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Einsatz für Kinder in Not seit 25 Jahren

Märkisches Kinderdorf Einsatz für Kinder in Not seit 25 Jahren

Seit 25 Jahren sind Marina Manzke und Marion Wendt im Märkischen Kinderdorf in Ludwigsfelde aktiv. 50 Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 20 Jahren leben heute in dem Kinderdorf. In diesem Jahr feiert es sein 25-jähriges Bestehen.

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Von Anfang an dabei: Marina Manzke (l.) und Marion Wendt.

Quelle: Josefine Sack

Ludwigsfelde. An die Zustände im Kinderheim Märkisch Wilmersdorf erinnert sich Marion Wendt noch genau: An die 60 Kinder gleichzeitig musste sie als junge Erzieherin damals, Mitte der 1980er Jahre, betreuen. Für die Kleinsten begann spätestens um 19.30 Uhr die Nachtruhe. Damit auch wirklich Ruhe einkehrte, saß Marion Wendt wie ein Wachhund an der offenen Tür zum Schlafsaal, in dem zu DDR-Zeiten 20 Vorschulkinder auf harten Pritschen schliefen.

Inobhutnahme

Eine vertragliche Regelung mit dem Jugendamt des Landkreises Teltow- Fläming erlaubt dem Märkischen Kinderdorf, Kinder und Jugendliche in Obhut zu nehmen.

Das Angebot steht sowohl sogenannten Selbstmeldern als auch den Jugendämtern und der Polizei zur Verfügung, ebenso wie jungen Müttern mit Kind, für die im Notfall ein eigener Mutter-Kind-Platz bereitgestellt wird. Auf dem Gelände des Kinderdorfs sind dafür zwei separate Zimmer sowie ausreichend räumliche Möglichkeiten für Rückzug, Gespräche und Besuche vorhanden.

Auf dem 14 000 Quadratmeter großen Gelände in der Salvador-Allende-Straße befinden sich das Stammhaus mit drei Gruppenbereichen, zwei Einzelhäusern, dem Mehrzweckgebäude und drei Trainingswohnungen für junge Wohngruppen.

Infos und Termine unter www.maerkischeskinderdorf.de

Zum Glück haben sich die Zeiten geändert. Zwar ist der Tag für die Kinder im Märkischen Kinderdorf in Ludwigsfelde auch heute gut durchgetaktet. Aber jedes Kind hat sein eigenes Zimmer, das es nach Belieben gestalten und in das es sich jederzeit zurückziehen kann. 50 Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 20 Jahren leben heute im Märkischen Kinderdorf, das in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert.

Die Einrichtung, getragen vom gleichnamigen Verein, der sich über die Grenzen von Teltow-Fläming hinaus zu einem anerkannten Träger der Freien Jugendhilfe entwickelt hat, blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Das Märkische Kinderdorf geht aus dem Kinderheim hervor, das von 1957 an sein Domizil im Schloss Märkisch Wilmersdorf bei Trebbin hatte. 1986 sollte das historische Gebäude renoviert werden: Vor allem die sanitären Anlagen ließen zu wünschen übrig. Es gab nur drei Duschen in dem Heim und für 20 Jungen und Mädchen stand gerade einmal eine Toilette zur Verfügung, erinnern sich Marion Wendt und Marina Manzke.

Mehr als 30 Jahre im Dienst für Kinder

Mehr als 30 Jahre sind die beiden Erzieherinnen schon im Dienst für Kinder und Jugendliche, die Hilfe brauchen, weil zu Hause jede Menge schiefgelaufen ist, oder deren Familien – aus welchen Gründen auch immer – schlichtweg nicht in der Lage sind, sich um sie zu kümmern. Wendt ist heute Teamleiterin von mehr als 30 Erziehern, Pädagogen und Psychologen, Manzke ist ihre Stellvertreterin.

Während der Sanierung zogen die Kinder in den 1980er Jahren in ein Lehrlingsheim der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft. Der Trubel der Wendejahre machte den Rückzug ins Schloss unmöglich, unter anderem weil der frühere Eigentümer Ansprüche stellte. In der Salvador-Allende-Straße in Ludwigsfelde fand man für die Kinder und Jugendlichen schließlich ein neues Zuhause.

Am 13. Juni 1991 wurde der gemeinnützige Verein Märkisches Kinderdorf gegründet. Zu den 23 Gründungsmitgliedern zählten auch prominente Politiker, etwa der damalige Landtagspräsident Herbert Knoblich, Landrat Peer Giesicke und der Ludwigsfelder Bürgermeister Heinrich Scholl (alle SPD) als Vorsitzender des Vereins. Heute hat der Verein 110 Mitglieder.

Krisenanlaufstelle fürs Jugendamt

Nachdem die Um- und Ausbauarbeiten auf dem circa 14 000 Quadratmeter großen Gelände in der Salvador-Allende-Straße abgeschlossen waren, konnten im Januar 1992 die ersten Kinder vom Lehrlingswohnheim ins Kinderdorf umziehen. Das Areal, das mitten im Wohngebiet einer grünen Oase gleicht, hat sich im Laufe der Jahre zur obersten Krisenanlaufstelle für das Jugendamt Teltow-Fläming entwickelt. Aber auch für Kinder aus den Nachbarkreisen, etwa aus Potsdam-Mittelmark und der Landeshauptstadt, bietet das Kinderdorf Schutz und Hilfe in Notsituationen. Neben den Regelgruppen sowie der Wohngruppe für die Inobhutnahme, der ersten „Auffangstation“ für hilfebedürftige Kinder und Jugendliche, gibt es seit April 2015 auch eine therapeutische Wohngruppe: Dort bekommen Kinder mit gravierenden Entwicklungsstörungen, Kinder, deren Wohl gefährdet ist, und Missbrauchsopfer psychologische Hilfe. Auch fünf unbegleitete minderjährige Flüchtlinge leben seit Kurzem im Kinderdorf.

„Früher hatten wir teilweise hochgradig traumatisierte Kinder, aber weder Hintergrundwissen noch professionelle Hilfe“, erinnert sich Marina Manzke kopfschüttelnd an die Zeit vor der Wende. Heute geht es hingegen längst nicht mehr nur um Fürsorge und Aufsicht. Damit die Schützlinge ihre Probleme wieder in den Griff kriegen und um sie bestmöglich auf ein selbstständiges Leben vorzubereiten, stehen den Kindern neben Erziehern auch Therapeuten, Sozial- und Heilpädagogen zur Seite.

Und was hat sich noch geändert? „Wir arbeiten viel intensiver mit den Eltern zusammen“, sagt Marion Wendt. Denn oberstes Ziel sei die „Rückführung in die Familie“. Leider klappe das nicht immer. Manche Kinder bleiben viele Jahre und ziehen auch als junge Erwachsene erst einmal in eine der drei Jugendgruppen in der Stadt, in denen regelmäßig Betreuer nach dem Rechten schauen.

Traurige Schicksale

So traurig die Schicksale der Kinder auch sein mögen, mit denen Marion Wendt im Laufe ihrer Zeit als Erzieherin immer wieder konfrontiert worden ist, verzweifelt ist sie daran nicht. Obwohl es anfangs schwierig gewesen sei, Abstand zu gewinnen, wie sie zugibt. „Heute kann ich leichter damit umgehen“, sagt sie. Der Rückhalt in der eigenen Familie helfe dabei. Beim Abendbrot zu Hause sei die Arbeit tabu: „Dafür gibt es ja die Supervision.“ Der Austausch mit den Kollegen sei wichtig, um auch mit schwierigen Fällen umzugehen. „Und man braucht eine Auszeit nur für sich“, weiß Wendt aus Erfahrung. Um abzuschalten, fährt sie Rad oder wandert gern.

Ausgleich schön und gut: „Das Schönste ist, wenn die Kinder schon von Weitem grüßen oder nach dem Urlaub sagen, wie sehr sie einen vermisst haben“, entgegnet ihre Kollegin Marina Manzke. „Das tut in der Seele gut.“

Von Josefine Sack

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