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Eine Schrulle zum Reformationsjahr

Glau Eine Schrulle zum Reformationsjahr

Der in Berlin und Glau lebende Schriftsteller Peter J. Fabich hat ein Theaterstück über Martin Luther und seine Freunde geschrieben. Es heißt „Der Wittenberger Frühschoppen“ und setzt sich satirisch-deftig und vor allem kritisch mit der Reformation und ihren Reformatoren auseinander. Das Stück wird demnächst auch vom Berliner Sommertheater aufgeführt.

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Peter J. Fabich (l.) und Jürgen Bieberstein.

Glau. Pünktlich zum Evangelischen Kirchentag und natürlich passend zum Jubiläumsjahr, in dem 500 Jahre Reformation gefeiert wird, hat der in Berlin und Glau lebende Schriftsteller Peter J. Fabich ein neues Buch herausgegeben unter dem Titel „Der Wittenberger Frühschoppen“. Der Titel wie auch das Titelbild lassen Rückschlüsse auf die bekannten Tischgesellschaften und die berühmten Tischreden des großen Reformators Martin Luther zu. Auf dem Holzschnitt sitzt er also inmitten seiner Tischgesellschaft und Peter J. Fabich hat quasi zugehört beziehungsweise legt Luther und seinen Gästen des Gelages die Wörter in den Mund.

Literarisches Dramolett

Ziemlich derb geht es dabei schon zu – und für die Kunstform dieses Stücks gibt es bisher auch noch keine so recht passende Kategorie. Fabich bezeichnet selbst seinen Theater-Text als „literarisches Dramolett“ beziehungsweise als eine „Schrulle“ und liefert eine Erklärung dieses Begriffs gleich hinzu: „Also ein launiger, eigenwilliger, toller Einfall; das Wort kommt von Schrolle, das heißt Laune, und schrollen bedeutet schimpfen“.

Tetzel als „Untoter“

So treten Martin Luther und seine Tischgenossen, die Wittenberger Theologieprofessoren Caspar Cruciger der Ältere und Philipp Melanchton, der Zossener Adlige Eustachius von Schlieben, der Maler Lucas Cranach der Ältere und Luthers Frau Katharina von Bora recht schrullig auf. Auch Johann Tetzel erscheint, aber nur am Rande und das als „Untoter“.

Umso lebendiger geht es am lutherischen Tisch zu, an dem sich die reformatorischen Herren zum Frühschoppen schadlos halten. So ist die Schrulle deutlich derber als die „Grille“, wie sie Johann Wolfgang von Goethe als lustiges, aber freundlichers Stück bezeichnete.

Ernster Hintergrund: Es fehlt bisher die Satire

Einen ernsten Hintergrund hat die Schrulle aber. Fabich fehlt bei der Beobachtung, was zum Reformationsjahr alles angeboten und geschrieben wird, die satirische Auseinandersetzung mit Luther, Melanchton und deren Lehren. „Dabei hatte es mich überrascht“, sagt Fabich, „wie wenig zimperlich die mit Abtrünnigen und Häretikern umgingen.“ Vor allem Melanchton, der hagere und vergeistigte Gegenpart des feisten und polterigen Luther habe er sich anders vorgestellt, so Fabich: „Der hat ja regelrecht Todesurteile gegen abtrünnigen Täufer unterschrieben!“ Für Fabich laufen die Auseinandersetzungen der Reformatoren mit der katholischen Kirche und später die innerreformatorischen Zwistigkeiten auf eines hinaus: „Es ging immer um Macht!“

Verbeugung vor Hans Clauert

Das alles habe er in dieser Schrulle verarbeitet. Und nebenbei lässt er als tiefe Verbeugung vor Hans Clauert, das Schlitzohr aus Trebbin auch noch in Katharinas Wittenberger Küche erscheinen. Über dieses Trebbiner Original hat Fabich bereits sieben Bücher geschrieben.

Sein neuestes Buch über Luther ist ebenfalls im Verlag Rollwenzel seines Freundes Jürgen Bieberstein erschienen, mit dem er ein kleines Bauernhaus in Glau bewohnt.

Aufführungsorte gesucht

Das Stück, dessen Dialoge durchweg in Reimen geschrieben ist („damit die Schauspieler den Text schneller lernen können“), wird schon fleißig vom „Berliner Sommertheater“ einstudiert. Es soll im Theater der Rollwenzelei in Glau, beim Zossener Weinfest, in Thyrow und im Clauerthaus Trebbin gespielt werden. Weitere Aufführungsorte werden noch gesucht.

Von Hartmut F. Reck

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