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Teltow-Fläming Eine Kerze zum Gedenken
Lokales Teltow-Fläming Eine Kerze zum Gedenken
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19:14 09.11.2017
Anne Lauschus (l.) und Veronika Ludwig beim Entzünden der Kerze auf der Trebbiner Straße. Quelle: Andrea von Fournier
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Mahlow

„Ich kann mir einen 9. November ohne Pogromgedenken gar nicht vorstellen“, sagt Anne Lauschus. Die Mahlowerin, Pfarrerin der evangelischen Gemeinde, lädt jedes Jahr an diesem Tag zum Innehalten und Gedenken an die Reichspogromnnacht 9. November 1939 ein, seit sie ihre Stelle angetreten hat. Am Donnerstag fand das zum 13. Mal statt. Manchmal begleiteten sie Konfirmanden oder andere Gruppen, manchmal steht sie, wie in diesem Jahr, mit ein, zwei anderen Mahlowern in Gedanken und im Gespräch zusammen.

Rotes Tuch auf dem Gehweg

Vor der Sparkasse an der Trebbiner Straße legten Lauschuss und Veronika Ludwig ein rotes Tuch auf den Bürgersteig. Darauf wurden Glasscherben verstreut und eine dicke Kerze flackerte im Glaszylinder. Daneben lehnte die Zeichnung einer abgemagerten jungen Frau, eine Häftlingsarbeit, gefunden nach der Befreiung des Frauen-KZs Ravensbrück. Drei langstielige weiße Rosen finden Platz auf dem Tuch. „Eine ist für die namenlosen jüdischen Opfer des Nationalsozialismus“, erklärt Anne Lauschus. Die anderen beiden sind für das jüdische Ehepaar Idessa und Abbraham Amster, das von 1922 bis 1939 nebenan in der Trebbiner Straße in der „Grünen Villa“wohnte. Die Österreicher kamen nach Deutschland um hier zu arbeiten und zu leben und zogen drei Kinder auf. Nachdem sie 1939 das Mahlower Haus verkauft und nach Berlin gezogen waren, wurden sie von dort ins Warschauer Ghetto deportiert.

Nur eine Passantin bleibt stehen

Eine jüdische Gemeinde gab es in Mahlow nicht, bisher wurde auch nicht nach noch unbekannten jüdischen Mahlowern. Ein Schweigemarsch zum ehemaligen Haus der Familie Amster, das mit zwei Stolpersteinen markiert ist, ist für Veronika Ludwig und Anne Lauschus ein Bedürfnis. Gemeinsam legen sie vor dem Haus die Rosen nieder und beten die „Versöhnungslitanei aus Coventry“. Zuvor gibt es noch den einen oder anderen neugierigen Blick von Passanten. Doch nur eine Frau bleibt stehen. Sie fragt mit Akzent, was los sei und entschuldigt sich, dass sie das Datum nicht kenne. Zuhause wolle sie das mal recherchieren.

Von Andrea von Fournier

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