischweine haben auf dem Hof ein Zuhause.

Quelle: Fischer

So sehr sie den Beruf liebt, wenn eines der Tiere stirbt, ist das für Beate Busse Bequet immer schwierig. „Das ist für mich das Schlimmste, wenn es an den Abschied geht.“ Oder wenn eines der Tiere nicht auf dem Hof sterben darf, sondern eingeschläfert werden muss. Doch die meisten Zöglinge, die die beiden aufnehmen, sind zwar schwer krank – durch die liebevolle Behandlung bleiben ihnen aber noch einige schöne Jahre auf dem Gnadenhof.

Von Anne-Kathrin Fischer

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