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Eine Wand spaltet den Ort

Dahlewitz Eine Wand spaltet den Ort

Eigentlich soll die Lärmschutzwand auf dem neuen Tunnel in Dahlewitz für Ruhe sorgen. Tatsächlich verursacht der graue Wall bei einigen im Ort große Aufregung. Elsbeth Frankenstein empfindet Dahlewitz als geteilt und geschunden. Weil eine schnelle Abhilfe nicht in Sicht scheint, möchte Ortsvorsteher Claus Treffkorn das Problem mit Kreativität und bunter Farbe lösen.

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Seit 1961 lebt Elsbeth Frankenstein. Sie findet, dass die neue Lärmschutzwand am Tunnel den Ort verschandelt.

Quelle: Foto: Christian Zielke

Dahlewitz. Autofahrer mögen den Tunnel in Dahlewitz, erspart er ihnen doch das lästige Warten an der Schranke. Viele Dahlewitzer fremdeln aber mit dem im September vorigen Jahres eröffneten Bauwerk. Eine von ihnen ist Elsbeth Frankenstein. Sie sitzt für die SPD im Ortsbeirat und kann immer noch nicht fassen, was mit ihrem Ort in den vergangenen Wochen passiert ist.

Im April haben die Arbeiten an der Lärmschutzwand begonnen, im Wochenrhythmus wuchsen die grauen Segmente in die Höhe – bis man kaum noch sah, dass der Ort dahinter weitergeht. Und genau da liegt für Elsbeth Frankenstein das Problem. „Ich möchte mir nicht vorstellen, dass Dahlewitz für die nächsten Jahrzehnte optisch geteilt ist“, sagt sie. Am schlimmsten sei es, wenn man aus Blankenfelde kommt. Dann könne man nicht mehr sehen, was sich jenseits der grauen Wand befindet. „Ich habe richtig Bauschmerzen und kann nachts nicht schlafen“, sagt die ehemalige Lehrerin, die seit 1961 in Dahlewitz lebt und ihren Ort nun als „geschunden und verschandelt“ beschreibt. Oft werde sie von Bürgern angesprochen, die die graue Wand ebenfalls nicht hinnehmen wollen.

Graffiti an den Wänden sind ein weiteres Ärgernis

Lärmschutz an der viel befahrenen Bahnstrecke müsse sein, doch ihr seien Glaswände wesentlich lieber gewesen, wie sie der Ortsbeirat zu Beginn der Planungen angeregt hatte. Vor allem, weil sich kurz nachdem die Wand fertig war, dort die ersten Graffiti-Sprayer verewigt hatten, wodurch das Ortsbild zusätzlich leide.


Eine schnelle Abhilfe scheint nicht in Sicht. Weder Bahn, noch das Land, noch der Ortsvorsteher sehen eine Möglichkeit, an der Lärmschutzwand etwas zu verändern. Die Bahn verweist auf den Planfeststellungsbeschluss, der hoch absorbierende Lärmschutzwände vorschreibt. Derzeit seien bei der Bahn keine transparenten Wände zertifiziert und zugelassen, teilt Michael Baufeld, ein Sprecher der Bahn, mit. Auch die Graffiti werden vermutlich noch lange Zeit an Lärmschutz- und Tunnelwänden prangen. Weder die Deutsche Bahn noch der Landesbetrieb Straßenwesen, der für die Betonwände des Tunnels zuständig ist, versprechen eine zügige Beseitigung. Grundsätzlich entfernt die Landesbehörde nur Schmierereien, wenn diese sexistisch, verfassungs- oder fremdenfeindlich sind. Ähnlich ist die Graffiti-Politik der Deutschen Bahn. „Reinigungskosten zu ästhetischen Zwecken sind im begrenzten Budget derzeit nicht vorgesehen. Zumal anzunehmen ist, dass eine Reinigung solcher Flächen nur von sehr kurzer Dauer sein wird. Hier stehen daher Kosten und Nutzen in keinem vertretbaren Verhältnis“, teilt Michael Baufeld mit.

Der Ortsvorsteher möchte das Problem mit bunter Farbe lösen

Aus dieser Not möchte Ortsvorsteher Claus Treffkorn (Linke) eine Tugend machen und die grauen Wände bunt gestalten lassen – mit Dahlewitzer Motiven. „Damit dämmt man die Graffitigefahr ein“, ist er überzeugt. Für den kommenden Gemeindehaushalt hat der Ortsbeirat bereits Geld dafür beantragt. Hoffnung auf einen kompletten Umbau der Lärmschutzwand hat Claus Treffkorn nicht. „Ich kann verstehen, dass viele Dahlewitzer das nicht schön finden“, sagt er.

Sollte eines Tages die Bahnstrecke Richtung Rangsdorf auf Tempo 200 ausgebaut werden, könnten weitere Schutzwände entstehen. Laut Bahn befinde man sich derzeit noch in der Vorplanung für diesen Abschnitt und könne noch keine Aussagen zum geplanten Lärmschutz machen.

Von Christian Zielke

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