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Ein unbeugsamer Arbeiter für Gott

Katholischer Pfarrer von Blankenfelde geht in den Ruhestand Ein unbeugsamer Arbeiter für Gott

Als Joachim Busl 1976 die katholische St.-Nikolaus-Gemeinde in Blankenfelde übernahm, war Deutschland noch geteilt. Dass es nicht mehr so ist, daran habe sein Chef, Papst Johannes Paul II., einen maßgeblichen Anteil gehabt, ist sich der 75 Jahre alte Geistliche sicher. Im November wird Busl seinen Ruhestand in Trebbin antreten.

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Der 75 Jahre alte Joachim Busl vor der St-Nikolaus-Kirche. Im November kommt sein Nachfolger.

Quelle: Zielke

Blankenfelde. In der Katholischen Kirche gehen die Uhren manchmal anders. Als Joachim Busl mit 65 ins offizielle Rentenalter kam, hatte er noch zehn Jahre Arbeit vor sich. Nun ist er 75 und seit dem 27. Juni offiziell im Ruhestand. Dennoch hält er jeden Sonntag die Heilige Messe in der Blankenfelder Kirche St. Nikolaus – wie er es seit fast 40 Jahren tut.

Am 31. Oktober soll endgültig Schluss sein. Zum 1. November übernimmt Steffen Karras die Pfarrstelle, die neben Blankenfelde auch für Ludwigsfelde und Trebbin zuständig ist. Sein Vorgänger Joachim Busl wohnt bereits im Gemeindehaus in Trebbin. Dass er noch bis Ende Oktober im Amt ist, verdankt er einer Sonderregelung, denn sein Nachfolger wird derzeit noch gebraucht – als Militärseelsorger bei der Bundeswehr. Weil es einfach zu wenige Priester im Erzbistum Berlin gibt, darf Monsignore Joachim Busl, den Titel verlieh ihm 2011 der deutsche Papst Benedikt XVI., weitermachen. Nach dem 1. November wird er kein Rentner sein, wie jeder andere. Wer sein Leben in den Dienst des Herrn gestellt hat, geht nicht irgendwann nach Hause und züchtet Rosen oder baut an der Modellbahnanlage. Joachim Busl will tun, was er immer getan hat: seinen Glauben leben, dem er, wie er sagt, alles im Leben zu verdanken hat. „Priester zu sein, ist kein Job, den man einfach macht“, sagt er. Dass er wie andere in seinem Alter nicht mit den Enkeln spielt, stört ihn nicht.

Schon früh wusste er, dass er sein Leben in den Dienst der Katholischen Kirche stellen möchte – mit allen Konsequenzen, also auch dem Zölibat. „Ich war überzeugt, dass ich den Ruf Gottes habe, so wie ein Mann spürt, dass diese Frau die Richtige fürs Leben ist“, sagt er. Als katholischer Christ in Ostberlin war er in seiner Jugend eine Minderheit. Dieses Gefühl hat ihn in seinem Glauben eher bestärkt in einem politischen System, das Religion immer argwöhnisch gegenüberstand. Als Sekretär des Kardinals Alfred Bengsch, der für Ost- und Westberlin zuständig war, kam Busl in den Genuss ins „nichtsozialistische Ausland“ reisen zu dürfen, ohne allzu viele Kompromisse mit dem DDR-System machen zu müssen. Dem stand er stets distanziert gegenüber. „Ich wollte nie der Genosse Pfarrer sein“, sagt er. Einmal, kurz vor einer Wahl, sei jemand vom Rat der Gemeinde zu ihm gekommen und habe ihn gefragt, ob er auch für den Frieden sei. „Ich habe ihm gesagt, dass ich nicht zur Wahl gehe“, erinnert sich Busl. Ein anderer habe ihm Erleichterungen bei Reisen in den Westen angeboten, falls er sich kooperativ zeigt. „Ich habe ihm dann gesagt, dass ich gerade aus Österreich zurückgekommen bin, damit hatte sich das erledigt“, sagt Busl. Die dutzenden Reisepässe aus dieser Zeit hat er sich bis heute aufgehoben. Dass er damals keine Kompromisse mit dem System gemacht hat, macht ihn bis heute stolz. „Unser Zentralkomitee ist in Rom“, sagt er bis heute und grinst.

1976 übernahm er die Blankenfelder St.-Nikolaus-Gemeinde. „Ich hatte keine Lust mehr auf Verwaltung. Ich wollte das Gemeindeleben mit Taufen und Eheschließen“, sagt er. Kurz zuvor bei einem Besuch in Blankenfelde hatte er dem Kardinal gesagt, dass er sich vorstellen könnte, dort Pfarrer zu sein. Daran hat dieser sich erinnert, als die Stelle frei wurde. „Nah an der Stadt und trotzdem im Grünen – besser kann man es kaum haben“, sagt Busl. Das Gemeindeleben war, wie er es sich seit dem Priesterseminar vorgestellt hatte. In der Wendezeit moderierte er mit seinem evangelischen Kollegen Hans Chudoba den Runden Tisch in Blankenfelde. „Wir waren von allen Seiten akzeptiert“, erinnert er sich. Dass es so kam, daran habe sein oberster Chef, Papst Johannes Paul II., einen entscheidenden Anteil gehabt. „Daran gibt’s gar keinen Zweifel“, sagt Busl. Der aus Polen stammende oberste Katholik habe die Ideologie des Sozialismus gekannt und geholfen, diese friedlich zu überwinden.

Der Mauerfall brachte nicht nur politischen Aufschwung, auch die katholische Gemeinde wuchs. Plötzlich zogen Menschen aus Westberlin und Westdeutschland in den wenig katholischen Osten. Bis heute hat sich die Zahl der Mitglieder auf mehr als 2000 etwa verdreifacht. „Unsere Kirche ist voll“, sagt Busl.

Um seine Zukunft und die der Kirche in der heutigen Zeit ist ihm nicht bange. „Die Kirche hat viele Systeme und Ideologien überstanden“, sagt Busl. Ihre Werte, dass der Mensch ein Geschöpf Gottes und seine Würde unteilbar ist, gelten bis heute. Für sich wünscht er sich vor allem Gesundheit und Zeit für Bücher, die er bisher nicht geschafft hat zu lesen.

Von Christian Zielke

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