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Ein „gepfuschtes“ Kunstwerk

Jüterboger Relief-Rätsel gelöst Ein „gepfuschtes“ Kunstwerk

Ein Relief mit Szenen aus dem alten Jüterbog hatte dem Leiter des Stadtmuseums Rätsel aufgegeben. MAZ-Leser bestätigen nun, dass die aufgefundene Gipstafel aus der Hand eines Jüterboger Werbegestalters stammt. Sie wurde Ende der Siebziger Jahre „gepfuscht“, was alles andere als eine Beleidigung ist.

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Claus Köhler besitzt ein weiteres Werk von Eckhard Tersch.

Quelle: Foto: Degener

Jüterbog. Ein „Unikat“ glaubte der Jüterboger Museumsleiter Norbert Jannek vor sich zu haben. Anonym kam das braune Gipsrelief mit Jüterboger Stadtszenen im Mai an das Museum, ab Sonntag wird es in einer Sonderausstellung mit Neuerwerbungen des Stadtmuseums erstmals gezeigt. Doch MAZ-Leser erkannten die mysteriöse, unsignierte Arbeit sofort und lösten jetzt die Frage nach der Herkunft: „Es gibt dieses und andere Reliefs nicht nur einmal. Ich schwöre, dass sie von Eckhard Tersch stammen“, sagt Claus Köhler und bestätigt damit zumindest Janneks These zum Urheber.

Köhler hat mit dem Werbegestalter Tersch seit den 1960ern in der Jüterboger Konsumgenossenschaft zusammengearbeitet und einige seiner Werke in seinem Besitz. Dasselbe Motiv wie im Museum bekam er 1978 zur Einweihung seines Hauses. Ein anderes, das einen Pferdemarkt vor dem Rathaus zeigt, hängt bis heute in der Arztpraxis seiner Frau.

„Das Relief wurde gepfuscht“ sagt Köhler und will den alten Freund Tersch und seine Werke damit nicht beleidigen. „So nannte man Arbeiten, die nach Feierabend gemacht wurden, um den Lohn aufzubessern. Das Material musste organisiert werden und meistens diente das Pfuschen der privaten Verschönerung des eigenen oder nachbarlichen Heimes“, beschreibt Köhler diese geduldete Schwarzarbeit in der DDR.

Von der Qualität des Reliefs schloss Jannek auf eine Arbeit für einen öffentlichen Ort, doch tatsächlich handelte es sich „um eine kleine Nebenproduktion für private Anfragen“, so Jannek. Es gibt aber auch öffentliche Werke von Eckhard Tersch. Direkt hinter dem Rathaus steht eine Stele mit einer ganzen Reihe von Reliefs mit Handelsszenen aus seiner Hand. Der Jüterboger Künstler schied vor einigen Jahren freiwillig aus dem Leben. Seine liebevoll „gepfuschten“ Tafeln erinnern nicht nur im Museum, sondern auch in vielen Privaträumen an ihn.

 Info: Die Ausstellung „Aus dem Fundus – Neuerwerbungen 2015“ ist im Stadtmuseum im Kulturquartier zu sehen, Eröffnung am Sonntag um 14 Uhr.

Von Peter Degener

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