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Ein zorniger Landwirt und der „grüne Terror“

Aufschrei aus Dahmeland-Fläming Ein zorniger Landwirt und der „grüne Terror“

Mais, Massentierhaltung, Pestizide: Die Landwirtschaft steht regelmäßig in der Kritik von Umweltverbänden, Naturschützern und Grünen. Der Ruhlsdorfer Landwirt Jürgen Kuhlmey mag das alles nicht mehr hören. Ein Ortsbesuch bei einem, der seinen Berufsstand diffamiert sieht.

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„Keine Spaßveranstaltung, keine Zirkusrevue“: Jürgen Kuhlmey, Geschäftsführer der Darkenhof Agrargesellschaft Ruhlsdorf, an seinem Kuhstall.

Quelle: Foto: Oliver Fischer

Ruhlsdorf. Mit Humor es immer so eine Sache: Ob er funktioniert, weiß man erst, wenn das Publikum lacht. Als Jürgen Kuhlmey vor einigen Wochen in der Zeitung einen Text über die „neuen Bauernregeln“ von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) las, lustig gemeinte Sprüche wie „Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein“, da lachte er nicht.

Kuhlmey, Geschäftsführer der Darkenhof Agrargesellschaft aus Ruhlsdorf, setzte sich stattdessen an den Rechner, tippte ein zweiseitiges Wutprotokoll, marschierte damit zum Bauerntag und ließ seinem Zorn in einem Maße freien Lauf, dass manche Anwesenden zusammenzuckten. „Die Ministerin zieht uns durch die Scheiße mit ihren primitiven Sprüchen“, schimpfte er. „Wer so mit Essen und Trinken umgeht und denen, die das produzieren, der sollte sich schämen.“

Eine Woche später sitzt Kuhlmey in seinem Büro bei Kaffee und Kuchen. Sein Ärger ist noch immer gewaltig, er wurde lange genährt und sitzt ziemlich tief. Er sei sonst keiner, der sich in die erste Reihe drängt, sagt Kuhlmey. Aber das, was die Politik da veranstalte, all das Gerede von der Vermaisung der Region, die ständige Kritik an der industrialisierten Landwirtschaft, die Diskussionen um Massentierhaltung, „der ganze grüne Terror“, wie Kuhlmey ihn nennt, das alles könne man so nicht machen. „Das ist Propaganda gegen die Landwirtschaft. Man stellt uns als Trottel der Nation hin.“ Und das wolle, Bauer Kuhlmey, sich nicht länger gefallen lassen.

Kuhlmey ist etwas über 60, ein großer, knorriger Mann, der seit einem Unfall beim Laufen schwankt. Er ist mit der LPG-Tier- und Pflanzenproduktion groß geworden. In der DDR war er Hauptökonom einer LPG in der Nähe von Brandenburg. In Ruhlsdorf führt er seit sieben Jahren die Geschäfte.

„Ohne uns wäre hier alles tot“

Unter seiner Leitung bewirtschaftet der Betrieb 800 Hektar, auf denen Getreide, Mais, Raps und Spargel wachsen. Die GmbH hält 600 Milchkühe, seit einem guten Jahr betreibt sie auch eine Biogasanlage. Das sei kein Spaß, sagt Kuhlmey. Der Bauernstand ernähre die Bevölkerung. Und es seien auch die Bauern, die Verantwortung für den ländlichen Raum übernehmen. „Ohne uns wäre hier alles tot. Es gibt ja nichts anderes mehr.“

Diese Einschätzung trifft auf die meisten der umliegenden Dörfer tatsächlich zu. Ruhlsdorf selbst ist immerhin noch Sitz der Gemeindeverwaltung Nuthe-Urstromtal, es hat eine Gaststätte und einige kleinere Betriebe. Viel los ist trotzdem nicht. Kultureller Höhepunkt neben der Barockkirche ist ein Gemälde mit Kühen, das jemand in ein Buswartehäuschen gepinselt hat. Es sollen Kuhlmeys Kühe sein, andere Landwirte gibt es im Dorf nicht. Kuhlmey: „Dafür sorgen wir schon.“ Der Darkenhof ist ortsbestimmend, daran besteht kein Zweifel.

Früher, als alles noch LPG war, da war die Verzahnung von Dorf und Betrieb noch stärker. Zwischen 50 und 60 Leute arbeiteten in den Ställen und auf den Feldern, fast alle kamen aus dem Dorf. Heute arbeiten die Dorfbewohner in Luckenwalde oder Berlin, die 13 Angestellten des Darkenhofs pendeln von auswärts ein. Dass der Betrieb im Dorf trotzdem angesehen ist, liegt an dem Veranstaltungsraum, den Kuhlmey für Dorfpartys zur Verfügung stellt, und daran, dass er im Herbst Hühnerfutter an die Ruhlsdorfer abgibt. Bauer Kuhlmey lässt sich im Ort sehen, er redet mit Leuten, macht Angebote, löst Probleme. Das ist Dorfpolitik, sagt er. Es gehört zum Job eines Landwirts dazu.

Mit jeder Kuh zwischen 700 und 1000 Euro Verlust

Dabei hätte er mit der eigentlichen Arbeit schon genug zu tun. Gerade läuft die Frühjahrsbestellung, die Bauern haben Gülle auf die Wiesen gefahren, Sommergetreide gedrillt, Folie auf Spargelfelder gespannt, der Mais muss in den Boden, von morgens halb vier bis abends um elf fällt Arbeit an. Und dann heißt es hoffen, dass das Wetter keine Kapriolen schlägt und die Preise besser sind als zuletzt. Im vorigen Jahr bekamen die Bauern fürs Getreide nur Kleckerbeträge, der Milchpreis war auch im Keller. „Wir haben mit jeder Kuh zwischen 700 und 1000 Euro Verlust gemacht.“ Da kann der Humor schon mal auf der Strecke bleiben.

Am Ende gehe es ums Geld. Ums Geld und ums Produkt. Die Gesellschaft müsse anerkennen, dass auch Bauern den Gesetzen der Marktwirtschaft unterliegen, sagt Kuhlmey. Wenn ihnen noch mehr Knüppel zwischen die Beine geworfen werden, dann werde ein Höfesterben einsetzen – mit Folgen für die ganze Gesellschaft.

Als größte Knüppelwerfer hat Kuhlmey die Grünen ausgemacht. Für ihn sind das Leute aus der Stadt, die Schals tragen, die mitreden wollen, aber keine Ahnung von dem haben, was auf dem Feld passiert. Diese Leute würden mit ihren Polemiken die Bevölkerung von der Landwirtschaft entfremden, sagt Kuhlmey. Man erkenne das daran, dass heute anders als früher keine Schulklassen und Kindergartengruppen mehr in den Betriebe kommen. Und wenn doch mal ein Kind kommt, dann schwinge es altkluge Reden über Massentierhaltung.

Dabei hat der Darkenhof erst vor einigen Jahren seine Ställe modernisiert. Es gibt dort Tiefställe, die Kühe liegen auf Stroh, sie können sich frei bewegen und kommen regelmäßig auf die Weide. „Den Kindern wird einfach beigebracht, dass Landwirtschaft etwas Schlechtes ist, aber dass der Beruf hoch komplex und wichtig für die Menschen ist, das sagt keiner“, schimpft Kuhlmey.

Kuhlmey sieht sich persönlich diffamiert

Es ist ein bisschen wie bei den Jägern und den Soldaten. Auch deren Image verschlechtert sich, je besser die Zeiten sind. Jürgen Kuhlmey sieht sich persönlich als Umweltsünder und Tierquäler diffamiert. Dabei habe sich doch in den vergangenen 25 Jahren viel geändert. Die Bauern sparen Diesel, sie verspritzen weniger Pflanzenschutzmittel, sie versprühen die Gülle nicht mehr, sondern ritzen sie in den Boden. Das sei auch gut so.

Aber jetzt soll er noch auf die Wölfe Rücksicht nehmen, die seine Kälber töten? Auf Vögel, die angeblich keine Würmer mehr finden, weil Spargelfelder mit Folie bedeckt sind? Auf Sümpfe und Heidelandschaften, die es vor 200 Jahren mal gab? Träumerei sei das, sagt Kuhlmey. „Wenn die Piepmätze wegen der Folie keinen Lebensraum mehr haben, dann müssen sie sich einen neuen suchen.“ Und wenn der Wolf für Mensch und Milchrinder gefährlich wird, dann müsse er geschossen werden. „Als Bauer bin ich Naturschützer, ich bin für den Boden verantwortlich. Aber der Mensch steht für mich immer im Vordergrund.“

Auf dem Bauerntag in Luckau hatte Jürgen Kuhlmey angeregt, Barbara Hendricks wegen ihrer Bauernregeln einen großen Haufen Dung vors Ministerium zu kippen. Das war dann aber gar nicht nötig. Die Kampagne mit den „Bauernregeln“ wurde vorzeitig beendet.

Von Oliver Fischer

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