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Eine neue Mauer ärgert den Ortsbeirat

Genshagen Eine neue Mauer ärgert den Ortsbeirat

Von der Dimension einer neuen Logistikhalle in Genshagen ist nicht nur Ortsvorsteher Dirk Houschka überrascht. Er möchte eher informiert werden, um Dorfbewohnern besser Rede und Antwort stehen zu können. Ihn ärgert, dass die riesige Lagerhallenwand zum Dorf hin nicht mit immergrünen Bäumen verdeckt werden kann. Sie bleibt für Bewohner am Ortsrand ein blockierter Blick.

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Eckhard Hannemann (l.) und Ortsvorsteher Dirk Houschka an der Genshagener Grenze zwischen Dorf und Gewerbegebiet Brandenburg Park.

Quelle: Jutta Abromeit

Genshagen. An einer unübersehbar wachsenden Wand in Genshagen entzündet sich der Unmut des Ortsbeirats im größten Ortsteil der Stadt Ludwigsfelde erneut: Der Genshagener Ortsvorsteher Dirk Houschka möchte eher informiert werden, um den Dorfbewohnern besser Rede und Antwort stehen zu können. Und das nicht nur bei solch riesigen Bauvorhaben wie der entstehenden Logistikhalle, „sondern über alles, was ansteht, auch Verkehrsregelungen oder Kulturveranstaltungen.“

Hintergrund

Genshagen ist mit knapp 1300 Einwohnern der größte von elf Ludwigsfelder Ortsteilen, er wurde 1289 erstmals urkundlich erwähnt.

Dominierend im Ortsbild ist das Schloss, um 1880 als Herrensitz erbaut und heute Sitz der Stiftung Genshagen. Außerdem fand Ernst von Stubenrauch (1853-1909), Landrat des Kreises Teltow, dort seine letzte Ruhestätte.

Nach dem Mauerfall wandelte sich das bis dahin landwirtschaftlich geprägte Dorf, mit dem Sitz eines volkseigenen Gutes, zu einer bekannten Adresse für Gewerbebetriebe. Dutzende Firmen siedelten sich im Brandenburg Park an, darunter Scania und Coca-Cola.

Dann könnten die Ortsvorsteher sicher auch das Agieren im Rathaus besser verstehen, meint Houschka. Konkret ärgert ihn, dass die riesige Lagerhallenwand zum Dorf hin nicht mit immergrünen Bäumen verdeckt werden kann. So bleibt sie für die Ortsrandbewohner ein blockierter Blick in die Landschaft. „Dass hier gebaut wird, das wussten wir ja“, sagt Anwohner Eckhard Hannemann, „aber dass es so hoch und so dicht dran wird, das hat uns doch überrascht.“

Willen umsetzen

Dirk Houschka hatte den Willen des Ortsbeirats umsetzen wollen und für vier gefällte alte Bäume am Dorfgemeinschaftshaus die 28 jungen Ersatzbäume an oder auf den Lärmschutzwall pflanzen wollen. „Fast zwei Jahre haben wir mit der Stadt darüber gesprochen. Aber wegen der vielen Leitungen war das nicht möglich“, sagt der Ortsvorsteher. So stehen die Ersatzbäume nun am Weg neben dem Schloss.

Zurzeit errichtet die Firma VGP Industriebau Düsseldorf im Brandenburgpark Genshagen eine Lagerhalle mit 48 800 Quadratmetern Nutz- und Sozialfläche. Sie ist damit doppelt so groß wie die erste VGP-Halle an der Nordanbindung zum Industriepark. Ab zweitem Quartal soll sie nutzbar sein, hatte VGP-Geschäftsführer Darius Scheible erklärt. Nach bisher noch unbestätigten Informationen soll der Discounter Lidl Hauptmieter sein, um dort sein Lager für Online-Handel einzurichten.

Die Lärmschutzwand ist ein Ergebnis der Anhörungen und Beteiligungen von so genannten Trägern öffentlicher Belange, die die Baugesetze vorschreiben. In diesem Fall hatte das Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit diese Dimension gefordert. Dass dort bis ans Dorf heran gebaut werden kann, das steht seit Mitte der 90er Jahre fest. Die Planungen für den rund 220 Hektar großen Brandenburg Park hatten 1992 begonnen, damals noch unter Regie der Stadt Ludwigsfelde und des Amtes Ludwigsfelde Land.

Wo liegt das Problem?

Wilfried Thielicke von der Stabsstelle Wirtschaft der Stadt, versteht nicht so recht, wo das Problem liegt. Was dort gebaut wird, sei natürlich genehmigungsfähig gewesen. „Und auch, wenn ein Ortsbeirat laut Kommunalverfassung kein Stimmrecht bei Bauvorhaben auf dem Stadtgebiet hat  – eine Meinung aus einem Ortsbeirat wird im Rathaus Ludwigsfelde nicht überhört.“

Für Dirk Houschka wird immer deutlicher: „Wir brauchen einfach einen Modus für den Informationsfluss zwischen der Stadt und den Ortsteilen.“ Es reiche nicht, dass Verwaltungsvertreter zu Schwerpunktthemen in die Ortsbeiratssitzungen kommen. Ob es monatliche Treffs oder regelmäßige Rundschreiben an die Ortsvorsteher gibt, ist ihm dabei relativ egal. Er sagt: „Früher miteinander reden. Hinterher, wenn es Tatsachen gibt, ist schwer noch etwas zu ändern.“

Von Jutta Abromeit

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