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Einigkeit in der religiösen Fünffaltigkeit

Luckenwalde Einigkeit in der religiösen Fünffaltigkeit

Vertreter von fünf Glaubensrichtungen diskutierten am Dienstag im Gemeinderaum der Luckenwalder Petrikirche über ihr Verhältnis zu Deutschland und informierten über ihre Glaubensgrundsätze. Dabei herrschte Einigkeit unter den Geistlichen über die Rolle ihrer Religionen in der Gesellschaft. Dieser interreligiöse Dialog sollte fortgesetzt werden, so die Gäste.

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An einem Tisch: ein jüdischer Rabbiner, ein „atheistischer“ Religionslehrer, ein protestantischer Pfarrer, eine buddhistische Nonne und ein islamischer Imam (v.l.) diskutierten im Gemeindesaal der Petrikirche.

Quelle: Foto: Hartmut F. Reck

Luckenwalde. Alle waren überzeugt von ihrem Glauben und zugleich belesen, gebildet und gesprächsbereit. Nur einer stach etwas aus dem Kreis der Geistlichen unterschiedlicher Religionen heraus: der Atheist. Den schien Frank Jakob, Religionslehrer aus Berlin, wohl eher als „advocatus diaboli“ spielen zu müssen, weil man für diese Runde am Dienstagabend im Gemeindesaal der Petrikirche in Luckenwalde keinen wirklichen Religionskritiker auftreiben konnte. Ansonsten herrschte weitgehende Einigkeit in der religiösen Fünffaltigkeit.

Welcher Glaube gehört zu Deutschland?

Moderiert wurde der „Interreligiöse Gesprächsabend“ vom evangelischen Pfarrer im Ruhestand Rudi-Karl Pahnke, Leiter des Instituts Neue Impulse, das sich um solche Begegnungen und Diskurse bemüht. Er griff zum Beginn des Abends das umstrittene Zitat von Alt-Bundespräsident Christian Wulff „Der Islam gehört zu Deutschland“ auf und fragte jeden Vertreter der anwesenden Glaubensbekenntnisse, ob denn seines zu Deutschland gehöre.

Religion als Vorwand für Hass

Die buddhistische Nonne Anagarika Kusaladamma aus Berlin antwortete mit rheinischem Akzent: „Alle Religionen gehören zu dieser Welt. Leider gibt es überall Radikale, die die Religion nur vorschieben, um ihren Hass auszuleben.“

Der Leipziger Imam Iftechar Ahmed diskutierte mit seiner Gesprächsrunde über den Islam und den Koran

Der Leipziger Imam Iftechar Ahmed diskutierte mit seiner Gesprächsrunde über den Islam und den Koran.

Quelle: Hartmut F. Reck

„Solange sich alle an das Grundgesetz halten“, sagte der islamische Imam Iftechar Ahmed aus Leipzig in astreinem Hochdeutsch, „gehören alle Religionen zu Deutschland.“ Das betreffe auch die Musline, die fünf Prozent der deutschen Bevölkerung stellten.

Gehören Protestanten zu Oberbayern und Katholiken zu Schleswig-Holstein?

Als „reine Phrase und politischen Blödsinn“ bezeichnete der aus England stammende und in Berlin lebende jüdische Rabbiner Walter Rothschild dieses Wulff-Zitat. Natürlich gehörten hier lebende Muslime und Juden zu Deutschland, behauptete er in perfektem Deutsch mit britischem Akzent, aber nicht der Islam und auch nicht das Judentum. Und angesichts der unterschiedlichen christlichen Feiertage in Deutschland könne man sich im Umkehrschluss auch fragen, ob Protestanten zu Oberbayern und Katholiken zu Schleswig-Holstein gehörten.

Rabbi Walter Rothschild erläuterte die Grundzüge des jüdischen Glaubens und berichtete über die Situation der jüdischen Gemeinden in Deutschland

Rabbi Walter Rothschild erläuterte die Grundzüge des jüdischen Glaubens und berichtete über die Situation der jüdischen Gemeinden in Deutschland.

Quelle: Hartmut F. Reck

„Religion an sich gehört nicht zu Deutschland“, meinte Frank Jakob, der aus seiner Erfahrung mit Schülern in Hellersdorf weiß, dass sie die religiösen Feiertage zwar gern annehmen, Religion für sie aber etwas Fremdes ist, von dem sie sich nicht vereinnahmen lassen wollen.

Anregender Austausch auch für Nichtgläubige

Der anschließenden Aufforderung des Moderators, sich mit den einzelnen Religionsvertretern in kleineren Gesprächsgruppen aufzuteilen, folgten die Besucher anfangs nur zögerlich, konnten sich aber nachher nur schwerlich dazu bewegen lassen, sich wieder in großer Runde zusammenzusetzen.

„Das war sehr anregend“, sagte ein erklärtermaßen nichtgläubiger Besucher, „und sollte auf jeden Fall fortgesetzt werden!“

Von Hartmut F. Reck

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