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Eine Frage des Ermessens

Verbote für Knutfeuer Eine Frage des Ermessens

In Zeuten, Altes Lager oder Mietgendorf konnten die Einwohner am vergangenen Wochenende ihre ausgedienten Weihnachtsbäume den Flammen übergeben – weil die Gemeinden die Vorschriften locker auslegen. In anderen Gemeinden dagegen – etwa Luckenwalde und Jüterbog – kennt man in dieser Frage kein Pardon.

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In Dahlewitz wurden am Wochenende ausgediente Bäume den Flammen übergeben. Die Gemeinde hatte nichts dagegen.

Quelle: Andrea von Fournier

Dahmeland-Fläming. Am vergangenen Wochenende loderten die Flammen hoch. Ob in Zeuthen, in Schünow, in Horstfelde, in Altes Lager oder Dahlewitz, Mietgendorf, Kerzendorf oder Löwenbruch – Menschen nahmen Abschied vom Weihnachtsfest, warfen ihren ausgedienten Tannenbaum ins Feuer, wärmten sich die Hände daran und tranken womöglich noch einen Glühwein dazu.

Umstrittene Vorschrift des Umweltministeriums

Dass es tatsächlich in diesem Jahr wieder zu diesen Knutfesten kommen würde, war vor zwölf Monaten noch gar nicht so klar. Aufgrund von Beschwerden hatte das brandenburgische Umweltministerium die kommunalen Ordnungsämter aufgefordert, solche Veranstaltungen aufgrund der Umweltbelastungen kritisch zu begleiten und die Anträge eingehend zu prüfen. Die meisten Gemeinden zeigen sich in diesem Punkt aber offenkundig freimütig – wenngleich nicht alle.

Begeisterung in Zossen, Ablehnung in Jüterbog

Während man etwa in Königs Wusterhausen dem aus Skandinavien eingeführten Brauchtum positiv gegenübersteht und in Zossen sogar Berichte der Feste auf der Homepage der Stadt veröffentlicht, verfolgt man in Luckenwalde und Jüterbog eine klar ablehnende Haltung zur Weihnachtsbaumverbrennung. „Dann könnten wir ja auch aus Brauchtum Plastiktüten verbrennen“, sagt Joachim Wasmansdorff, der Leiter des Jüterboger Ordnungsamtes. „Auch ein Brauchtumsfeuer wie zu Neujahr oder Ostern muss so gestaltet sein, dass die Umstehenden dabei nicht vergiftet werden.“

Hintergrund

Feuer ist nicht gleich Feuer. Im privaten Rahmen erlaubt sind laut Ordnungsrecht kleine Lagerfeuer, etwa in einer Feuerschale oder einem Feuerkorb, so lange das Holz naturbelassen, unbehandelt und trocken ist und niemand belästigt oder gefährdet wird. Verboten ist dagegen das Verbrennen von Grünschnitt. Es gibt in Brandenburg extra eine Abfallkompost- und Verbrennungsverordnung, die das regelt. Kommunen können aber Ausnahmen erlauben.

Wer seinen Weihnachtsbaum nicht verbrennen will, kann ihn einfach abgeschmückt an den Straßenrand stellen, er wird dann von den Fahrern des Südbrandenburgischen Abfallzweckverbandes abgeholt. In jedem Ort gibt es zwei Touren. Gefahren wird bis Ende Januar. Die genauen Termine für jeden Ort und jede Straße können dem Internet entnommen werden unter www.sbazv.de

Damit folgt man in Jüterbog einer eher strengen Auslegung der Gesetzeslage. Tatsächlich obliegt die Genehmigung von Brauchtumsfeuern weiterhin den Gemeinden, wenngleich die Vorgaben, die das Umweltministerium Mitte Dezember noch einmal in einem Rundschreiben an die Landkreise geschickt hat, recht schwammig sind. Bei den Weihnachtsbaumverbrennungen sind zwei Dinge zu beachten, sagt Joachim Wersin, Sprecher des Umweltministeriums: Zum einen sei öffentliches Verbrennen von Grünschnitt und Gartenabfällen aus Gründen des Umweltschutzes verboten – und dazu zählen Weihnachtsbäume nun einmal; zum anderen seien Veranstaltungen, die den Gemeinschaftssinn in den Dörfern stärken, wichtig. Deshalb könnten von Verboten auch Ausnahmen genehmigt werden, und zwar immer dann, wenn die Sicherheitsbestimmungen eingehalten sind und erkennbar ist, dass es sich um ein Brauchtum handelt. „Es muss ein gewisses öffentliches Interesse da sein“, sagt Wersin. Das sei Auslegungssache.

Manchmal brannten bis zu 50 verschiedene Feuer gleichzeitig

Dem öffentlichen Interesse will man auch in Jüterbog entgegenkommen, weshalb man sich in der Stadt auf zentrale Brauchtumsfeuer in den Ortsteilen und der Kernstadt geeinigt hat. In den vergangenen Jahren waren Gelegenheiten wie Neujahrs- und Osterfeuer immer beliebter geworden, sodass manchmal bis zu 50 verschiedene Feuer gleichzeitig brannten. Anwohner hatten sich zunehmend über die Rauchbelästigung beschwert, sodass sich das Ordnungsamt zu einer strikteren Handhabung genötigt sah.

Im vorigen Jahr wurden auch andernorts mehrere Knutfeuer kurzfristig abgesagt, zum einen wegen der unsicheren Rechtslage, aber auch wegen eines schweren Sturmes, der in der ersten Januarwoche über die Region fegte. In der Folgezeit sammelte der Südbrandenburgische Abfallzweckverband dann auch mehr Weihnachtsbäume vom Straßenrand ein, nämlich 183 Tonnen statt den zuletzt üblichen 170 Tonnen. Ob ein Zusammenhang besteht, ist allerdings unklar.

Glasow: Winterzauber statt Knutfest

In Glasow hat die Feuerwehr aus dem Hin und Her Schlüsse gezogen und ihr Konzept überarbeitet. Statt eines Knutfeuers gab es in diesem Jahr „Winterzauber“. Auf dem Dorfanger wurden keine Weihnachtsbäume mehr entzündet, die Menschen wärmten sich an Schwedenfeuern und Feuerschalen.

Im Großbeerener Ortsteil Diedersdorf lässt man sich von dem juristischen Hickhack um das Knutfeuer nicht beirren. In dem 800-Seelen-Ort versammeln sich die Einwohner wieder am kommenden Sonnabend, um ihre Weihnachtsbäume wie schon in den vergangenen Jahren auf die schwedische Art zu entsorgen: „Das Feuer wird auf einem befestigten Brandplatz auf dem Gelände der Feuerwehr durchgeführt, genau wie das Osterfeuer“, sagt Lothar Schwarz, der Leiter des Großbeerener Ordnungsamtes. Veranstalter ist die Feuerwehr selbst und der Förderverein. „Und jeder, der seinen Weihnachtsbaum mitbringt, bekommt einen Glühwein.“ Schwarz rechnet zwischen 40 und 60 Teilnehmern, maximal aber 100. „Aber die Bäume werden natürlich nach und nach verbrannt und die Feuerwehr wird auch die Rauchentwicklung im Blick behalten.“

Von Oliver Fischer

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