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Teltow-Fläming Ein ehrenwertes Haus
Lokales Teltow-Fläming Ein ehrenwertes Haus
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14:27 10.01.2017
Wohl eines der schönsten Mehrfamilienhäuser in der Region: 1824 ließ die Familie von dem Knesebeck das Gutshaus in Jühnsdorf errichten. Mittlerweile leben dort fünf Familien. Quelle: Christian Zielke
Jünsdorf

Wenn es der großen Politik zuviel wird, dann geht sie aufs Land. Die Bundesregierung leistet sich für grundsätzliche Fragen ein Schloss in Meseberg, 70 Kilometer nördlich von Berlin. Bereits im 19. Jahrhundert suchte Leo von dem Knesebeck die Abgeschiedenheit seines Dienstsitzes in Jühnsdorf. Er war von 1853 bis 1862 Landrat des Kreises Teltow, der damals noch von Charlottenburg, das heute mitten in Berlin liegt, bis an die Grenze zur Niederlausitz reichte. Leo von dem Knesebeck wird ein guter Draht zu den Menschen nachgesagt. Den Konflikt mit der preußischen Krone soll der Adlige nicht gescheut haben. Sogar von Sympathien für die Revolution von 1848 ist die Rede.

Insofern ist es nur konsequent, dass das Gutshaus der Familie von dem Knesebeck seit 20 Jahren in bürgerlicher Hand ist. Ursula Münstermann und ihr Ehemann Jürgen Laartz haben das Gebäude 1996 vom Kreis Teltow-Fläming erworben. Mit dem Geld aus dem Erlös des einstigen Dienstsitzes des früheren Kreises Teltow wollte man zumindest einen Teil des neuen Verwaltungssitzes für den Kreis Teltow-Fläming finanzieren.

Besonderes Mieter-Vermieter-Verhältnis: Hausbesitzerin Ursula Münstermann (v.M.) und Maren Wolter (v. l.) mit einigen der Hausbewohner. Quelle: Christian Zielke

Der Traum von der Gemeinschaft

Ursula Münstermann und ihr Mann wollten sich den Traum von der Gemeinschaft erfüllen. Zusammen mit vier Familien entschlossen sie sich, das Gutshaus in Jühnsdorf zu kaufen. Die 51-Jährige erinnert sich noch sehr gut daran, wie sie das erste Mal nach Jühnsdorf kam. Schon im Exposé hatte sie sich in das Haus verliebt. Als sie das erste Mal durch die Tür trat, das riesige Treppenhaus und die mit Holz vertäfelten Wände sah, da war es um sie geschehen. „Ich wusste sofort, dass es dieses Haus sein sollte.“ Nur drei Monate später, im März 1997, zog die Familie ein und begann sofort mit den Bauarbeiten.

An der Tafel im Erdgeschoss treffen sich die Hausbewohner zum Feiern. Schon die Knesebecks empfingen in diesem Raum ihre Gäste. Quelle: Christian Zielke

Im Gegensatz zu vielen anderen Gutshäusern, die in der DDR verfielen, stand das in Jühnsdorf nie leer. Dort befand sich eine Landwirtschaftsschule. „Der Zustand war gut“, sagt Ursula Münstermann. Dennoch war die Familie nicht vor Überraschungen gefeit. Im Keller machte sich der Hausschwamm über das Mauerwerk her, auf dem Dach verpestete das DDR-Holzschutzmittel Hyltox die Räume. Die Balken waren nicht mehr zu retten, mussten komplett erneuert werden. Bauarbeiten bestimmten jahrelang den Familienalltag. „Manchmal drehte sich der Betonmischer bis nachts um drei in der Küche“, erinnert sich Ursula Münstermann.

Schwierige Zeiten

Aus der geplanten Gemeinschaft wurde nichts. Den anderen Familien war das Gutshaus bald zu viel. Irgendwann saßen Ursula Münstermann, ihr Mann und die drei gemeinsamen Kinder allein auf der Baustelle mit 700 Quadratmetern Wohnfläche und mehr als fünf Hektar Land. Für die Ärztin und den Unternehmensberater brachen schwierige Zeiten an. Ihr Ziel, das Haus wieder zum Leben zu erwecken, hatten sie immer vor Augen. Und den Druck der Dorfgemeinschaft im Nacken, die sich für das .

Als Ursula Münstermann und ihr Mann das Haus 1996 kauften, war der Gutspark verwildert und das Haus sanierungsbedürftig. Quelle: privat

Der Traum von der Gemeinschaft erfüllte sich im Lauf der Jahre doch noch. Maren Wolter und Michael Fischer leben seit Dezember 2014 in einer der fünf Wohnungen. In ihrem Wohnzimmer befand sich einst das Herrenzimmer. Der Raum erstreckt sich über zwei Etagen, die Wände tragen dunkles Holz und der Blick aus dem Fenster fällt in den riesigen Park. Seit sie hier wohne, sagt Maren Wolter, vermisse sie das Meer nicht mehr. Das habe ihr, seit sie aus Schleswig-Holstein weggezogen ist, immer gefehlt. Das liege vor allem an den Mietern, die eine echte Gemeinschaft bilden. „Man achtet aufeinander, ohne dass es ein Zwang ist. Ich kann hier Kraft schöpfen“, sagt die Lehrerin. Man spüre den Geist des Hauses, und der seit typisch preußisch: offen, geradlinig und direkt.

Geschichte des Hauses

Friedrich-Wilhelm von dem Knesebeck
, Politiker in Preußen, kaufte 1823 das ehemalige Rittergut Jühnsdorf und errichtete ein Jahr später dort das Gutshaus.

Das Wohnhaus der Familie in Löwenbruch wurde verpachtet.

In den 1860er Jahren ließ der Landrat des

Seine heutige Gestalt erhielt das Haus 1907.

Nach dem Tod ihres Mannes im Ersten Weltkrieg verkaufte Elisabeth von dem Knesebeck das Haus 1919 an die Nordische Holzhandelsgesellschaft, die es 1926 an den Kreis Teltow verkaufte.

Während des Nationalsozialismus befand sich dort die rumänische Botschaft.

Von 1949 bis 1990 war im Haus ein Lehrlingswohnheim der Kreislandwirtschaftsschule untergebracht.

Die Besitzer achten bei der Auswahl der Mieter sehr genau darauf, wer in das Haus kommt. „Es muss passen“, sagt Ursula Münstermann. Für das Gefühl, in einem preußischen Herrenhaus zu leben, muss man in Kauf nehmen, dass man im Garten mit anpacken muss. Zum Ausgleich trifft man sich im Sommer auf der Terrasse oder im Winter an der großen Tafel im Erdgeschoss. Die Gesellschaft ist keinesfalls elitär: Koch, Kindergärtnerin, Architektin – Ursula Münstermann geht es um die Gemeinschaft, weniger um hohe Mieteinnahmen.

Wie dieses Bild auf einer Postkarte zeigt, befand sich auf dem Dach einst ein kleiner Turm. Dieser wurde bei einem Brand 1929 zerstört. Quelle: privat

Fluglärm zerstört die Idylle

Wirtschaftlich sei das Haus sowieso nie gewesen, sagt sie. Sie will nicht verraten, wie viel Geld sie und ihr Mann in den vergangenen 20 Jahren investiert haben. „Es ist ein Liebhaberobjekt, eine Herzensangelegenheit. Rendite war nie eine Überlegung“, sagt Ursula Münstermann. Noch immer sei sie verliebt in das Haus, auch wenn sie schon seit anderthalb Jahren nicht mehr dort wohnt. Seit 2015 die ersten Flieger von der Südbahn des Flughafens BER abhoben, war es mit der Ruhe in Jühnsdorf vorbei. Ein Vorspiel auf den späteren Flughafen. Ursula Münstermann und ihre Familie beschlossen, sich eine ruhigere Bleibe zu suchen. „Das mit dem Flughafen war wirklich gemein. Hätten wir gewusst, dass es so kommt, hätten wir das Haus nicht gekauft“, sagt sie.

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