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Ein neues Bild von Tetzel soll entstehen

Geschichtskonferenz in Jüterbog Ein neues Bild von Tetzel soll entstehen

Die erste Historikertagung von Jüterbog widmet sich ab Freitag der Wahrheit und den Legenden um den Prediger Johann Tetzel, der in der Flämingstadt durch seinen Ablasshandel den Anstoß zur Reformation 1517 gab. Kurz vor dem Reformationsjubiläum soll ein differenziertes Bild von Tetzel entstehen, der mehr war als nur ein „Agent des Antichristen“.

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Der Cranach-Altar wurde von Möbelrestauratoren wieder instand gesetzt.

Quelle: Peter Degener

Jüterbog. Kann man sich für nur acht Dukaten von einem Mord vor Gott freikaufen und trotz der schweren Sünde ewige Höllenqualen vermeiden? Reicht es, wenn die Münze im Tetzelkasten klingelt, um die Seele aus dem Fegefeuer springen zu lassen? Die Legenden um den Ablasshandel des Mönchs und Theologen Johann Tetzel, bei dem jede Sünde ihren Preis gehabt haben soll, zeichnen das Bild eines geldgierigen Mannes, der alles andere als ein frommer Dominikanermönch war.

Tetzel – Ablass – Fegefeuer

Auf der historischen Konferenz „Tetzel – Ablass – Fegefeuer“ soll am Freitag und Sonnabend im Mönchenkloster ein wissenschaftlich fundiertes Bild über jenen Mann entstehen, der Jüterbog zur „Stadt des Anstoßes“ gemacht hat. Denn es war Tetzels Ablasshandel, der Martin Luther zum berühmten Thesenanschlag provozierte – dem Beginn der Reformation.

Hartmut Kühne

Hartmut Kühne

Quelle: Köpcke

Die erste große Historikertagung in Jüterbog wird gemeinsam von der Stadt, der evangelischen Kirche und dem Institut für sächsische Geschichte und Volkskunde ausgerichtet. Der Theologe Hartmut Kühne aus Wandlitz und der Dresdner Professor Enno Bünz leiten die Tagung. „Wir wissen wenig über das praktische religiöse Leben vor der Reformation. Oftmals liest man nur Schlagworte wie ,Ablasshandel’, ohne dabei genau hinzuschauen“, sagt Kühne. Dabei sei dies ein „Kampfbegriff der Reformation“, den man genauer betrachten müsse.

Tetzel galt als „Agent des Antichristen“

Aus der Perspektive der Lutheraner wurde Martin Luther von Gott geschickt, um den Papst als Gegner Gottes und als Antichristen zu entlarven. „Tetzel ist nicht der Ordensmann und Universitätslehrer, sondern der Agent dieses Antichristen“, erklärt Kühne das vorherrschende Bild über den Prediger und Ablasshändler. „Diese Rolle wurde Tetzel schon im frühen 17. Jahrhundert zum ersten Reformationsjubiläum 1617 zugeschoben“, sagt der Theologe.

Wer war Johann Tetzel?

Der Mönch und Theologe Johann Tetzel lebte von etwa 1460 bis 1519. Als Ablassprediger zog er durch Sachsen, Süddeutschland und Österreich.

Die Einkünfte aus Ablassbriefen flossen in den Bau des Petersdoms in Rom sowie in die Taschen der jeweiligen Landesherren und Tetzels.

Ab 1516 war er „Kommissar“ für den Ablasshandel in den Bistümern Meißen, Halberstadt und Magdeburg. In diesem Zusammenhang ist sein Aufenthalt in Jüterbog nachgewiesen.

Tetzel starb 1519 an der Pest, sein Grab befand sich in der später zerstörten Leipziger Paulinerkirche.

Bevor das nächste Reformationsjubiläum im kommenden Herbst gefeiert wird, will Kühne mit der Tagung dafür sorgen, dass diese Propaganda von der Wissenschaft gerade gerückt wird. In Jüterbog soll ein völlig neues Bild der Person Tetzels entstehen. „Das letzte ernstzunehmende Buch über Johann Tetzel ist über 100 Jahre alt. Wir versuchen nun, ein möglichst vollständiges Bild seiner Person und seines Lebenswegs zu zeichnen und haben dafür Experten gewinnen können“, kündigt Kühne an. Die Ergebnisse der Tagung fließen in die große, gleichnamige Sonderausstellung ein, die im Herbst 2017 im Mönchenkloster stattfinden soll.

Cranach-Altar restauriert

Zur Eröffnung von „Tetzel – Ablass – Fegefeuer“ am Freitag um 15.30 Uhr im Mönchenkloster wird mit dem Cranach-Altar ein künstlerisches Schmuckstück aus der Nikolaikirche genauer betrachtet. Das Thema der Kunsthistorikerin Susanne Wegmann ist die Darstellung des Fegefeuers auf dem kürzlich restaurierten Altar.

Im weiteren Tagungsprogramm wird unter anderem geklärt, welche Aufgaben ein „Ablasskommissar“, wie Tetzel einer war, genau hatte oder wie die Ablasskampagnen ihr Personal rekrutierten. Insgesamt zehn Vorträge sind vorgesehen – nicht nur für Experten. Auch das Laienpublikum ist bei den Vorträgen willkommen. Obwohl es sich bei allen Referenten um ausgewiesene Wissenschaftler handelt, wünscht sich Kühne ein breites Publikum. Die Tageskarten für die Vorträge im Mönchenkloster kosten sechs Euro.

Kostenfreie Vorträge zum Auftakt und zum Abschluss

Zwei kostenfreie Vorträge finden in der Nikolaikirche statt: Am Freitagabend ab 19.45 Uhr wird der aus Jüterbog stammende Geschichtsprofessor Frank Göse von der Universität Potsdam über die Stadt Jüterbog um das 1500 referieren. Anschließend gibt es eine abendliche Führung durch die Kirche und die Altstadt. Der Abschlussvortrag von Tagungsleiter Hartmut Kühne findet ebenfalls bei freiem Eintritt am Sonnabend ab 16.30 Uhr in der Nikolaikirche statt. Kühne will darin erläutern, wie aus den historischen Quellen die bis heute verbreiteten Legenden um Tetzel entstanden sind. Zur Einstimmung auf das Konferenzfinale wird bereits um 16 Uhr Orgelmusik in der Kirche zu hören sein.

Von Peter Degener

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